Das Finanzteam von Volkswagen hat sich mächtig ins Zeug gelegt: Die Wolfsburger haben in der vergangenen Woche Anleihen im Wert von 12,5 Milliarden Euro platziert. Noch nie hat der Autobauer so viel Geld gleichzeitig über die Kapitalmärkte aufgenommen, schreibt die beratende Anwaltskanzlei Clifford Chance.
Um die Rekordtransaktion zu stemmen, platzierte VW gleich drei Emissionen parallel: In den Vereinigten Staaten sammelte der Dax-Konzern 8 Milliarden US-Dollar ein, aufgeteilt in sieben Tranchen. Die Laufzeiten reichen von zwei bis zehn Jahre. Es war zugleich das erste Mal nach Bekanntwerden des Dieselskandals, dass die Wolfsburger den amerikanischen Kapitalmarkt angezapft haben. Zuletzt hatte VW im Mai 2015 Bonds in den USA platziert. Die Transaktion wurde begleitet von BBVA, Citigroup, HSBC, JP Morgan und Mizuho Securities.
Nur Sanofi gelang 2018 ein größerer Euro-Bond
In Europa emittierte Volkswagen indes Anleihen im Gesamtwert von rund 5,15 Milliarden Euro. Die Papiere teilen sich in vier Euro-Tranchen über 4,25 Milliarden Euro sowie zwei Titel über 800 Millionen Pfund Sterling auf. Für die längste Euro-Tranche, die 1,25 Milliarden Euro schwer ist und eine Laufzeit von 20 Jahren hat, muss VW-CFO Frank Witter einen Kupon von 4,125 Prozent zahlen.
FINANCE-Köpfe
Am Euromarkt war es zugleich die zweitgrößte Emission eines Unternehmens im laufenden Jahr. Nur der französische Pharmakonzern Sanofi hat mit 8 Milliarden Euro im Frühjahr mehr aufgenommen. Begleitet wurde die VW-Emission von BNP Paribas, Deutsche Bank, Goldman Sachs International, Mitsubishi UFJ Financial Group und RBC Capital Markets.
VW muss hohe Neuemissionsprämie zahlen
Während die Zinskonditionen der US-Papiere von VW am Markt gut ankamen – für die zehnjährige Tranche über 1,25 Milliarden Dollar zahlt Volkswagen 4,75 Prozent – bewerten Analysten die Euro-Transaktion kritischer. Von der BayernLB hieß es, die Zinskonditionen seien üppig. Offenbar sorgten vor allem die Neuemissionsprämien für Verwunderung. Dem Branchenblatt „Global Capital“ zufolge lagen diese zwischen 50 und 80 Basispunkten.
Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen diese Prämien im Schnitt zwischen 5 und 10 Basispunkten. Allerdings waren sie zuletzt gestiegen, was Bondexperten als erste Anzeichen für eine Trendwende am Kapitalmarkt werten. Vor allem im Oktober trübte sich die Lage merklich ein, einige Unternehmen sagten sogar geplante Transaktionen ab. Zum Jahresende wird das massive Anleihekaufprogramm der EZB auslaufen, was zu deutlich höheren Finanzierungskonditionen führen dürfte.
Allerdings ist der Fall Volkswagen speziell: Durch die Dieselkrise kann der Autobauer seit drei Jahren nicht mehr so flexibel an den Markt gehen wie früher. Daher fällt es den Wolfsburgern schwerer, kurzfristig auf günstige Zeitfenster oder Investorennachfragen zu reagieren.
Volkswagen zapft kanadischen Anleihemarkt an
Den letzten Baustein der 12,5-Milliarden-Euro-Finanzierung nahm Volkswagen in Kanada auf: Hier sammelte der Autobauer rund 750 Millionen Kanadische Dollar ein. Das Bankenkonsortium für diese Emission bestand aus TD Securities, RBC Capital Markets und Scotiabank. Beraten wurden die Wolfsburger bei allen drei Transaktionen von den Anwälten von Clifford Chance.
Wofür der Dax-Konzern das Kapital benötigt, ist nicht bekannt. Volkswagen gab Clifford Chance zufolge lediglich die übliche Formulierung an, das Geld diene „allgemeinen Unternehmenszwecken“.
Ende vergangener Woche hatten die Wolfsburger bekanntgegeben, in den kommenden fünf Jahren 44 Milliarden Euro in neue Technologien wie autonomes Fahren und Elektromobilität stecken zu wollen. Gut möglich, dass Finanzchef Witter sich schnell noch günstiges Geld für das Investitionsprogramm sichern wollte, ehe die Zinsen wieder anziehen.