„Für den High-Yield-Bond war Cheplapharm noch nicht bereit“

Cheplapharm

19.11.18
Finanzierungen

„Für den High-Yield-Bond war Cheplapharm noch nicht bereit“

Das Pharmaunternehmen Cheplapharm hat den Schritt an den Kapitalmarkt gewagt. Im Interview berichtet Finanzchef Jens Rothstein, warum er auf den Weg an den High-Yield-Markt einen Umweg gehen musste.

Herr Rothstein, vergangene Woche haben Sie sich als Finanzchef des Pharmaunternehmens Cheplapharm in London mit Investoren getroffen, um diesen eine weitere Tranche für ein institutionelles Darlehen schmackhaft zu machen. War die Mission erfolgreich?

Ja, sehr sogar. Wir konnten problemlos 300 Millionen Euro über ein Kapitalmarktdarlehen in London bei institutionellen Investoren platzieren. Die Nachfrage lag sogar bei dem doppelten Volumen, was uns natürlich sehr freut und in unserer Strategie bestärkt. Dieser sogenannte Term Loan B (TLB) war für unser stark auf Zukäufe ausgerichtetes Geschäftsmodell extrem wichtig, um bei neuen Transaktionen wieder flexibler zu sein. 

Drei Fakten zum Term Loan B

1

Institutionelles Darlehen am Kapitalmarkt

2

Endfällig ohne laufende Tilgungsleistung

3

In der Regel weniger Covenants als reine Bankenfinanzierung, dafür etwas teurer

Im Sommer haben wir die Finanzierung komplett neu aufgestellt. Bis dahin waren wir über Schuldscheine, Bankdarlehen und Mezzanine-Kapital finanziert. Diese in Summe rund 500 Millionen Euro haben wir Ende Juli durch einen 530 Millionen Euro schweren Term Loan B und eine M&A-Kreditlinie über 310 Millionen Euro ersetzt. Mit der nun aufgenommenen Tranche steht uns ein Kreditvolumen von über 1 Milliarde Euro zur Verfügung. 

Cheplapharm braucht Geld für spezielle M&A-Strategie

Inwiefern waren Sie bei neuen Deals zuletzt eingeschränkt?

Die Kreditlinie für Zukäufe hatten wir zuletzt fast vollständig gezogen. Über die zweite Term-Loan-Tranche haben wir nun wieder mehr Geld für Zukäufe zur Verfügung. Der Term Loan ist zudem endfällig und entlastet damit unseren Kapitaldienst.

Wie sieht Ihre M&A-Bilanz bislang denn aus?

Wir machen ausschließlich Asset-Deals, indem wir von großen Pharmakonzernen die Markenrechte nebst zugehöriger Market Authorisations erwerben. Dabei handelt es sich ausschließlich um Markenprodukte, die bereits seit einigen Jahren keinen Patentschutz mehr haben und deswegen für die Pharmakonzerne wirtschaftlich eine untergeordnete Rolle spielen. Da Cheplapharm weder eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung noch eine eigene Produktion unterhält, kommen wir mit deutlich geringeren Kostensätzen als die Pharmariesen aus. Deshalb sind wir sehr profitabel.

Welche Eigentümer stehen denn hinter Cheplapharm?

Die Industrie-Holding der Familie Braun. Sie verfügt über viele Jahre Erfahrung in der Pharmabranche und hat Cheplapharm im Jahr 2003 übernommen. Insgesamt befinden sich fünf Pharmaunternehmen im Portfolio der Braun-Holding, wobei die Cheplapharm für mehr als 95 Prozent der Umsätze und Erträge steht. 

Schrumpfende Eigenkapitalquote setzte Cheplapharm zu

Wie viel hat Sie Ihre neue Finanzierungstruktur denn gekostet?

