Wirecards Dax-Ambitionen haben einen Dämpfer erlitten: Eine erneute Attacke schickt den Aktienkurs auf Talfahrt.

Wirecard

24.01.18
Finanzierungen

Erneute Attacke wirft Wirecard-Kurs zurück

Erneuter Angriff gegen Wirecard: Der Kurssturz um fast 10 Prozent verleiht den Ambitionen des Zahlungsverkehrsdienstleisters, der an der Schwelle zum Dax kratzt, einen Dämpfer.

Wirecard dementierte sofort, die Staatsanwaltschaft ermittelt, und doch ist der Schaden da: Die Attacke durch die „Southern Investigative Reporting Foundation“ vom gestrigen Dienstag schlägt sich auch heute weiter im Aktienkurs von Wirecard nieder. Die Foundation hatte behauptet, dass große Teile der Kaufsumme einer Indien-Übernahme im Jahr 2015 nicht bei dem Verkäufer eingegangen seien. Wirecard dementierte hart: „Die Darstellung ist falsch und entbehrt jeglicher Substanz“, sagte eine Sprecherin.

Für Wirecard ist es nicht das erste Mal, dass harte Anschuldigungen dubioser Research-Häuser die Investoren erschüttern. Bereits 2016 hatte der bis dato unbekannte Research-Dienst Zatarra den Zahlungsdienstleister scharf angegangen. Infolge der Shortseller-Attacke fiel der Aktienkurs dramatisch in die Tiefe. Wirecard ist aufgrund seines komplexen Geschäftsmodells besonders anfällig für Angriffe.

Attacke ist Auslöser für Kurskorrektur bei Wirecard

Auch der jüngste Angriff hinterlässt tiefe Spuren: Binnen weniger Minuten verloren die Papiere zwischenzeitlich bis zu 12 Prozent an Wert. Die Kurskorrektur kommt indes nicht völlig überraschend. In den vergangenen Monaten kannte der Aktienkurs nur eine Richtung: steil aufwärts. Notierte das Papier im Januar 2017 noch um 45 Euro, kletterte es in den folgenden zwölf Monaten bis an die 110-Euro-Marke. Da verwundert es nicht, dass einige Anleger beim Auftauchen negativer Stimmen nervös werden und ihre Gewinne mitnehmen.

Allerdings kann sich der Kurs von den Anschuldigungen trotz des harten Dementis bislang nicht erholen. In den Stunden nach Bekanntwerden des Reports fiel die Aktie zunächst unter die 101-Euro-Marke, kletterte dann wieder auf 104 Euro und fiel am heutigen Mittwochvormittag erneut auf Werte um 102 Euro.

Short-Attacke beendet Höhenflug von Wirecard

Wirecard gilt als Kandidat für Aufstieg in den Dax

Für Wirecard kommt die Kurskorrektur zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt – das Unternehmen kratzt an der Schwelle zum Dax. Dafür müsste Wirecard sowohl bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes als auch beim Handelsumsatz zu den 35 größten Unternehmen Deutschlands zählen, zugleich müsste ein Dax-Absteiger diese Werte deutlich verfehlen. Die Hürde für die Marktkapitalisierung hatte Wirecard Ende Oktober 2017 bei Aktienkursen von damals 80 Euro bereits genommen.

Allerdings sind die Anschuldigungen ein erneuter Dämpfer für die Reputation des Unternehmens und könnten insbesondere institutionelle Investoren zu Zurückhaltung mahnen. Deren Engagement ist allerdings entscheidend, um die für eine Dax-Mitgliedschaft erforderlichen Handelsumsätze zu generieren.

Wirecard-Angriffe beschäftigen die Staatsanwaltschaft

Die Attacken gegen den bayerischen Anbieter von Zahlungsdiensten sind mittlerweile auch ein Fall für die Behörden. Die Staatsanwaltschaft hat nach der jüngsten Attacke ein bereits laufendes Ermittlungsverfahren wegen Marktmanipulation zum Schaden von Wirecard ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft wird regelmäßig von der Bafin zu den oft mühsamen Ermittlungen bei Shortselling-Verdachtsfällen hinzugezogen.

Die unliebsamen Folgen der aktuellen Attacke könnten Wirecard noch länger begleiten. Nach den Zatarra-Anschuldigungen im Frühjahr 2016 dauerte es drei Monate, bis der Wirecard-Kurs sein vorheriges Niveau wieder erreicht hatte. Wirecard hatte auch die von Zatarra erhobenen Vorwürfe stets bestritten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Welche Unternehmen neben Wirecard bereits Opfer von Short-Attacken wurden und wie sich Managementteams dagegen wehren können, lesen Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Shortseller-Attacken.