M&A-Deals: Vattenfall hat nach langer Suche einen Käufer für sein Braunkohlegeschäft gefunden.

Vattenfall

22.04.16
Deals

M&A-Deals: Vattenfall, DBAG, Kalle

Vattenfall hat einen Käufer für sein Braunkohlegeschäft gefunden, die DBAG steigt bei Clyde Bergemann aus und Investoren und Wettbewerber greifen nach Kalle. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Vattenfall verkauft Braunkohlegeschäft an Tschechen

Nach einem langwierigen Verkaufsprozess hat der Energiekonzern Vattenfall sein deutsches Braunkohlegeschäft an das tschechische Unternehmen EPH und den Finanzinvestor PPF Investments veräußert. Der M&A-Deal muss jedoch noch vom schwedischen Staat und den Aufsichtsbehörden genehmigt werden, was noch einige Monate dauern soll.

Der Verkauf bedeutet für Vattenfall im zweiten Quartal nach eigenen Angaben einen Verlust von 22 bis 27 Milliarden Schwedischen Kronen (rund 2,4 bis 3 Milliarden Euro). Allerdings hätte der Verbleib der Sparte ein noch größeres Loch in die Bilanz der Schweden gerissen, wie das Unternehmen selbst mitteilte. Beraten wurde Vattenfall bei dem Verkauf von der Kanzlei Freshfields unter Federführung von Annedore Streyl und Wolf Friedrich Spieth. Für EPH war die Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller tätig, das Team leitete Daniel Wiegand.

Gilde übernimmt Amor von PE-Investor 3i

Der PE-Investor 3i hat seine Mehrheitsbeteiligung am Frankfurter Schmuckhändler Amor für 197 Millionen Euro an Gilde weitergereicht. Die Höhe der Beteiligung und das gesamte Transaktionsvolumen gaben die Private-Equity-Häuser nicht bekannt.

Für 3i hat sich der Deal gelohnt. Einschließlich einer Ausschüttung im Jahr 2014 hat der Investor mit Amor einen Gesamterlös von 243 Millionen Euro erzielt. Investiert hatte 3i anfänglich 99 Millionen Euro Eigenkapital. Gilde als Käufer finanziert die Übernahme mit der IKB, die bei der Transaktion durch Clifford Chance unter Federführung von Thomas Weitkamp beraten wurde.

DBAG steigt bei Clyde Bergemann aus

Die Deutsche Beteiligungs AG hat nach elf Jahren den Exit bei dem Kraftwerksausrüster Clyde Bergemann vollzogen. Käufer des 55,6-prozentigen Anteils ist das Family Office des Leiters des Asiengeschäfts von Clyde Bergemann, das seinen Anteil damit von einer Minderheit auf 100 Prozent aufgestockt hat. Auch der Finanzinvestor Redwood hat seine Anteile im Zuge der Transaktion abgestoßen.

Wie viel der PE-Investor DBAG mit dem Verkauf erzielt, ist nicht bekannt. Nach FINANCE-Informationen wurden die kolportierten Werterwartungen von 400 Millionen Euro jedoch nicht erreicht.

Kalle weckt Interesse von PE-Investoren und Konkurrenten

In den Verkaufsverhandlungen um Kalle, einen Hersteller von Wurstpellen, mischen offenbar US-Konkurrenten und PE-Investoren mit, wie die F.A.Z. berichtete. Das Private-Equity-Haus Silverfleet will sich von Kalle trennen. Demnach seien der amerikanische Wettbewerber Viskase sowie PE-Häuser wie Clayton Dublier & Rice an Kalle interessiert. Auf der Verkäuferseite soll die Investmentbank Rothschild den Deal begleiten. Silverfleet fordert offenbar das Neun- bis Zehnfache des Ebitda, was etwa einer halben Milliarde Euro entspräche.

Equitygate und Capitalmind schließen sich zusammen

Die M&A-Beratung Capitalmind und das Corporate-Finance-Haus Equitygate bereiten ihre Fusion vor. Damit entsteht ein europaweit aktiver M&A-Berater, denn Capitalmind berät vor allem in Frankreich und den Beneluxstaaten.

Wie Ervin Schellenberg, Mitgründer von Equitygate, gegenüber FINANCE erläuterte, sei der Zusammenschluss vom Wunsch der Kunden nach einer paneuropäischen Corporate-Finance-Beratung getrieben. Ziel des künftig als Capitalmind auftretenden Unternehmens ist es demnach, eine vollintegrierte Partnerschaft zu werden. Mit der Fusion setzt sich die Konsolidierungswelle unter den M&A-Beratern fort: Kürzlich haben bereits Clearwater und @visory Partners ihren Zusammenschluss angekündigt.

