Der Portalbetreiber Scout24 hat mit dem Zukauf von Finanzcheck.de auch seine Finanzierung überarbeitet. Das Finanzierungspaket umfasst nun ein Volumen von 1 Milliarde Euro.

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23.07.18
Finanzierungen

Finanzierungen: Scout24, Creditshelf, Kettler

Scout24 refinanziert einen Konsortialkredit, Creditshelf platziert im Zuge des Börsengangs Aktien über 16,5 Millionen Euro und Kettler stellt einen Insolvenzantrag – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Scout24 refinanziert Konsortialkredit vorzeitig

Der Betreiber digitaler Marktplätze Scout24 hat seinen bestehenden Konsortialkredit in Höhe von 370 Millionen Euro refinanziert und kann dadurch die vergangene Woche abgeschlossene Übernahme des Kreditvermittlers Finanzcheck.de sowie zukünftige M&A-Aktivitäten finanzieren. CFO Christian Gisy hat ein umfassendes syndiziertes Finanzierungspaket über 1 Milliarde Euro und einer maximalen Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen, dass unbeanspruchte Kreditlinien über 630 Millionen Euro für Akquisitionszwecke umfasst. 

Das Finanzierungspaket besteht im Einzelnen aus einem Darlehen über 300 Millionen Euro, einer revolvierenden Kreditlinie über 200 Millionen Euro, von der aktuelle 70 Millionen Euro in Anspruch genommen sind, und einer dedizierten revolvierenden Akquise-Kreditlinie über 500 Millionen Euro. Insgesamt waren neun europäische Kreditinstitute unter Führung der Joint Coordinator und Bookrunner ABN Amro und Unicredit an der Transaktion beteiligt. Unicredit agierte zudem als Facility Agent. Rechtlich wurde Scout24 bei der Refinanzierung von der Kanzlei Noerr beraten.

Creditshelf sammelt mit IPO 16,5 Millionen Euro ein

Der Frankfurter Mittelstandsfinanzierer Creditshelf hat im Zuge seines Börsengangs insgesamt 206.250 Aktien zu einem Angebotspreis von 80 Euro je Aktie bei Investoren platziert. Der gesamte Bruttoemissionserlös aus der Kapitalerhöhung beläuft sich damit auf rund 16,5 Millionen Euro, teilte Creditshelf mit. 39 Prozent der Aktien verbleiben bei dem von Rolf Elgeti kontrollierten Großaktionär Hevella Capital.

Dessen zuvor abgegebene Backstop-Order wurde nicht in Anspruch genommen. Allerdings hat Obotritia Capital, ebenfalls von Rolf Elgeti kontrolliert, zusätzliche Aktien über 1,5 Millionen Euro gezeichnet. Ursprünglich hatte Creditshelf über die Kapitalerhöhung einen Erlös von 15 bis 20 Millionen Euro angestrebt. Die Notierungsaufnahme ist für den 25. Juli geplant. Die Commerzbank fungiert als Sole Global Coordinator und Sole Bookrunner, Lazard als Finanzberater.

Kettler ist erneut insolvent

Der Kettcar-Hersteller Kettler ist erneut insolvent. Das Unternehmen hat den Antrag auf Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Bis zuletzt war um den Einstieg eines neuen Investors gerungen worden. Der Deal schien schon zum Greifen nah, letztlich kam es aber nicht zu einer Einigung zwischen der luxemburgischen Finanzholding Altera Capital und der Kettler-Stiftung. 2015 musste das Unternehmen schon einmal ein Insolvenzverfahren beantragen

Steinhoff-Gläubiger gewähren Aufschub

Zentrale Gläubigergruppen des Möbelkonzerns Steinhoff haben einem Stillhalteabkommen des in Schieflage geratenen Unternehmens zugestimmt. Der SDax-Konzern hat nun drei Jahre Zeit, um seinen Schuldenberg von fast 10 Milliarden Euro neu zu ordnen und zurückzuzahlen. Bis dahin laufen jährliche Zinsen von 10 Prozent auf, die Ende Dezember 2021 auf einen Schlag fällig werden.

