Adidas sichert sich einen 3 Milliarden schweren Konsortialkredit, um die Ausfälle der Coronakrise zu kompensieren.

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15.04.20
Finanzierungen

Adidas besorgt sich 3 Milliarden Euro über KfW-Kredit

Adidas sichert sich wegen der Coronakrise einen 3 Milliarden Euro schweren Konsortialkredit der KfW. Zusätzlich läutet der Konzern weitere Sparmaßnahmen ein.

Adidas pumpt sich wegen der Coronavirus-Krise mit Liquidität voll und sichert sich einen revolvierenden Konsortialkredit über 3 Milliarden Euro. Die Bundesregierung habe den Kredit der staatseigenen Förderbank KfW genehmigt, teilte das Unternehmen mit. Abgeschlossen sei der Kredit jedoch noch nicht. Die KfW beteiligt sich mit 2,4 Milliarden Euro an dem Konsortialkredit. Die restlichen 600 Millionen Euro kommen von einem Konsortium aus Partnerbanken des Konzerns, zu dem Adidas zufolge die UniCredit, Bank of America, Citibank, Deutsche Bank, HSBC, Mizuho Bank und Standard Chartered Bank gehören. Der Risikoanteil der KfW beläuft sich damit auf 80 Prozent des Finanzierungsbetrags.

Konditionen des Konsortialkredits für Adidas

Im Gegenzug für den milliardenschweren KfW-Kredit hat der Sportartikelhersteller zugesagt, die Dividendenzahlungen bis zum Ende der 15 Monate laufenden Kreditvereinbarung, also bis Juli 2021, auszusetzen.

Der Kredit laufe „unter den üblichen Marktbedingungen“, gibt der Konzern aus Herzogenaurach bekannt, ohne genaue Details zu nennen. Ein aktueller Analyse-Bericht von Warburg-Research geht davon aus, dass der Zinssatz deutlich unter 2 Prozent liegen dürfte. Alle in Anspruch genommenen Teile des Darlehens sowie Zinsen und Gebühren will Adidas nach eigenem Bekunden „so schnell wie möglich“ zurückzahlen.

Adidas-Vorstand verzichtet auf Boni

Um die Folgen der Coronakrise abzumildern, hat Adidas noch andere Sparmaßnahmen eingeläutet. CEO Kasper Rorsted sagte, diese „beinhalten die strikte Kontrolle aller Kosten und des kurzfristigen Betriebskapitals, die Kürzung der Managementbezüge, den Stopp des Aktienrückkaufprogramms sowie die Aussetzung von Dividendenzahlungen“.

So hat der Vorstand um CFO Harm Ohlmeyer das Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro vorerst gestoppt. Zudem verzichtet der Vorstand auf die eigenen kurz- und langfristigen Boni, die einer Mitteilung zufolge insgesamt 65 Prozent der Jahreszielvergütung 2020 ausmachen. Auch für weitere Führungskräfte entfällt in diesem Jahr die langfristige Bonuskomponente. Einen Gehaltsverzicht hatte der Vorstand bereits vor einigen Tagen angekündigt. Bei CFO Ohlmeyer machte dieser bereits 29.000 im Monat aus, gemessen am Gehalt des vergangenen Jahres. 

FINANCE-Köpfe

Harm Ohlmeyer, Adidas AG

Harm Ohlmeyer startet seine berufliche Karriere 1994 zunächst bei dem Zementhersteller Lafarge als Assistent der Geschäftsleitung in Deutschland. Dort macht er erste Erfahrungen im M&A-Bereich. Drei Jahre später wechselt er zur Unternehmensberatung Roland Berger. Dort ist er als Consultant im Bereich Global Controlling tätig.

1998 geht Ohlmeyer zu Adidas-Salomon und füllt dort verschiedene Managementfunktionen aus, hauptsächlich im Controlling. Unter anderem ist er von 1998 bis 2001 Head of Global Marketing Controlling. Anschließend wechselt er zur Adidas-Golfmarke Taylormade in Kalifornien und durchläuft auch im Anschluss noch weitere Finanzbereiche bei der Marke Adidas und der US-Marke Reebok.

Von 2011 bis 2017 verantwortet Ohlmeyer das globale E-Commerce-Geschäft des Unternehmens. In dieser Zeit verzwanzigfacht sich der E-Commerce-Umsatz des Unternehmens von 50 Millionen auf 1 Milliarde Euro. Zusätzlich ist Ohlmeyer von 2014 bis 2016 für die globale Vertriebsstrategie zuständig. Im März 2017 verkündet Adidas, dass Ohlmeyer ab Mai 2017 Nachfolger von Robin Stalker als Konzern-CFO von Adidas wird. Im August 2019 verlängert Ohlmeyer seinen Vertrag als Adidas-CFO um fünf Jahre bis zum Jahr 2025.

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Die erste Gehaltsverzichtmitteilung kam nach einem Shitstorm gegenüber Adidas, weil der Sportartikelhersteller Mietenzahlungen auslassen wollte. Nach dem heftigen Gegenwind ruderte das Management schnell zurück und entschuldigte sich dafür.

Adidas leidet bereits seit Ende Januar unter Umsatz- und Gewinnrückgängen in China, Ende Februar brach zudem das Geschäft in Japan und Südkorea ein. Seit Mitte März hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass weltweit die Mehrzahl der Shops geschlossen ist.

Auch Wettbewerber Puma will KfW-Hilfen

Adidas ist nun nach der Tui der nächste Konzern, der einen milliardenschweren Kredit der KfW bekommt. Eine große externe Finanzierung ist für Herzogenauracher eher unüblich – bislang konnte Adidas die Ausgaben zumeist aus dem operativen Cashflow bestreiten. Ende 2019 war Adidas mit einer Netto-Cash-Position von 873 Millionen Euro noch nettofinanzschuldenfrei.

Der Wettbewerber Puma leidet ebenfalls unter den Geschäftseinbrüchen aufgrund des Coronavirus und beantragte auch KfW-Hilfen. Wie sich das Geschäft bei Adidas im ersten Quartal genau entwickelt hat, will das Unternehmen am 27. April bekanntgeben. Eine Prognose für 2020 traut sich der Konzern derzeit nicht zu.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

 

 

Mehr über den Finanzchef von Adidas erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Harm Ohlmeyer.