Nach dem Einstieg von Active Ownership: Stada-Chef Helmut Retzlaff (links) und sein CFO Helmut Kraft müssen sich auf Gegenwind gefasst machen.

STADA Arzneimittel AG

03.05.16
Finanzierungen

Aktivisten steigen bei Stada ein

Es wird ungemütlich für Stada-Chef Hartmut Retzlaff: Eine Investorengruppe um einen früheren Triton-Manager ist bei dem Pharmakonzern eingestiegen. Was die Gruppe namens „Active Ownership“ aber genau vor hat, ist noch nebulös.

Ungemütliche Zeiten für das Management des Generikaherstellers Stada. CEO Hartmut Retzlaff und CFO Helmut Kraft müssen sich auf eine Attacke aktivistischer Investoren einstellen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat eine Gruppe namens Active Ownership bereits 5 Prozent der insgesamt 62,3 Millionen Stada-Aktien aufgekauft.

Angeführt wird Active Ownership von Florian Schuhbauer, einem früheren Manager des erfolgreichen Private-Equity-Fonds Triton. Zu den Unterstützern von Active Ownership gehört der Investor BNY Mellon Services. FINANCE-Informationen zufolge könnte sich die Gruppe noch um weitere kleinere Investmentfonds vergrößern, die möglicherweise ihrerseits bereits damit begonnen haben, Positionen in Stada aufzubauen.

Active Ownership könnte Aufspaltung von Stada im Sinn haben

Laut FAZ dürfte Active Ownership mit ihrem Investment vor allem zwei Ziele verfolgen: Zum einen könnte der seit längerem wegen hohen Gehältern und Pensionszusagen bei manchen Aktionären in Ungnade gefallene Stada-Chef Retzlaff unter Druck gesetzt werden. Dieser soll laut FAZ bisher kontinuierlich sowohl die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Investoren, als auch eine Fusion mit einem anderen Generikahersteller abgelehnt haben. Stattdessen ist Stada in den vergangenen Jahren massiv in das Geschäft mit nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten („OTC-Geschäft“) expandiert. Diese Strategie hat Stada als Übernahmeziel für internationale Generikariesen unattraktiver gemacht.

Ohne Retzlaff könnte sich Stada offener für Allianzen mit Finanzinvestoren oder Wettbewerbern zeigen, so lautet eine weit verbreitete Einschätzung in Frankfurter Finanzkreisen. Auch eine Aufspaltung des MDax-Konzerns in zwei Unternehmen könnte dann zu einer Option werden. Der Hintergrundgedanke der Befürworter eines solchen Einschnitts: Beide Sparten für sich genommen schaffen für den Aktionär größeren Wert, als gebündelt in einem Konzern. Dies lässt den Schluss zu, dass eine Neuordnung des Konzernportfolios einer der zentralen Ansatzpunkte von Active Ownership sein könnte.

Bei Bilfinger und ABB macht gerade der schwedische Hedgefonds Cevian vor, wie aktivistische Investoren aus dem Aktionärskreis heraus große Umbaumaßnahmen auslösen können. Der Vormarsch von Active Ownership wäre nicht der erste Versuch, die Strukturen bei Stada aufzubrechen. Das Unternehmen aus dem hessischen Bad Vilbel ist seit Jahren ein Übernahmeziel. Zunächst bemühte sich der israelische Wettbewerber Teva um eine Übernahme, entschied sich dann jedoch für den Ulmer Wettbewerber Ratiopharm. 2012 streckte laut FAZ die indische Gesellschaft Sun ihre Fühler nach Stada aus. Alle Übernahmeversuche scheiterten.

Spannung vor der Stada-Hauptversammlung am 9. Juni

Stada-Chef Retzlaff steht damit die nächste aufreibende Hauptversammlung ins Haus. Vor einem Jahr erntete er massiven Widerstand gegen sein umfangreiches Vergütungspaket, das unter anderem Pensionszusagen von in der Spitze rund 35 Millionen Euro umfasste. Inzwischen verzichtete Retzlaff auf einen Teil seiner Pensionszulagen. Bei der anstehenden Hauptversammlung  am 9. Juni könnte Active Ownership die Aktionärskritik wieder lauter werden lassen. Ob die Gruppe einen Sitz im Aufsichtsrat anstrebt, ist noch nicht bekannt.

Allerdings dürften die meisten Aktionäre nicht unzufrieden mit der Arbeit von Retzlaff und CFO Kraft sein. Dank des heutigen Kurssprungs von über 5 Prozent, den das Bekanntwerden des Einstiegs von Active Ownership ausgelöst hat, notiert die Stada-Aktie so hoch wie seit 2008 nicht mehr.

Und trotz heftigen Gegenwinds von der Währungsseite – Stada betreibt ein umfangreiches Osteuropageschäft, vor allem in Serbien und Russland – entwickeln sich Umsatz und Ertrag weitgehend stabil. Auch die Finanzierung ist solide: Erst vor wenigen Tagen löste Stada das im Dezember fällige Schuldscheindarlehen über 188 Millionen Euro durch einen mit 350 Millionen Euro fast doppelt so großen Schuldschein ab. Neben dem Schuldschein finanziert sich Stada auch über zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 650 Millionen Euro. Beide Bonds notieren bei rund 103 Prozent. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de