About You sammelt 300 Millionen Dollar ein

Die Beteiligungsholding Heartland steigt bei dem Online-Versandhändler About You ein. Die Beteiligung erfolgt im Rahmen einer Kapitalerhöhung von rund 300 Millionen US-Dollar und auf Basis einer Unternehmensbewertung an der Tochter des Versandhändlers Otto in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar. Die bisherigen Gesellschafter German Media Pool und Seven Ventures sowie die drei About-You-Geschäftsführer Tarek Müller, Sebastian Betz und Hannes Wiese nehmen ebenfalls an der Kapitalerhöhung teil. Benjamin Otto, gestaltender Gesellschafter und Mitglied des Aufsichtsrats der Otto-Gruppe, und seine Schwester bleiben Minderheitsgesellschafter.

Weitere Meldungen

Der Erdgaskonzern VNG hat einen Konsortialkreditvertrag abgeschlossen und sich somit frühzeitig refinanziert. Der neue Syn Loan mit einem Volumen von 700 Millionen Euro hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Das Darlehen biete eine solide Basis für die Finanzierung des operativen Geschäfts, aber auch weitreichende Flexibilität, um zukünftige Investitionen umzusetzen, so VNG. Koordiniert wurde die Syndizierung des Kreditvertrages durch die BNP Paribas, die Commerzbank und die LBBW. Weitere Konsortialführer sind die DZ Bank und die Unicredit. Dem Bankenkonsortium gehören insgesamt elf Banken an. Über die Kreditkonditionen machte VNG keine Angaben.

Das Pharmaunternehmen Cheplapharm Arzneimittel refinanziert bestehende Kredite und Schuldscheindarlehen durch eine Term Loan B Cov-Light Fazilität am Londoner Kapitalmarkt mit siebenjähriger Laufzeit über 530 Millionen Euro. Zudem enthält die Fazilität einen revolvierenden Kredit mit einer Laufzeit von sechs Jahren über 250 Millionen Euro. Bookrunner der Transaktion waren die Deutsche Bank, HSBC und Unicredit. Zusätzlich wurde Cheplapharm von der Commerzbank, DZ Bank und Santander, sowie GCA Altium, Latham & Watkins und Heuking Kühn Lüer Wojtek unterstützt.

Leclanché, ein Schweizer Hersteller von Energiespeicherlösungen, hat mit einigen seiner Investoren, darunter der größte Aktionär Fefam, eine Umstrukturierung und Vereinfachung seiner Schuldenstruktur vereinbart. Fefam hatte Ende Juni fällige Verbindlichkeiten von Drittinvestoren erworben und damit die Kreditgeberbasis Leclanchés vereinfacht. Zudem erklärte sich der Investor bereit, die Fälligkeit der erworbenen Verbindlichkeiten auf den 31. März 2020 zu verschieben. Erst vor wenigen Wochen hatten sich die Schweizer eine Finanzierung von umgerechnet rund 65 Millionen Euro von Fefam gesichert. Fefam hatte zudem Ende Juni angekündigt, vorbehaltlich der notwendigen Genehmigungen,  rund 24 Millionen Schweizer Franken in Eigenkapital umzuwandeln, um die Bilanz der Gesellschaft zu stärken.

Das auf E-Commerce spezialisierte Bettenunternehmen Sleepz plant für August die Begebung von Wandelschuldverschreibungen über 5 Millionen Euro. Die Schuldverschreibungen haben eine Laufzeit von 36 Monaten und die weiteren Konditionen sollen zeitnah festgelegt werden, teilte das Berliner Unternehmen mit. Die neuen Mittel will Sleepz für die Umsetzung weiterer Akquisitionen sowie für die Finanzierung des operativen Geschäfts verwenden.

Die Berenberg Bank, der Vermögensmanager MEAG und der Versicherer Talanx haben gemeinsam eine Finanzierungslösung im deutschen Schienenpersonennahverkehr (SPNV) über die Deutsche Anlagen-Leasing strukturiert. Mandanten von MEAG und Talanx agieren als Fremdkapitalinvestoren zur Finanzierung neuer Züge im Ulmer Raum. Berenberg fungiert als Koordinator und Arrangeur.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker.