Der Sportartikelhersteller Adidas mit Sitz in Herzogenaurach hat jetzt auch ein externes Rating.

Adidas

06.08.20
Finanzierungen

Adidas zieht Finanzierungslehren aus Coronakrise

Auf dem Höhepunkt der Coronakrise sicherte Adidas seine Liquidität mit einem KfW-Kredit. Der Sportartikelhersteller hatte kaum Alternativen – weil ein externes Rating fehlte. Dieses Versäumnis hat Adidas jetzt wettgemacht.

Lange hatte Adidas darauf verzichtet, sich ein externes Rating einzuholen. Nun ist es endlich soweit: Wie der Sportartikelhersteller heute bekanntgab, hat er sich erstmalig ein Rating der US-Agenturen Moody’s und S&P besorgt. Von Moody’s erhält der Dax-Konzern ein A2-Rating mit stabilem Ausblick. S&P vergibt ein A+ mit stabilem Ausblick.

Damit macht Adidas eine Ankündigung von Ende April wahr: Wie das Unternehmen damals auf Nachfrage von FINANCE bestätigte, arbeite man „aktuell auf den Erhalt eines externen Kreditratings hin.“ Bislang war Adidas eines der wenigen Dax-Unternehmen ohne ein Rating.

Adidas verzichtete auf externe Rating

Der üblicherweise cashflow-starke Sportartikelhersteller ist zwar kein Frequent Issuer am Anleihemarkt, zapfte den Kapitalmarkt allerdings in der Vergangenheit immer mal wieder an. Zuletzt nahmen die Herzogenauracher Ende 2018 eine eigenkapitalneutrale Wandelanleihe über 500 Millionen Euro auf. 2016 emittierte Adidas zwei Bonds über insgesamt 1 Milliarde Euro.

Auch ohne externe Bonitätseinschätzung konnte der Dax-Konzern dabei jeweils gute Konditionen erzielen. Wohl auch deshalb verzichtete die Finanzabteilung darauf, sich ein Rating einzuholen, das in der Regel mit einem hohen finanziellen und administrativen Aufwand verbunden ist.

Nicht geratete Emittenten haben es wegen Corona schwer

In der Coronakrise rächte sich dieses Vorgehen allerdings: Adidas litt stark unter den Folgen der Krise und musste heftige Cash-Abflüsse verkraften. Allerdings war der Fremdkapitalmarkt für ungeratete Unternehmen so gut wie zu. Das lag auch daran, dass die EZB, die in der Krise als wichtiger Investor für Anleihen und Commercial Paper einsprang, nur Papiere mit einem Investment-Grade-Rating zeichnet.

Adidas-CFO Harm Ohlmeyer sah sich daher gezwungen, KfW-Kredite über 3 Milliarden Euro zu beantragen, um Liquiditätsvorsorge zu treffen – ein Spielzug, den damals dem Vernehmen nach auch nicht alle beteiligten Banken guthießen.

Das externe Rating von Adidas erweitert nun die Finanzierungsoptionen für den Konzern – insbesondere in Krisenzeiten, wenn die Investoren noch kritischer auf die Bonität der Emittenten schauen. Auch der Modehersteller Hugo Boss hat daher in dieser Woche bekanntgeben, dass er ein externes Rating prüft. Das MDax-Unternehmen hatte sich ebenfalls KfW-Kredite gesichert.

FINANCE-Köpfe

Harm Ohlmeyer, Adidas AG

Harm Ohlmeyer startet seine berufliche Karriere 1994 zunächst bei dem Zementhersteller Lafarge als Assistent der Geschäftsleitung in Deutschland. Dort macht er erste Erfahrungen im M&A-Bereich. Drei Jahre später wechselt er zur Unternehmensberatung Roland Berger. Dort ist er als Consultant im Bereich Global Controlling tätig.

