Um trotz Flugverbot der Boeing 737 Max die Urlaubsreisen zu gewähren, muss TUI rund 200 Millionen Euro mehr ausgeben.

TUI

29.03.19
Finanzierungen

737-Grounding zwingt TUI zu Gewinnwarnung

Das Grounding der Boeing 737-Jets zwingt TUI zur zweiten Gewinnwarnung in zwei Monaten, und eine dritte bahnt sich schon an – ein bitterer Start für die neue Finanzchefin Birgit Conix.

Noch nicht einmal zwei Monate nach der ersten Gewinnwarnung für das neue Geschäftsjahr muss der Touristikkonzern TUI seine Gewinnprognose schon wieder kürzen. Grund dafür ist, dass das Flugzeugmodell Boeing 737 Max nach zwei Abstürzen vorerst nicht mehr fliegen darf. Anfang März starben 157 Menschen bei einem Absturz in Äthopien, eine baugleiche Maschine war im vergangenen Oktober in Indonesien abgestürzt.

TUI betreibt 15 dieser Jets – das sind schon 10 Prozent der gesamten Flotte – und sollte bis Ende Mai noch acht weitere hinzu bekommen. Noch Dutzende weitere sind bestellt, denn die Hannoveraner planen, einen wesentlichen Teil ihrer Flotte auf das neue Boeing-Modell umzustellen.

TUI skizziert schon die nächste Gewinnwarnung

Die Beschaffung von Ersatzflugzeugen und der erzwungene Weiterbetrieb spritfressender älterer Maschinen kostet TUI viel Geld. Der Konzern unterstellt ein Grounding der 737 Max-Flotte bis Mitte Juli. Allein bis dahin wird sich das bereinigte Ebitda von TUI um 200 Millionen Euro schlechter entwickeln als geplant. Infolgedessen wird für das laufende Geschäftsjahr nun ein Rückgang des „rebasierten“ bereinigten Ebitda um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,17 Milliarden Euro erwartet. 

Schon die Stagnationsankündigung Anfang Februar hatte die Investoren verschreckt, denn noch kurz vor Weihnachten hatte TUI den Aktionären einen Zuwachs des bereinigten Ebitda um 10 Prozent versprochen. Als Grund für die erste Gewinnwarnung vor sieben Wochen nannte TUI schwache  Vorausbuchungen von Pauschalreisen in Nordeuropa und Großbritannien.

Und es könnte sogar noch schlimmer kommen: Sollte sich das Grounding der 737 Max bis Ende September hinziehen, würde das TUIs Gewinn um weitere 100 Millionen Euro schmälern. Dann beliefe sich der erwartete Gewinnrückgang sogar auf 26 Prozent. Die TUI-Führung zeigt sich ratlos: „Bislang sind keine Termine bekannt, wann Anpassungen des Herstellers an dem Flugzeugmodell erfolgen und wann mit einer Freigabe durch die Aufsichtsbehörden FAA und EASA zu rechnen ist“, teilt der Reisekonzern mit.

FINANCE-Köpfe

Birgit Conix, TUI AG

Birgit Conix beginnt ihre berufliche Karriere bei dem Medienkonzern RLX Group als Financial Analyst. Nach einer dreijährigen Station als Interne Auditorin bei dem Autozulieferer Tenneco durchläuft Conix von 1996 bis 2011 verschiedene Management- und Führungspositionen beim Healthcare-Konzern Johnson & Johnson. Sie ist in der Zeit sowohl in der Pharma- als auch in der Medizintechniksparte des Konzerns in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika tätig.

Von 2004 bis 2007 agiert sie als Vice President Finance der Konzerntochter Janssen Deutschland. Von 2011 an ist Conix Senior Finance Director Western Europe beim internationalen Brauereikonzern Heineken. Zwei Jahre später wechselt sie zur belgischen Telenet, wo sie als CFO das Finanzressort verantwortet. Im Oktober 2018 übernimmt Conix den CFO-Posten bei dem Reisekonzern TUI. Seit Juli des gleichen Jahres war sie bereits Teil des Vorstands.

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Schwerer Start für Neu-CFO Birgit Conix

Die neue Finanzchefin Birgit Conix ist dadurch gleich im ersten Jahr ihrer Amtszeit mit einer schwierigen Situation konfrontiert, denn der Kapitalmarkt verliert das Vertrauen in den früheren Dax-Konzern: Die TUI-Aktie bricht heute um weitere 8 Prozent ein. Seit dem Amtsantritt von Birgit Conix im Oktober hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert. Im Mai vergangenen Jahres lag der Kurs sogar noch bei über 20 Euro.

Die Fremdkapitalgeber zeigen sich wesentlich entspannter. Der bis Herbst 2021 laufende Bond über 300 Millionen Euro notiert nach einem kleinen Einbruch in Folge der ersten Gewinnwarnung inzwischen wieder auf par.

Keine Aussage wagt das Management zu der Frage, ob auch TUI von Boeing Schadensersatz für die Folgekosten des Groundings verlangen wird. Andere Betreiber der 737 Max, beispielsweise der Billigflieger Norwegian, haben bereits angekündigt, dass sie bei Boeing auf eine Entschädigung pochen werden. Die UBS glaubt, dass TUI „zumindest einen Teil der Kosten“ von Boeing zurückbekommen werde, denn „der Gegenwind auf der Kostenseite durch das Flugverbot ist stärker als gedacht“.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Erfahren Sie mehr über TUIs neue Finanzchefin aus Belgien im FINANCE-Köpfe-Profil von Birgit Conix.