„Bei der neuen Finanzierung sind wir nur noch beim Leverage, also der Nettofinanzverschuldung, auf das 4-fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) limitiert.“

Jens Rothstein, CFO bei Cheplapharm

Durch den Term Loan und die Kreditlinie steigen unsere durchschnittlichen Finanzierungskosten zwar von 4 auf 4,5 Prozent. Dafür haben wir aber deutlich mehr unternehmerische Freiheiten. Beispielsweise entfällt eine Kreditauflage zur Eigenkapitalquote. Diese durfte unter der alten Finanzierungnicht unter 20 Prozent fallen. Bei der neuen Finanzierung sind wir nur noch beim Leverage, also der Nettofinanzverschuldung, auf das 4-fache des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) limitiert.

Eine Eigenkapitalquote von 20 Prozent klingt aber nicht verkehrt.

Das sehe ich auch so. Das Eigenkapital war auch nur aus einem besonderen Grund unser Engpass. Unser Eigentümer hat bisher nie Geld aus dem Unternehmen abgezogen. Überschüsse wurden immer in den Kauf neuer Produkte gesteckt. Das führte aber auch zu geringeren Gewinnrücklagen und folglich auch zu einer schrumpfenden Eigenkapitalquote. Irgendwann hätten wir den Eigenkapital-Covenant dann wegen unserer M&A-Politik gerissen.

Cheplapharm war am Kapitalmarkt bislang weitgehend unbekannt. War die Roadshow eine Herausforderung für Sie?

Definitiv. Für die TLB-Finanzierung haben wir zum ersten Mal ein externes Rating benötigt. Das war schon sehr aufwendig – unsere Finanzabteilung besteht aus gerade einmal zehn Mitarbeitern. Hier war die externe Unterstützung von Beratern wie GCA Altium für uns extrem wichtig – sowohl was das Know-how als auch die Arbeitsleistung betrifft.

Hatten Sie einen Plan B für die Kapitalmarktfinanzierung?

Wir haben zu Beginn auch Alternativen diskutiert: Eine Einheitsfinanzierung über Großbanken, einen Teilbörsengang oder den Einstieg eines Private-Equity-Investors. Das haben wir für die nächsten fünf Jahre aber relativ schnell kategorisch ausgeschlossen. Für die nächste Wachstumsphase ist der internationale Kapitalmarkt für uns die beste Lösung. Mit dem Term Loan sind wir relativ flexibel. 

„Einen Teilbörsengang oder Private-Equity-Investoren haben wir für die nächsten fünf Jahre relativ schnell kategorisch ausgeschlossen.“

Jens Rothstein, CFO bei Cheplapharm

Cheplapharm will an den High-Yield-Markt

Inwiefern?

Wir haben einen Soft Call. Das heißt, dass wir den Kredit in den ersten sechs Monaten zum Kurs von 101 Prozent tilgen dürfen. Danach können wir zu par tilgen, wann immer wir wollen.

Warum sollten Sie das tun?

„Mittelfristig wollen wir an den High-Yield-Markt.“

Jens Rothstein, CFO bei Cheplapharm

Mittelfristig wollen wir an den High-Yield-Markt und die Kredittranche durch eine Hochzinsanleihe ablösen. Noch war Cheplapharm für den High-Yield-Bond aber nicht bereit. Nun sind wir am Londoner Markt aber bekannt, verfügen über zwei externe Ratings und peilen für 2019 zum ersten Mal mehr als 400 Millionen Euro Umsatz an. Das Fundament für die Hochzinsanleihe ist damit gelegt. 

Also kommt die Hochzinsanleihe spätestens 2020?

Eigentlich peilen wir schon 2019 an, die Märkte sind derzeit allerdings sehr nervös. Bei den High-Yield-Bonds in London sehen wir aktuell eine Spread-Ausweitung von 100 Basispunkten auf 5,5 Prozent. Unsere Debüt-Transaktion im Sommer wollten wir aber unbedingt durchziehen und haben dafür auch leichte Zugeständnisse bei der Dokumentation und der Marge in Kauf genommen. Bei der anstehenden Bond-Emission haben wir nun aber keinen Zeitdruck mehr. Zur Not wäre für weitere Zukäufe auch eine dritte TLB-Tranche denkbar.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Cheplapharm ist ein deutsches Pharmaunternehmen im Besitz der Industrie-Holding Braun. Durch eine internationale Buy-and-Build-Strategie setzt das Unternehmen nach eigener Aussage aktuell 350 Millionen Euro um.