M&A-Personalien

Henrik Aslaksen, der ehemalige M&A-Chef der Deutschen Bank, geht als Head of Strategic Client Coverage ins Investmentbanking von Credit Suisse. Aslaksen hatte die Deutsche Bank im Juni 2015 verlassen, bislang hat sie noch keinen neuen M&A-Chef benannt. Der Chef des Corporate- und Investmentbankings für Amerika, Paul Stefanick, hat den Posten interimistisch inne.

Die Kanzlei Linklaters hat mehrere neue Partner ernannt. Jann Jetter ist seit 2004 bei Linklaters und berät unter anderem bei PE- und M&A-Transaktionen sowie zu Steuerfragen bei der Strukturierung von Investmentfonds. Mario Pofahl, der seit 2005 für die Kanzlei tätig ist, berät schwerpunktmäßig im Bereich M&A, Restrukturierungen und Gesellschaftsrecht. Christoph van Lier, der seit 2008 für Linklaters bei privaten und öffentlichen Übernahmen und Joint Ventures berät, wurde zum Counsel befördert.

René Grafunder wechselt zum 1. Juni von Linklaters zur Wirtschaftskanzlei Dentons. Er wird als Sozius ins Kartellrechtsteam einsteigen und in Berlin arbeiten. Der 38-Jährige war seit 2008 für Linklaters tätig. Schwerpunkte seiner Beratungstätigkeit sind unter anderem Kartell-, Missbrauchs- und Fusionskontrollverfahren sowie kartellrechtliche Compliance und Beihilferecht.

Der PE-Investor Heliad Equity Partners hat Thomas Hanke zum neuen CEO ernannt. Er löst Stefan Feulner ab, der Heliad im Mai nach drei Jahren verlässt. Hanke kehrt nach seinem Wechsel zur FinTech Group 2015 mit sofortiger Wirkung zurück zu Heliad. Zudem kommt Gunter Greiner als Investment Director zu dem Beteiligungshaus.

Weitere M&A-Deals

Der Textilkonzern Sympatex hat seine Sparte Plouquet, die Taschen für Kleidungsstücke herstellt, verkauft. Käufer ist der Münchener Wettbewerber Kufner, ein Zulieferer der Textilindustrie. Zum Preis ist nichts bekannt. Ploquet war ein wesentlicher Grund dafür, dass Sympatex im vergangenen Jahr drei Millionen Euro verlor. Eine alleinstehende Sympatex könnte außerdem als Investitions- oder Übernahmeziel interessanter werden, wie FINANCE aus unternehmensnahen Kreisen erfahren hat.

Der Energiekonzern E.On und das Land Berlin wollen beim Gasversorger Gasag enger kooperieren, wie Reuters berichtete. Derzeit hält E.On 36,85 Prozent an Gasag, während der französische Konzern Engie und der schwedische Energieversorger Vattenfall je 31,575 Prozent der Anteile halten. Die neue Eigentümerstruktur steht noch nicht fest, das Land Berlin will jedoch die Mehrheit bei Gasag erlangen. E.On könnte zum einen die Gasag-Anteile der anderen Beteiligten erwerben und dann einen Teil an das Land Berlin abgeben, aber auch andere Transaktionsvarianten sind möglich. Gasag erzielt Umsätze von rund 900 Millionen Euro. Zudem soll das Land Berlin eine Mehrheit am Berliner Gasnetz halten.

Der Chemiekonzern BASF erwirbt das Geschäft mit Autoreparaturlacken von dem chinesischen Konzern Guangdong Yinfan Chemistry. Der Deal, mit dem BASF sein Wachstum in Asien vorantreiben will, soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Die erforderlichen Genehmigungen stehen noch aus.

Valeo will ein Joint Venture mit Siemens eingehen, das sich auf Hochspannungsantriebe für Elektroautos konzentrieren soll. Bei der Gründung des Gemeinschaftsunternehmens, an dem beide Parteien je 50 Prozent halten sollen, wird Valeo durch die Kanzlei Gleiss Lutz unter Federführung von Cornelia Topf beraten. Für Siemens ist die Kanzlei Hengeler Mueller beratend tätig.

Der Verkauf des bayerischen Arzneimittelherstellers Dermapharm ist offenbar geplatzt, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtete. Die Finanzinvestoren BC Partners und Nordic Capital hatten 1,1 Milliarden Euro geboten. Allerdings habe Firmengründer Wilhelm Beier den Verkaufsprozess nun überraschend unterbrochen. Dermapharms Umsatz beläuft sich auf rund 500 Millionen Euro.

Das Schweizer Unternehmen Quadrant, ein Hersteller von thermoplastischen Werkstoffen, übernimmt Piper Plastics. Mit dem Zusammenschluss sollen Synergien gehoben werden. Sobald die behördlichen Genehmigungen vorliegen, soll der M&A-Deal in den kommenden Wochen abgeschlossen werden.

