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Buwog positioniert sich mit neuer Aktionärsstruktur

Mehr Eigenständigkeit für die Buwog: Die einstige Mutter Immofinanz hat die Beteiligung fast komplett abgestoßen. Im Bild eine Bestandsimmobilie in Österreich.
Buwog

Die Aktionärsstruktur des Immobilienkonzerns Buwog hat sich radikal gewandelt. Der Einstieg neuer Investoren und der Exit der einstigen Mutter Immofinanz, aus der die Buwog 2014 über einen Börsengang ausgegründet wurde, hat die Aktie der Wiener zu einem echten Freefloat-Wert gemacht. „Wir sind jetzt keine Tochter mehr, sondern werden als eigenständiges Kapitalmarktunternehmen wahrgenommen“, freut sich CFO Andreas Segal.

Der Rückzug der einstigen Mutter ging rasant: Bereits im März reduzierte die Immofinanz ihren Anteil von knapp 39 auf 28 Prozent. Die Aktien gingen für 17,10 Euro das Stück an institutionelle Investoren. Anfang Juni reduzierte die Immofinanz ihren Anteil erneut: Für 19 Euro je Aktie gingen gut 18 Prozent der Aktien an das Private-Equity-Haus Sapinda, das die Anteile allerdings nur wenige Wochen hielt. Der Investor, der die Anteile für 352 Millionen Euro von der Immofinanz übernommen hatte, platzierte sie Ende Juli bereits wieder am Markt – den Vernehmen nach zum Preis von 375 Millionen Euro. 

Ende der Immofinanz-Beteiligung an Buwog absehbar

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Gerüchte, ein strategischer Investor könnte sich die großen Aktienpakete sichern und dadurch direkt nach der Kontrolle bei der Buwog greifen. Nach dem schnellen Trade durch Sapinda ist die Wahrscheinlichkeit dafür aber erst einmal gesunken. Allerdings verliert die Buwog auch ihren Ankeraktionär. Der höhere Streubesitz macht das Unternehmen damit auch verwundbarer. Übernahmeversuche, die bei einem abwehrenden Ankeraktionär ins Leere laufen, werden grundsätzlich wieder möglich. Der nächste Wandel in der Aktionärsstruktur steht bei der Buwog bereits bevor: Mit ihrem Restanteil von 10 Prozent hat die Immofinanz eine Wandelanleihe unterlegt. Das Papier wird im März 2018 fällig.

Strategisch hat die Buwog nun aber mehr Eigenständigkeit. Segal, der seit Anfang des Jahres CFO der Buwog ist, begrüßt den gestiegenen Freefloat-Anteil von mittlerweile 90 Prozent: „Wir haben nun ein völlig eigenständiges Chancen-Risiko-Profil“, sagt der Finanzer, der sich selbst als „Kapitalmarktmensch und Freund eines hohen Freefloats“ bezeichnet.

Große Positionen halten derzeit die Gesellschaften Fidelity Investments sowie Blackrock: Fidelity hält der jüngsten Stimmrechtsmeldung zufolge 4,76 Prozent. Blackrock erhöhte seinen Anteil kürzlich auf 4,15 Prozent.

Buwog kann auch über Neubau wachsen

Der Charme für den M&A-erfahrenen Segal und die Buwog: Ohne den Aktienüberhang der Immofinanz steigen die Chancen für eine gute Börsenperformance, und mit einem hohen Freefloat ist auch die Buwog freier für internes und externes Wachstum. So stark wie andere ist die Buwog nicht auf Zukäufe angewiesen. Im Gegensatz zu anderen Wohnungskonzernen wie zum Beispiel der Vonovia (ehemals Deutsche Annington) und der Deutschen Wohnen entwickelt die Buwog auch große Wohnungsprojekte selbst. Für die Gegenfinanzierung ist ein guter Kapitalmarktzugang hilfreich.

Auf der Finanzierungsseite sieht der Finanzchef die Buwog gut aufgestellt – auch wenn er die Zinsentwicklung genau beobachtet. „Wir arbeiten in einer anlageintensiven Branche, der Zinsaufwand ist für uns daher eine große Position. Da lohnt es sich, Optimierungsmöglichkeiten immer im Blick zu haben.“ Weitere Fremdkapitaltransaktionen der Buwog in naher Zukunft scheinen durchaus denkbar.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Infos über die Karriere-Highlights und den Werdegang des Buwog-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief zu Andreas Segal.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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