Bayer hat sich vom Großteil seiner verbliebenen Covestro-Anteile getrennt. Der Erlös verschafft den Leverkusenern Rückenwind für die Monsanto-Übernahme.

Covestro

04.05.18
Finanzierungen

Bayer erlöst 9 Milliarden Euro aus Covestro-Verkäufen

Mit einem weiteren Großverkauf hat Bayer sich in der Nacht zum Freitag weitestgehend von seinen Covestro-Aktien getrennt. Der Erlös ist eine willkommene Eigenkapitalstärkung vor der anstehenden Monsanto-Übernahme.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Börsengang der früheren Bayer-Kunststoffsparte Covestro im Herbst 2015 hat Bayer sich als Großaktionär von Covestro zurückgezogen: In der Nacht zum heutigen Freitag verkaufte das Unternehmen im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens einen Anteil von 14,2 Prozent an Covestro.

Insgesamt gelangten dabei 28,81 Millionen Aktien zum Stückpreis von 75,50 Euro an den Markt, sie wurden ausschließlich institutionellen Investoren angeboten. Die Transaktion hat ein Gesamtvolumen von 2,2 Milliarden Euro. Insgesamt hat Bayer mit den Anteilsverkäufen der zurückliegenden Monate mehr als 9 Milliarden Euro erlöst. Hinzu kommt 1 Milliarde Euro aus einer im vergangenen Juni begebenen Umtauschanleihe.

Covestro-Erlöse verschaffen Bayer Luft bei Monsanto-Deal

Die Einnahmen aus dem Verkauf des Covestro-Aktienpakets kommen Bayer gelegen: Der Konzern befindet sich auf der Zielgeraden der Monsanto-Übernahme, die noch im zweiten Quartal abgeschlossen werden soll. Für die mehr als 60 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion wollen die Leverkusener immer genügend Eigenkapital vorhalten, um ihr Investmentgrade-Rating halten zu können, wie CFO Johannes Dietsch in einem Interview im aktuellen FINANCE-Printmagazin bestätigt.

Durch die unerwartet große Stärkung des Eigenkapitals aus den Covestro-Anteilsverkäufen kann nun offenbar die geplante Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Monsanto-Übernahme kleiner ausfallen: „Die Verkaufserlöse sind höher ausgefallen als erwartet. Das werden wir berücksichtigen, wenn wir den Umfang der Bezugsrechtskapitalerhöhung zur Finanzierung der geplanten Übernahme von Monsanto festlegen“, teilte CFO Dietsch mit, der den Konzern Ende Mai verlassen wird.

Bayer zieht positives Fazit aus Covestro-Verkauf

Das Fazit der Bayer-Führungsmannschaft zu den Aktienverkäufen fällt insgesamt positiv aus: „Mit dieser größten Platzierung von Covestro-Aktien haben wir den Verkaufsprozess sehr erfolgreich abgeschlossen“, kommentiert Bayer-CEO Werner Baumann die Transaktion. Auch der Finanzchef hatte mit derart hohen Erlösen nicht so schnell gerechnet: „Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, das wir schneller erreicht haben als angenommen“, sagte Dietsch.

Bayer hat bei seinen jüngsten Aktienverkäufen von Covestros Kursentwicklung seit dem Börsengang profitiert. Zu Beginn kostete eine Covestro-Aktie rund 26 Euro, der Börsengang hatte viele Marktbeobachter enttäuscht. Seitdem hat sich der Kurs aber nahezu verdreifacht. Am heutigen Vormittag notierte die Aktie bei 76,10 Euro. Vor wenigen Wochen ist Covestro in den Dax aufgestiegen.

Bayer behält kleinen Restanteil an Covestro

Nach dem Verkauf des letzten großen Aktienpakets wird Bayer noch einen Anteil von 6,8 Prozent an Covestro behalten, um eine 2017 begebene Umtauschanleihe zu bedienen, die im Jahr 2020 fällig wird. Die verbliebenen Covestro-Anteile liegen nun alle bei der Bayer AG, der Bayer Pension Trust hält keine Aktien an dem Kunststoffproduzenten mehr.

Die Bank of America Merrill Lynch und J.P. Morgan agierten bei der Aktienplatzierung als Joint Bookrunner. Beide zählen zu den angestammten Bayer-Banken und gehören zu dem Konsortium, das CFO Dietsch die 57-Milliarden-Dollar-Finanzierung für die Monsanto-Übernahme garantiert hat.

Bayer korrigiert Prognose nach unten

Bei der Transaktion sieht Bayer sich weiterhin auf Kurs und hat zwei Drittel der rund 30 benötigten Kartellfreigaben erhalten, wie CEO Baumann am gestrigen Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen sagte.

Das Quartalsergebnis des Konzerns wurde allerdings von negativen Währungseffekten überschattet: Nach einem Gewinnrückgang im ersten Quartal senkte das Unternehmen seine Jahresziele. Bayer erwartet für 2018 nun einen Rückgang beim Umsatz sowie beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im unteren einstelligen Prozentbereich. Den währungsbereinigten Ausblick bestätigte Bayer.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Ein ausführliches Interview mit Bayer-CFO Johannes Dietsch über die Monsanto-Übernahme, die finanzielle Struktur der Transaktion und seine „Lessons learned“ aus der Lanxess-Abspaltung und dem Covestro-IPO finden Sie im aktuellen FINANCE-Printmagazin, das Sie hier als e-Paper beziehen können.

Mehr über die Vita des Finanzchefs, der Bayer Ende Mai verlassen wird, lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Johannes Dietsch.