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Deutsche M&A-Targets sind kaum noch gefragt

Der Verkauf des Braunkohlegeschäfts von Vattenfall ist in diesem Jahr bislang der größte M&A-Deal mit Ziel in Deutschland.
Vattenfall

Der M&A-Markt mit Zielvolumen in Deutschland liegt auf einem historischen Tief: Deutsche Targets im Gesamtvolumen von gerade einmal 14,9 Milliarden US-Dollar haben in den ersten vier Monaten des Jahres den Besitzer gewechselt, ein Rückgang von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der niedrigste Stand zu diesem Zeitpunkt seit 1999. Das zeigen Daten des Dienstleisters Dealogic, der die Statistiken zu angekündigten M&A-Deals mit Zielunternehmen in der DACH-Region sowie zu Debt Capital Markets, Equity Capital Markets und Syndicated Loans jeden Monat exklusiv für FINANCE aufbereitet. Die Negativmarke war bereits im Vorjahr gerissen worden, in diesem Jahr haben die Marktteilnehmer sie erneut unterboten.

Die Statistik wäre sogar noch schlechter, hätte nicht Vattenfall im April nach zähen Verhandlungen den Verkauf seines deutschen Braunkohlegeschäfts an das tschechische Unternehmen EPH verkündet. Die Transaktion ist die größte mit M&A-Ziel in Deutschland und der zweitgrößte grenzüberschreitende M&A-Deal mit Ziel in der DACH-Region. Unangefochtener Spitzenreiter ist die noch nicht abgeschlossene 48 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Syngenta durch ChemChina.

Diesen Mega-Deal eingerechnet, erreicht das M&A-Volumen mit Zielunternehmen in der DACH-Region einen Gesamtwert von 74,5 Milliarden Dollar, ohne stünde die Region Ende April bei 26,5 Milliarden Dollar und damit auf dem Niveau des Vorjahres, als bis Ende April 25,8 Milliarden Dollar zu Buche standen. 

Eigenkapitalmarkt erwacht aus langem Winterschlaf

Während der M&A-Markt von einer Großtransaktion dominiert wird, kommt der Eigenkapitalmarkt in diesem Jahr nur langsam in die Gänge: Im Januar startete das Jahr ganz ohne ECM-Deals in der DACH-Region, im Februar zählte die Statistik sechs Transaktionen, im März waren es zehn Deals und im April gab es nun schließlich zwölf Transaktionen.

Auf das Gesamtjahr gerechnet ist dies ein Rückgang um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als in den ersten vier Monaten bereits 46 Transaktionen gezählt wurden. Das Volumen der Eigenkapitaltransaktionen ist auf dem tiefsten Stand seit 2008: Nach vier Monaten wurden ECM-Deals im Gesamtvolumen von 5,6 Milliarden Dollar abgewickelt (2015: 13,6 Milliarden Dollar). Ein Anteil von 3,4 Milliarden Dollar entfällt bislang auf Transaktionen deutscher Unternehmen.

Die mit Abstand größte Transaktion des bisherigen Jahres tätigte der Automobilzulieferer Schaeffler. Die Eigentümerfamilie hat über eine Holding die beim IPO nicht platzierten Vorzugsaktion an institutionelle Investoren verkauft, die Transaktion hat ein Volumen von umgerechnet 1,4 Milliarden Dollar. Begleitet wurde die Platzierung von einem Bankenkonsortium aus Bank of America Merrill Lynch, Citi, Deutscher Bank und HSBC.

Für die HSBC bedeutet das Engagement den Eintritt in das ECM Bookrunner Ranking, sie sichert sich Platz sieben. An der Spitze liegt mit deutlichem Abstand die UBS, die bereits Transaktionen im Gesamtwert von 1,81 Milliarden Dollar begleitet hat, vor der Citi (494 Millionen Dollar). Am aktivsten hat die Berenberg Bank den Markt bespielt, die sechs begleiteten Transaktionen reichen allerdings im Ranking nach Volumen nur für Platz sechs. 

DCM League Tables: Barclays überholtUniCredit

Wie der Eigenkapitalmarkt liegt auch der Fremdkapitalmarkt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Für 2016 stehen in der DACH-Region nach den ersten vier Monaten des Jahres Transaktionen im Gesamtvolumen von 35,7 Milliarden Dollar in den Büchern, ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die größte Transaktion im April tätigte die BMW-Tochter BMW US Capital mit einer Finanzierung über 4 Milliarden Dollar. Eine Woche später sicherte sich die Tochter BMW Finance weitere 1,7 Milliarden Dollar.

In den League Tables kann die BNP Paribas ihre Spitzenposition im DCM Bookrunner Ranking mit begleiteten Transaktionen im Gesamtvolumen von 3,21 Milliarden Dollar verteidigen. Barclays schiebt sich auf den zweiten Rang vor (2,9 Milliarden Dollar) und überholt damit die UniCredit (2,78 Milliarden Dollar). Die vollständigen Datenblätter für die DACH-Region stehen in unserer FINANCE-Datenbank kostenlos zum Download zur Verfügung.

UniCredit übernimmt Spitzenposition bei Syndicated Loans

Der Markt für syndizierte Kredite liegt nach dem ersten Drittel des Jahres ebenfalls unter dem Vorjahresniveau. Ein Gesamtvolumen von 30,6 Milliarden Dollar bedeutet einen Rückgang um 44 Prozent gegenüber 2015. Die größte Finanzierung im April sicherte sich Dealogic zufolge die Funke Mediengruppe mit einem syndizierten Kredit über 938 Millionen Dollar.

In den League Tables hat sich die UniCredit an die Spitze geschoben. Noch im Vormonat lag sie nahezu gleichauf mit der Commerzbank. Ende April hatte die UniCredit 17 Transaktionen im Gesamtvolumen von 3,29 Milliarden Dollar bearbeitet und sich damit einen deutlichen Vorsprung vor der Commerzbank herausgearbeitet (18 Transaktionen im Gesamtvolumen von 2,35 Milliarden Dollar).

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Alle aktuellen Daten, Statistiken und League Tables für die Bereiche Debt Capital Markets, Equity Capital Markets, Syndicated Loans und M&A-Deals finden Sie nach kurzer Registrierung im Bereich FINANCE-Research kostenlos zum Download.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.