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Verheerende Bilanzstruktur: Ratingbericht offenbart Probleme bei Eterna

Eterna

Es ist ein weiterer Schlag für den Hemdenhersteller Eterna. Das Unternehmen aus Passau muss eine Ratingherabstufung hinnehmen. Die Agentur Creditreform hat Eterna um eine Stufe von BB- auf B+ heruntergestuft. „Maßgeblich für diese Entscheidung seien erwartungsgemäß die Geschäftsentwicklung 2012 sowie die vorläufigen Halbjahresergebnisse 2013 gewesen, teilte Eterna hierzu mit. Mit den schlechten Zahlen begründet die Ratingagentur die Herabstufung. In einer Investoren- und Analysten-Telefonkonferenz sagte Eterna-CEO Henning Gerbaulet: „Wir hatten die Hoffnung und die Zuversicht, dass wir unser Rating halten können – nicht aufgrund unserer Zahlen, sondern aufgrund des Cashflow, des Rangrücktritts, der Kapitalbelastung und der Strategie. Rein aus den Zahlen heraus müssen wir diese Entscheidung akzeptieren.“ Der gerade veröffentlichte Ratingbericht von Creditreform zeigt, welche verheerenden bilanziellen Schwächen von Eterna diesen Schritt notwendig gemacht haben. Diese sind noch immer ein Erbe des schuldenfinanzierten Buy-Outs an die PE-Investoren Quadriga und Alpha aus dem Jahr 2006.

Bei einem erneut geschrumpften Umsatz von 95 Millionen Euro musste Eterna im vergangenen Jahr einen Verlust von 4,7 Millionen Euro ausweisen. Damit hatte sich das Ergebnis um fast das Doppelte im Vergleich zu 2011 verschlechtert, als der Jahresfehlbetrag noch 2,5 Millionen Euro betrug. „Mit der Entwicklung des Unternehmens im vergangenen Geschäftsjahr können wir nicht zufrieden sein“, räumte Eterna-CEO Gerbaulet schon Ende Juni gegenüber FINANCE ein. Der 42-jährige Gerbaulet war zum Jahreswechsel Peter Rentsch als Eterna-Chef nachgefolgt. Der Wechsel an der Führungsspitze ist im Rahmen der veränderten Unternehmensstrategie zu sehen. Über eine Modernisierung der Kollektionen und eine weitere Internationalisierung will Gerbaulet Eterna wieder auf den Wachstumspfad zurückbringen. „Wir wollen organisch wachsen und dafür unseren eigenen Einzelhandel weiter ausbauen, aber moderat und kapitalschonend. Zudem wollen wir ganz klar das Großhandelsgeschäft wieder stärken“, sagt der neue CEO zu seiner Strategie.

Erbe des LBO durch PE-Investoren Quadriga und Alpha

Doch das wollen alle anderen auch. Zudem wird es für den neuen Eterna-Chef nicht einfach werden, denn das Eigenkapital des Hemdenherstellers ist dem Ratingbericht zufolge inzwischen aufgezehrt. Das Unternehmen hat nur wenig finanziellen Spielraum. Hohe Nettofinanzverbindlichkeiten über 86 Millionen Euro (58 Millionen Euro ohne Gesellschafterdarlehen) belasteten den Hemdenhersteller zum 31. Dezember 2012. Das entspricht dem Siebenfachen des 2012 erwirtschafteten EBITDA.

Der Schuldenberg stammt aus dem Leveraged Buy-out 2006, als die beiden PE-Investoren Quadriga Capital und Alpha bei Eterna einstiegen, obwohl Eterna seitdem bereits Dutzende Millionen Euro getilgt hat. In dem Schuldenberg sieht Creditreform „einen beachtlichen Risikofaktor für den Eterna-Konzern“. Die Innenfinanzierungskraft sei gemessen am aktuellen Schuldenstand zu schwach. Zudem geht die Ratingagentur dem Bericht zufolge davon aus, dass Eterna „wegen der vergleichsweise schwachen operativen Verfassung […] bis auf weiteres keine Gewinne erwirtschaften wird“. Eterna blieb im ersten Halbjahr dieses Jahres leicht unter den Planzahlen. Creditreform geht jedoch davon aus, dass die „ergriffenen Maßnahmen [von Eterna] zur Konsolidierung im Verlauf des Jahres Fortschritte machen und sich die geschäftliche Lage stabilisiert“. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Eterna eigenen Angaben zufolge einen verbesserten Free Cashflow von 2,2 Millionen Euro erzielt. Im Zuge dessen erhöhten sich die liquiden Mittel um 4,4 Millionen Euro auf nun 8,2 Millionen Euro zum 30. Juni 2013. Zum gleichen Zeitpunkt weist Eterna ein wirtschaftliches Eigenkapital von 25 Millionen Euro und eine Eigenkapitalquote von 25,1 Prozent aus.

