Deutsche Börse

28.06.18
Finanzierungen

5 Antworten zur Neuordnung der Dax-Indizes

Die Deutsche Börse ändert den Aufbau von SDax und MDax. Warum tut sie das, und was sagen Marktteilnehmer dazu? FINANCE beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was verändert sich bei den Indizes?

Bislang hatte die Deutsche Börse die Unternehmenswelt in zwei Segmente geteilt: Ein Tech-Segment für Technologieunternehmen und ein Classic-Segment für die übrigen Branchen. Diese Zweiteilung wurde häufig kritisiert: Sie sei künstlich herbeigeführt und nicht mehr zeitgemäß, lautete regelmäßig die Kritik aus dem Markt.

Künftig wird sie aufgegeben: Mit der Neusortierung können Unternehmen des Technologie-Segments – bislang im TecDax verortet – in den MDax oder SDax aufgenommen werden. Für sie ergeben sich damit die größten Neuerungen. Zum anderen können Dax-Unternehmen aus einem Technologiesektor zugleich Teil des TecDax-Indizes sein. Während der TecDax weiterhin aus 30 Unternehmen zusammengesetzt wird, vergrößert sich die Zahl der Mitgliedsunternehmen im MDax von 50 auf 60 und im SDax von 50 auf 70.

Wie ist der Zeitplan für die Neuaufstellung?

Die neue Methodik wird zum 24. September 2018 wirksam. Bereits seit dem 18. Juni gibt es vorübergehende Schattenindizes, die SDax, MDax und TecDax nach dem neuen Regelwerk abbilden. Die Berechnungen basieren auf historischen Rückrechnungen, sind jedoch laut Börse noch kein Hinweis auf die finale künftige Zusammensetzung der Indizes. Die Schattenindizes werden zeitlich befristet veröffentlicht, bis dann im September die neue Methodik wirksam wird.

Wer sind die Auf-, Ab- und Umsteiger?

Für einige Unternehmen wird sich mit der Neuordnung die Zugehörigkeit zum Index verändern. So dürften sich die TecDax-Schwergewichte Wirecard, United Internet und Qiagen künftig in dem auf 60 Unternehmen erweiterten MDax wiederfinden – sie können sich dann über mehr Aufmerksamkeit freuen. Kleineren MDax-Werten wie Ceconomy droht durch den Eintritt der Tech-Riesen dagegen der Abstieg in den SDax.

Im TecDax sollen sich künftig die größten börsennotierten Technologiewerte wiederfinden – inklusive der Dax-Werte. Damit werden künftig auch Börsengrößen wie die Deutsche Telekom oder SAP dort vertreten sein. Dennoch monieren Kritiker, der TecDax werde durch die Reform an Bedeutung verlieren, da Anleger sich stärker auf die drei übrigen Indizes fokussieren dürften.

Wer hat an der neuen Systematik mitgearbeitet?

Zur Neuausrichtung hat die Deutsche Börse zu Jahresbeginn breites Feedback aus dem Markt eingeholt. „Wir haben sehr viele  Rückmeldungen von verschiedendsten Marktteilnehmern erhalten, darunter Anleger und Unternehmen“, berichtet Jan-Carl Plagge, Head of Research der Deutsche-Börse-Tochter Stoxx, die für die Vermarktung der Dax-Indizes zuständig ist.

Während es laut Plagge breiten Konsens gab, die Trennung in Classic- und Tech-Segment aufzuheben, gab es unterschiedliches Feedback zur optimalen Anzahl von Unternehmen in den Indizes. Eine größere Anzahl bedeutet zwar eine höhere Marktabdeckung, aber auch die Aufnahme von weniger liquiden Unternehmen. In einer zweiten Konsultationsrunde hatte die Deutsche Börse daher weitere Indexvarianten mit einer jeweils unterschiedlichen Anzahl von Werten zur Diskussion gestellt.

Was sagen andere Marktteilnehmer zum Ergebnis?

Die Rückmeldungen zur Zusammensetzung von MDax, SDax und TecDax waren vielfältig: Von der Beibehaltung der aktuellen Anzahl (MDax50/SDax50/TecDax30)  bis  hin zu einer Erhöhung auf 70 oder mehr MDax- und SDax-Titel war alles dabei. Das Ergebnis ist ein Kompromiss. „Ein Index soll repräsentativ sein, aber die enthaltenen Werte müssen zugleich liquide sein. Dies galt es bei der Entscheidung zu berücksichtigen“, erklärt Plagge.

Der Deutsche Investor Relations Verband (DIRK) hatte eine Erweiterung des SDax auf 70 Werte gefordert, sieht aber die Erweiterung des MDax auf lediglich 60 Emittenten kritisch. Damit bleibe die Deutsche Börse „hinter den Forderungen zahlreicher Emittenten und anderer Marktteilnehmer zurück“, so der Verband. Der Indexgeber habe mit der Limitierung „eine Chance vertan, mehr für den deutschen Finanzmarkt und insbesondere mittelgroße Unternehmen zu tun“.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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