Eitel Sonnenschein herrschte am Anleihemarkt lange. Nun ziehen erste Wolken auf.

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30.10.18
Finanzierungen

Lage am Bondmarkt trübt sich ein

Das dritte Quartal lief gar nicht schlecht, der Oktober war dagegen ein überaus turbulenter Monat für Euro-Bondemissionen. Allerdings trifft die gestiegene Volatilität nicht alle Emittenten.

Der europäische Bondmarkt büßt zu Beginn des vierten Quartals an Schwung ein: Der September war noch überaus aktiv, fast wöchentlich wurden Investmentgrade-Bonds über 10 Milliarden Euro platziert. Insgesamt lag das Emissionsvolumen im dritten Quartal bei 67 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2017 waren es im selben Zeitraum nur 57 Milliarden Euro.

Doch im Oktober ging die Aktivität deutlich zurück. Einige Transaktionen, darunter ein geplanter Bond von Bilfinger, wurden sogar zurückgezogen. Neben der beginnenden Blackout-Phase bei vielen Unternehmen dürfte auch ein Stimmungsumschwung am Bondmarkt für die Zurückhaltung verantwortlich sein: Diskussionen um die finanzielle Lage Italiens, die sich verschärfenden Handelskonflikte, der Unsicherheitsfaktor Brexit sowie schwächere Wachstumsprognosen sorgen für Verunsicherung.

Neuemissionsprämien am Bondmarkt ziehen an

„Wir sehen keine sprunghaften Preisanstiege, allerdings ist der Trend ganz klar erkennbar.“

Ingo Nolden, HSBC

Damit setzt sich ein Trend fort, der sich schon vor der Sommerpause abzeichnete: Die Investoren schauen genauer hin und wollen für Risiken wieder höhere Prämien sehen. „Wir sehen keine sprunghaften Preisanstiege, allerdings ist der Trend in diesem Jahr ganz klar erkennbar“, berichtet Ingo Nolden, DCM-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei der HSBC. „Die Neuemissionsprämien ziehen an – auch wenn wir uns nach wie vor auf einem niedrigen Niveau bewegen.“ Während man zum Jahresbeginn Neuemissionsprämien zwischen 0 und 5 Basispunkten gesehen hat, liegen sie nun eher zwischen 10 und 15 Basispunkten. 

Der Preisanstieg trifft allerdings längst nicht alle Bondemittenten gleichermaßen. „Bei Top-Namen ist das Investoreninteresse nach wie vor sehr hoch, bei Unternehmen schlechterer Bonität werden die Investoren dagegen zunehmend kritischer“, beobachtet Nolden. Das lässt sich auch an der Entwicklung der Credit Spreads nach Rating-Klasse ablesen: Lag der Credit Spread von High Yield Bonds zum Jahresbeginn noch etwa 135 Basispunkte über dem von BBB-gerateten Unternehmensanleihen, so ist der Unterschied inzwischen auf 183 Basispunkte angestiegen, wie aus den IBoxx-Indices hervorgeht.

Auch innerhalb der Investmentgrade-Bonds ist ein Auseinanderlaufen zu erkennen: Dort liegt der Spread bei A-gerateten Bonds im Schnitt 44 Basispunkte unter dem von BBB-gerateten Bonds. Anfang des Jahres lag die Diskrepanz nur bei 25 Basispunkten. Für Unternehmen mit schwächeren Bonitäten ziehen die Konditionen am Bondmarkt also stärker an als für die Blue-Chip-Namen.

Rückzug der EZB aus dem Bondmarkt ist spürbar

Eine Rolle für die aktuellen Entwicklungen spielt auch der Rückzug der EZB aus dem Bondmarkt. Die Zentralbank hat ihr monatliches Anleihekaufvolumen seit Anfang Oktober auf 15 Milliarden Euro gedrosselt. Zum Jahresende soll es voraussichtlich ganz auslaufen. „Alle haben sich etwas zu sehr an die enorme Menge an Liquidität in den Märkten gewöhnt, da wird ein längerer Anpassungsprozess nötig sein“, meint Nolden.

Was das für die noch verbleibenden Monate in diesem Bond-Jahr bedeutet, ist allerdings schwer abzusehen. „Wir sehen auf der einen Seite Emittenten, die erwarten, dass der Markt noch unruhiger wird und die noch ihre Chance nutzen wollen“, sagt der Bondexperte. „Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, die von Emissionen Abstand nehmen oder andere Märkte anzapfen.“

Gerade der Schuldscheinmarkt, der von den aktuellen Marktschwankungen deutlich weniger betroffen ist, hat in den vergangenen Monaten auch potentielle Bondemittenten angelockt. „Allerdings ist und bleibt das ein Nischenmarkt, der nur einen Bruchteil der Volumina aufnehmen kann“, betont Nolden. Außerdem würden höhere Preise am Bondmarkt sich über kurz oder lang auch am Schuldscheinmarkt widerspiegeln.

Turbulentes Jahr 2019 steht bevor

In einer Sache scheint bei den Marktteilnehmern bereits jetzt Einigkeit zu bestehen: Das kommende Jahr wird wohl deutlich herausfordernder als dieses ausfallen. „Die meisten rechnen mit einem turbulenten 2019“, kommentiert Nolden. Bereits seit einer Weile sei deutlich zu erkennen, dass Investoren verstärkt Gelder aus dem Anleihesegment abziehen. Bei einer wachsenden Zinsdiskrepanz zwischen den USA und Europa dürfte sich das auch im kommenden Jahr, insbesondere im Euroraum, weiter fortsetzen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

„Die meisten rechnen mit einem turbulenten 2019.“

Ingo Nolden, HSBC