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim und der französische Branchenkollege Sanofi verhandelt einem Bericht der F.A.Z. zufolge weiter über das bereits im vergangenen Dezember angekündigte Tauschgeschäft. In diesem Zuge will Boehringer Ingelheim die Tiermedizinsparte von Sanofi übernehmen und sich dafür von seinem Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten trennen. Bis zum Sommer soll der Deal stehen, die Freigaben der Kartellbehörden sollen bis zum Jahresende eingeholt werden.

Der Börsenbetreiber Euronext stellt sich gegen die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE). Dies berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Demnach fürchte Euronext um die eigene Rolle im europäischen Handel. Das Unternehmen habe daher Berater engagiert, um Argumente dafür vorzubereiten, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb in der Region negativ beeinflussen würde. Ein weiterer möglicher Schritt sei Lobbyarbeit zugunsten des US-Börsenbetreibers Intercontinental Exchange (ICE), die in Erwägung zieht, ein Angebot für die LSE abzugeben.

eBay Enterprise hat seine Beteiligung von 24,9 Prozent an Intershop Communications an den Frankfurter Fondsberater Shareholder Value Management veräußert. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Das Berliner Fintech Kapilendo schließt sich mit der Crowdfunding-Plattform Venturate, einem Tochterunternehmen von Finlab, zusammen. In diesem Zuge bringt Finlab Venturate vollständig ein und investiert zudem einen nicht genannten Betrag. Damit hält Finlab künftig 25,1 Prozent an dem fusionierten Unternehmen Kapilendo.

Das Medizinunternehmen Curasan hat eine zehnprozentige Kapitalerhöhung bei einem strategischen Investor platziert. Es wurden 943.604 neue Aktien zu einem Preis von je 1,20 Euro ausgegeben, woraus sich ein Erlös von 1,13 Millionen Euro ergibt. Die Transaktion wurde von der Oddo Seydler Bank begleitet.

Der Möbelhändler Steinhoff hat sich mit knapp 20 Prozent an dem britischen Elektronikhändler Darty beteiligt. Verkauft wurden die Aktien von Tochterunternehmen des britischen Versicherungskonzerns Standard Life sowie der Schweizer Bank UBS. Die Übernahme des gesamten Unternehmens könnte allerdings noch scheitern. Während Steinhoff 1,38 Britische Pfund je Aktie bietet, was insgesamt rund 940 Millionen Euro entspräche, ist die französische Handelskette Fnac bereit, 1,45 Britische Pfund auf den Tisch zu legen.

Nanogate hat 75 Prozent der Anteile an Walter Goletz, einem Hersteller von Kunststoffkomponenten, erworben. Der Kaufpreis soll teils in Nanogate-Aktien und teils in Form erfolgsabhängiger Komponenten gezahlt werden. Zudem ist es Nanogate möglich, die noch ausstehenden Anteile zuzukaufen. Der M&A-Deal soll im Sommer abgeschlossen werden. Beraten wurde Nanogate bei der Transaktion durch P+P Pöllath + Partners, das Team leitete Tobias Jäger. Für die Verkäuferseite war die Sozietät PPR & Partner Pape Rauh tätig.

SCY Beteiligungen hat 49 Prozent der Anteile an Esabiotec, einem Hersteller von Desinfektionslösungen, erworben. Finanziert wird der Deal über eine Kapitalerhöhung.

Softship, ein Softwareanbieter für die Schiff- und Luftfahrt, hat seine 25-prozentige Beteiligung an dem Braunschweiger Unternehmen Airpas Aviation veräußert. Käufer ist das US-Unternehmen Sabre Corporation.

Bio-Gate, ein Hersteller von antimikrobiellen Produkten, hat im Zuge einer Sachkapitalerhöhung die verbleibenden Anteile an seinem Tochterunternehmen BioEpiderma in Höhe von 30 Prozent erworben und hält somit 100 Prozent. Dazu wurde das Grundkapital um 214.285 Euro erhöht.

Der Restaurantbetreiber AmRest Holdings hat sämtliche Anteile an Starbucks Coffee Deutschland von der Starbucks-Gruppe erworben. Der Kaufpreis beträgt voraussichtlich 41 Millionen Euro. Der Deal umfasst die 44 deutschen Starbucks-Cafés sowie eine Lizenz zur Ausweitung des Geschäfts. Beraten wurde AmRest bei der Übernahme durch die Wirtschaftskanzlei Dentons unter Federführung von Till Buschmann.

F24 hat sämtliche Anteile an dem auf Alarmsysteme spezialisierten Schweizer Unternehmen Dolphin Systems erworben. Die Transaktion ist bereits abgeschlossen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Dolphin Systems einen Umsatz von rund 6,5 Millionen Euro. Mit der Übernahme verdoppelt sich der Umsatz von F24 nach Unternehmensangaben.

Das Immobilienunternehmen Immofinanz erwirbt für rund 604 Millionen Euro etwa 26 Prozent der Anteile an dem kleineren Konkurrenten CA Immo, wie DerStandard.at berichtete. Der M&A-Deal soll im nächsten Jahr abgeschlossen werden. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.