Der Autozulieferer Continental zieht aufgrund der Coronakrise die Prognose für 2020 zurück und senkt den Liquiditätsbedarf.

Continental AG

02.04.20
Wirtschaft

Corona-Folgen: Ceconomy, Daimler, Adidas

Ceconomy, Daimler, Adidas und viele mehr: Das sind die neuesten Meldungen deutscher Unternehmen von der Corona-Front.

Continental beziffert Corona-Folgen

Bei Continental stehen mittlerweile rund 40 Prozent der weltweiten Produktionsstandorte still, für knapp die Hälfte der Mitarbeiter wird Kurzarbeit beantragt. Um die Liquidität zu schonen, will der Autozulieferer auch bereits geplante Investitionen verschieben.

Gleichzeitig gehört Conti zu den ersten Konzernen, die bereits konkret berichten können, wie sich die Coronakrise in den Geschäftszahlen niederschlägt. Demnach dürfte im ersten Quartal der Umsatz nur zwischen 9,4 und 9,8 Milliarden Euro betragen, die bereinigte Marge vor Zinsen und Steuern lediglich zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Ein Jahr zuvor hatte Conti noch rund 11 Milliarden Euro erlöst – bei einer operativen Marge von 8,1 Prozent. Für die anstehende Durststrecke kann CFO Wolfgang Schäfer auf eine Liquidität in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro und ungenutzte Kreditlinien von rund 4,6 Milliarden Euro zurückgreifen.

MediaMarktSaturn-Mutter Ceconomy will Staatshilfe

Der Elektronik-Handelskonzern Ceconomy will über die KfW Staatshilfe beantragen. Zu deren Höhe äußerte sich das Unternehmen aber nicht. Wie Bloomberg am Samstag berichtete, könnte es sich um rund 2 Milliarden Euro handeln. “Es ist derzeit völlig unklar, wie lange die Phase bis zur Wiederaufnahme unserer normalen Geschäftstätigkeit dauern wird. Daher haben wir uns entschieden, zusätzlich eine KfW-Finanzierung zu beantragen“, begründete Ceconomy den Schritt. Aufgrund der Coronakrise kam es bei Media Markt und Saturn in Deutschland und europaweit zu Geschäftsschließungen.

Knorr-Bremse erhöht Liquidität

Knorr-Bremse will seine bestehenden Liquiditätsreserven in Höhe von mehr als 1,8 Milliarden Euro mit Hilfe einer Kreditlinie über 750 Millionen Euro noch weiter ausbauen. „Damit vergrößert das Unternehmen seinen operativen Handlungsspielraum“, gab das Unternehmen am vergangenen Freitag bekannt. Die anderen Signale aus dem börsennotierten Familienunternehmen sind widersprüchlich. Einerseits will der Konzern trotz der finanziellen Einbußen durch das Coronavirus weiterhin für 2019 eine Dividende in Höhe von 40 bis 50 Prozent des Jahresgewinns ausschütten. Andererseits steht an diversen Standorten in Deutschland und Europa Kurzarbeit an, in Nord- und Südamerika sogar ein Stellenabbau. 

Galeria Karstadt Kaufhof schlüpft unter Schutzschirm

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof flüchtet sich nun doch in ein Schutzschirmverfahren. Man habe sich zwar ab dem ersten Tag des Shut Down um die versprochenen staatlichen Hilfen bemüht – doch „dieser Prozess ist sehr bürokratisch, kostet wertvolle Zeit, ist mit zusätzlichen Hürden verbunden – und hat deshalb einen ungewissen Ausgang", begründet CFO Miguel Müllenbach die Entscheidung. Zuvor hatte das Portal „Business Insider“ berichtet, dass die Handelskette einen dreistelligen Millionenbetrag benötigt. Dafür soll der Bund eine Bürgschaft von bis zu 90 Prozent übernehmen, 10 Prozent die Geschäftsbanken. Der Wirtschaftsprüfer PwC hätte bereits damit begonnen, die Chancen auf Staatsunterstützung zu prüfen. Nun hat die Warenhauskette doch einen anderen Weg eingeschlagen.

Daimler zeichnet 12 Milliarden Euro Kredit

Daimler nimmt eine Kreditlinie in Höhe von 12 Milliarden Euro auf. Die Kreditlinie besteht zusätzlich zum bereits bestehenden revolvierenden Kredit über 11 Milliarden Euro, der bis 2025 läuft, teilt der Konzern mit. Daimler darf die Kreditlinie innerhalb von 12 Monaten verlängern, zwei Verlängerungsoptionen von je sechs Monaten sind möglich.

Der Vertrag wurde bereits am 1. April mit den vier kreditgebenden Banken BNP Paribas, Santander, Deutsche Bank und JP Morgan geschlossen, die Syndizierung läuft, heißt es in der Unternehmensmitteilung. Der neue Kredit schaffe einen weiteren Liquiditätspuffer und erhöhe die finanzielle Flexibilität des Konzerns. Außerdem hat der Stuttgarter Autobauer den Großteil seiner Mitarbeiter in Urlaub und Kurzarbeit geschickt.

Weitere Meldungen

Moody´s prüft aufgrund der Coronavirus-Pandemie eine Herabstufung von Metro. Aktuell liegt das Großhandelsunternehmen bei Ba1. Damit droht Metro der Verlust des Investmentgrade-Ratings. Die durch das Coronavirus bedingten Einbußen könnten die gerade erst durch M&A-Deals aufgebesserte Liquidität  wieder deutlich schmälern, gibt Moody´s als Begründung an.

Adidas hat einen Rückzieher gemacht und verzichtet nun doch auf die geplante Aussetzung der Ladenmieten. Dieser Schritt hatte zuvor einen Aufschrei der Entrüstung ausgelöst, auch von Mitgliedern der Bundesregierung gab es harsche Kritik. Gleichwohl bleibt Adidas bei seinem Standpunkt, dass der Ausfall eines Großteils der Umsätze auch den eigentlich stabil finanzierten Dax-Konzern schon in absehbarer Zeit in eine schwierige Liquiditätslage stürzen könnte. Zusätzlich gibt das Unternehmen an, diese Woche Kurzarbeit zu beantragen.

Am Dienstag gab die Optikerkette Fielmann bekannt, die geplante Dividende für 2019 in Höhe von 1,95 Euro je Aktie nicht auszuschütten. Stattdessen nimmt das Familienunternehmen viel Geld in die Hand, um zu verhindern, dass den eigenen Mitarbeitern durch Kurzarbeit und Filialschließungen wirtschaftliche Nachteile entstehen.

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