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28.08.18
Finanzierungen

CFOs müssen wegen Brexit um Banken-Zugang bangen

Die Gefahr steigt, dass Großbritannien die EU ohne Abkommen verlässt. Das ist ein Problem für CFOs, denn die Banken hinken mit Umzugsplänen hinterher. Vor allem Mittelständlern droht im März 2019 ein böses Erwachen.

Das deutsche Firmenkundengeschäft ist heiß umkämpft, über einen mangelnden Zugang zu Bankdienstleistungen können sich deutsche CFOs derzeit wahrlich nicht beschweren. Doch das könnte sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU ändern – zumindest kurzzeitig. Denn es zeichnet sich ab, dass nicht alle Banken ihre Umzüge rechtzeitig zum Brexit im kommenden Frühjahr abgeschlossen haben werden.

Einige Unternehmen müssen deshalb um den Zugang zu Finanzdienstleistungen fürchten, wie FINANCE im Zuge der Recherchen für die kommende Printausgabe herausfand. „Die Bankindustrie als Ganzes ist noch weit davon entfernt, bis April 2019 einen tragbaren Stand zu erreichen“, meint etwa Stephan Lutz, Leiter des Bereichs Capital Markets bei PwC Deutschland. Die Big-Four-Gesellschaft berät verschiedene hierzulande ansässige wie auch nach Deutschland kommende Banken bei der Verlagerung ihrer Geschäfte.

Banken hinken mit Umzugsplänen hinterher

Das Problem: Viele Banken haben sich darauf verlassen, dass die EU-Regeln in Großbritannien auch nach dem Brexit noch bis Ende 2020 gelten werden. Auf eine solche Übergangsfrist hatten sich London und Brüssel Anfang des Jahres verständigt.

Inzwischen wird jedoch die Gefahr realer, dass die Briten im kommenden Frühjahr ohne Abkommen aus der EU ausscheiden werden. Scheitern die Verhandlungen über einen Brexit-Deal gibt es aber auch keine Übergangsfrist. Die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde Esma sah sich kürzlich sogar schon dazu gezwungen, die Banken aufzufordern, ihre Umzugspläne zu beschleunigen.

„Die Zeit wird knapp“, warnt deshalb Hubertus Väth, Geschäftsführer der Lobbyorganisation Frankfurt Main Finance am heutigen Dienstag. „Wir erwarten einen heißen Herbst: Industrie- und Handelsunternehmen, aber auch die Asset Management-Branche müssen unbedingt jetzt das Gespräch mit ihren Finanzdienstleistern suchen, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen.“ 

Zins- und Währungssicherung sind betroffen

Konkret zur Disposition stehen Absicherungen von Währungs- und Zinsrisiken – denn diese Geschäfte steuern heute fast alle Großbanken aus London heraus, auch die deutschen. Neben Derivatetransaktionen sind auch alle weiteren Handelsgeschäfte betroffen.

„Bis zu 60 Prozent der deutschen Mittelständler könnten zeitweise von bestimmten Finanzdienstleistungen abgeschnitten werden.“

Stephan Lutz, PwC Deutschland

Auch bei Zahlungsverkehrs- und Cash-Management-Dienstleistungen kann es unter Umständen zu einem bösen Erwachen kommen, sagt Michaela Hohlmeier, Brexit-Expertin beim Deutschen Aktieninstitut: „Denn hier gibt es keine Drittstaatenregelung, die es Banken erlauben würde, diese Services auch nach einem Austritt des Vereinigten Königreichs weiter aus London heraus anzubieten.“ Sie warnt: Außerhalb der Dax-Indizes könnte es im März 2019 kurzfristig eng werden.

Mittelständler mit weniger Banken bekommen Probleme

„Bis zu 60 Prozent der deutschen kleinen und mittelständischen Unternehmen könnten zeitweise von bestimmten Finanzdienstleistungen abgeschnitten werden“, prognostiziert Bankenberater Lutz von PwC. Er sieht vor allem die deutschen Banken im Vergleich zu international agierenden Häusern bei ihren Umzugsplänen im Hintertreffen, ohne jedoch konkrete Namen zu nennen.

Großbanken aus den USA, Japan und Großbritannien verlagern pro Institut im Schnitt Bilanzsummen von 200 Milliarden Euro auf den Kontinent. Angesichts dieser Größe müssen die Häuser priorisieren: Sie ziehen zunächst die Geschäfte mit den größten Kunden um und arbeiten sich dann sukzessive zu den kleineren Unternehmen vor.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Dieser Artikel ist eine kurze Vorabfassung des Artikels in der FINANCE Printausgabe, die ab 6. September als E-Paper zur Verfügung steht. Hier können Sie die Ausgabe abonnieren