1998 geht Ohlmeyer zu Adidas-Salomon und füllt dort verschiedene Managementfunktionen aus, hauptsächlich im Controlling. Unter anderem ist er von 1998 bis 2001 Head of Global Marketing Controlling. Anschließend wechselt er zur Adidas-Golfmarke Taylormade in Kalifornien und durchläuft auch im Anschluss noch weitere Finanzbereiche bei der Marke Adidas und der US-Marke Reebok.

Von 2011 bis 2017 verantwortet Ohlmeyer das globale E-Commerce-Geschäft des Unternehmens. In dieser Zeit verzwanzigfacht sich der E-Commerce-Umsatz des Unternehmens von 50 Millionen auf 1 Milliarde Euro. Zusätzlich ist Ohlmeyer von 2014 bis 2016 für die globale Vertriebsstrategie zuständig. Im März 2017 verkündet Adidas, dass Ohlmeyer ab Mai 2017 Nachfolger von Robin Stalker als Konzern-CFO von Adidas wird. Im August 2019 verlängert Ohlmeyer seinen Vertrag als Adidas-CFO um fünf Jahre bis zum Jahr 2025.

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Adidas erhält Investment-Grade-Rating

Das erste Rating für Adidas ist sehr positiv ausgefallen: Die Bewertungen beider US-Ratingagenturen rangieren mit A+ und A2 im soliden Investment-Grade-Bereich. S&P und Moody’s begründen die Einstufung mit Adidas‘ starkem Markenprofil, dem soliden Umsatzwachstum sowie der operativen Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Zwar wurde Adidas heftig von der Coronakrise getroffen, doch die Agenturen gehen davon aus, dass sich der Konzern ab 2021 schnell wieder erholen wird.

In das gute Rating zahlt auch die konservative Finanzierungspolitik von Adidas ein: Der Leverage des Dax-Konzerns liegt seit 2017 unter 1x Ebitda, so S&P. Die Coronakrise dürfte den Verschuldungsgrad zwar auf bis zu 1,7x Ebitda anheben, aber nicht langfristig auf diesem Niveau bleiben, schätzt die Ratingagentur. Moody’s stimmt dieser Argumentation zu, wenngleich die Agentur ein Anschwellen des Leverage auf bis zu 2x Ebitda prognostiziert. Doch auch Moody’s rechnet damit, dass Adidas seine Schulden schnell wieder zurückführen kann.

CFO Ohlmeyer ist erfreut über das Urteil von Moody’s und S&P: „Die Investment-Grade-Ratings sind eine klare Bestätigung. Adidas ist nun bestmöglich aufgestellt, um jederzeit Zugang zum Kapitalmarkt zu haben.“

Adidas schreibt rote Zahlen

Kurzfristig leidet Adidas jedoch unter der Krise, wie die Zahlen für das zweite Quartal zeigen, die Adidas ebenfalls heute veröffentlicht hat. Wie die Herzogenauracher bekanntgaben, sind die Umsatzerlöse in diesem Zeitraum um 35 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro eingebrochen. Allerdings hatten Analysten mit einem noch stärken Minus gerechnet. Den Verlust vor Steuern (Ebt) weist Adidas mit minus 364 Millionen Euro aus. Im zweiten Quartal 2019 stand dort noch ein Vorsteuergewinn von 618 Millionen Euro.

Die Quartalszahlen drücken auch auf das Halbjahresergebnis von Adidas: Die Umsatzerlöse im ersten Halbjahr sind um 27 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zurückgegangen, unter dem Strich steht auch für das erste Halbjahr ein Verlust vor Steuern von 337 Millionen Euro. Im Vorjahr erzielte Adidas in diesem Zeitraum noch einen Vorsteuergewinn von knapp 1,5 Milliarden Euro.

Allerdings rechnet der Konzern damit, dass die Talsohle durchschritten ist: „Nach allem, was wir heute wissen, wird sich die Erholung unseres Geschäfts im dritten Quartal fortsetzen", erklärte Adidas-Chef Kasper Rorsted.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Mehr über den Adidas-CFO erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Harm Ohlmeyer.