Mit Mittelstandsanleihe ordnet Eterna Finanzierung neu

Vor einigen Wochen hatte sich Eterna zusätzlich Luft verschafft. Der Hemdenhersteller hatte seine Mittelstandsanleihe in Höhe von 35 Millionen Euro im Juni dieses Jahres wie geplant um 20 Millionen Euro aufgestockt. Das ist nicht selbstverständlich, da der Markt für Mittelstandsanleihen derzeit bedenklich schwächelt. Die Investoren sind satt. Mehrere mittelständische Unternehmen konnten in den vergangenen Wochen ihre angekündigten Volumina nicht wie geplant platzieren. Dazu gehören beispielsweise der niederländische Metallhändler Metalcorp, der Heimtierbedarfhändler Karlie und MBB Clean Energy,  ein Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Der Windparkbetreiber Wallenborn Adria musste seine Mittelstandsanleihe sogar komplett absagen.

Dass Eterna die Aufstockung seiner Anleihe vollständig platzieren konnte, spricht für das Vertrauen der Investoren, das dem Hemdenhersteller entgegengebracht wird, und das obwohl dieser Finanzierungsplan kurz vor der Platzierung noch kritische Fragen nach der Lage von Eterna aufgeworfen hatte, da mit der Mittelstandsanleihe ein aus dem LBO stammender Konsortialkredit in Höhe von 27 Millionen Euro abgelöst wurde. Eterna hat mit der Anleiheaufstockung seine Finanzierungsstruktur jedoch umfassend neu geordnet und sich von einem schweren Klotz am Bein befreit. Denn der alte Konsortialkredit hatte aufgrund „ambitionierter Tilgungsverpflichtungen in den vergangenen Jahren zu erheblichen Liquiditätsbelastungen geführt“, wie Creditrefom in dem Ratingbericht schreibt. „Mit dem im ersten Halbjahr erzielten Free Cashflow sind die im Oktober fälligen Zinszahlungen für die gerade aufgestockte Anleihe bereits jetzt gedeckt“, sagte Helmut Kandlbinder, Leiter Finanzen und Controlling bei Eterna in einer Investoren- und Analysten-Telefonkonferenz. Zudem will Eterna mit diesen Mitteln die Nettoverschuldung weiter zurückführen. Die Bankdarlehen hat der Hemdenhersteller im Zuge der Umfinanzierung auf 5 Millionen Euro reduziert.

Besseres Rating – erklärtes Ziel von Eterna-Chef Henning Gerbaulet

„Eterna ist mittelfristig nun solide finanziert“, sagte Gerbaulet in der Telefonkonferenz weiter. „Wir haben die nötige unternehmerische Freiheit bekommen und gehen nun mit den zur Verfügung stehenden Mitteln vorsichtiger um. Wir versuchen die Prozesse so zu organisieren, dass wir mit dem derzeitigen Kapitaleinsatz ein profitableres Geschäft machen können.“ Nun muss Eterna-CEO Henning Gerbaulet zeigen, ob er durch seine angestoßene Neuausrichtung die strukturellen Schwächen des Hemdenherstellers überwinden kann und sich in einigen Monaten oder Jahren wieder Gewinne bei Eterna einstellen. Sein erklärtes Ziel ist: „Wir wollen wieder ein besseres Rating bekommen“, sagte der Eterna-Chef in der Analystenkonferenz. „Das nächste Rating steht 2014 an, wir wollen im kommenden Jahr eine Trendwende erreichen und damit auch positive Ratingeffekte realisieren.“ Das ist in einem weitgehend gesättigten Markt leichter gesagt als getan.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Mehr Zahlen, Hintergründe und Einschätzungen finden Sie auf unserer Themenseite zu Eterna.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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