Ströer

21.04.16
Finanzierungen

Hedgefonds-Attacke bringt Ströer-Aktie ins Wanken

Täuschung, Bilanzmanipulation, Insidergeschäfte: Mit heftigen Vorwürfen hat der Hedgefonds Muddy Waters einen Kurssturz beim Marketingkonzern Ströer ausgelöst. Ströer wehrt sich jetzt.

Der Hedgefonds Muddy Waters ist darauf spezialisiert, Leerverkäufe auf vermeintlich überbewertete Firmen zu tätigen. Das hat Muddy Waters auch beim MDax-Konzern Ströer getan. Jetzt nimmt das US-Investmenthaus Ströer mit einem Bericht in die Zange. Der Kurs bricht um mehr als 25 Prozent ein.

Muddy Waters ist ein aktivistischer Hedgefonds, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, „jene Intransparenzen zu durchdringen, die oft von scheinbar respektablen, jedoch willfährigen Kanzleien, Wirtschaftsprüfern und einem korrupten Management geschaffen wurden“, sagt der Hedgefonds von sich selbst. Das Investmenthaus hat in der Vergangenheit vor allem chinesische Unternehmen an den Pranger gestellt, vor einigen Monaten aber auch die französische Supermarktkette Casino, deren Kurs daraufhin ebenfalls massiv eingebrochen ist.

Muddy Waters: Ströers Cash Flow ist zu hoch angegeben

Muddy Waters erklärt offen, eine Short-Position an Ströer zu halten und damit an fallenden Kursen zu verdienen. „Aus unserer Sicht ist Ströer nicht das Unternehmen, wofür es der Markt anscheinend hält“, schreibt das aktivistische Investmenthaus in seinem Bericht. Das organische Wachstum, der operative Cash Flow und der freie Cash Flow würden signifikant unter den von Ströer berichteten Angaben liegen, heißt es. Außerdem hätten Insider Aktien im Wert von hunderten Millionen Euro verkauft und die Transaktionen nicht korrekt vermeldet, heißt es im Bericht weiter.

Der freie Cash Flow für das Jahr 2015 sei um insgesamt 51,7 Millionen zu hoch angegeben worden. Laut Muddy Waters habe Ströer auch seinen Vorsteuergewinn (Ebitda) unter anderem „durch sonstige betriebliche Erträge künstlich aufgebläht“. Der Hedgefonds will auch einen Verstoß gegen die IFRS-Rechnungslegungstandards bei der Darstellung des Cashflows aufgedeckt haben und nimmt dafür die Wirtschaftsprüfer von Ströer in die Verantwortung. Dabei handelt es sich um Ernst & Young, wie ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt. Alles in allem erscheint Muddy Waters „der Investment Case von Ströer künstlich aufgebläht“.

Ströer: Bericht ist „verleumderisch“

Gegenüber FINANCE kommentiert Ströer die Vorwürfe wie folgt: „Der Bericht ist weit hergeholt, enthält nichts Neues und ist verleumderisch“. Ein Sprecher sagt, die zugrunde liegenden Geschäftsaussichten seien ausgezeichnet und es habe sich seit der letzten Veröffentlichung nichts geändert. Ströer bestätigte noch einmal ein erwartetes Wachstum von 10 Prozent im ersten Quartal 2016, einen Umsatz bis zu 1,2 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2016 sowie ein Ebitda bis zu 280 Millionen Euro. Der freie Cash Flow vor M&A werde 2016 mindestens 125 Millionen Euro betragen.

Vor einigen Wochen war der Zahlungsdienstleister Wirecard von einem Hedgefonds attacktiert worden. Von dem Kurssturz hat sich das Unternehmen immer noch nicht ganz erholt. Völlig unerwartet kam die Hedgefonds-Attacke auf Ströer allerdings nicht: Vor wenigen Tagen erst berichtete das Magazin „Capital“ in einer Analyse, dass Wirecard kein Einzelfall bleiben werde, weil im Moment viele Hedgefonds mit Leerverkäufen bei einigen deutschen Unternehmen engagiert seien, darunter Ströer, Kuka, Bifinger und K+S. Die öffentlich bekannten Leerverkaufspositionen belaufen sich bei Ströer demnach auf 4,5 Prozent. Die tatsächliche Quote liegt jedoch darüber, da die Positionen lediglich beim Überschreiten von Schwellenwerten veröffentlicht werden müssen.

Gerade deutsche Mittelständler seien beliebte Opfer von Hedgefonds-Attacken, weil ihre Kurse im Vergleich zu Dax-Unternehmen überdurchschnittlich stark gestiegen sind, schreibt das Magazin. Der Aktienkurs von Ströer hatte im vergangenen Jahr enorm zugelegt: Ströer war mit einem Kursgewinn von 134,22 Prozent Spitzenreiter im MDax.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de