Unter schwerem Beschuss: Der Zahlungsverkehrsspezialist Wirecard.

Wirecard

24.02.16
Finanzierungen

Hedgefonds-Attacke reißt Wirecard in die Tiefe

Geldwäsche, illegales Glücksspiel, Betrug: Mit schweren Anschuldigungen reißt das Researchhaus Zatarra die Aktie von Wirecard in die Tiefe. Doch der Angreifer ist ebenso undurchsichtig wie die Investoren hinter der Attacke.

Kapitamarktalarm beim TecDax-Konzern Wirecard und seinen Investoren: Schwere Vorwürfe eines undurchsichtigen Research-Hauses namens Zatarra Research & Investigations haben den Aktienkurs des Zahlungsverkehrsspezialisten, der zuvor über 5 Milliarden Euro Börsenwert auf die Waage gebracht hatte, zeitweise um über 20 Prozent abstürzen lassen.

Wirecard reagierte umgehend mit einem harten Dementi. Die Vorwürfe seien „verleumderisch und gänzlich unwahr“, ließ Wirecard erklären. Außerdem kündigte das Unternehmen rechtliche Schritte gegen die Urheber der Anschuldigungen an. Wirecard-Chef Markus Braun reagierte auf seine Art: Über seine Beteiligungsgesellschaft orderte er inmitten der Kursturbulenzen Wirecard-Aktien für über 4,3 Millionen Euro.

Zatarra ist ein Unternehmen ohne bekannten Track Record und mit minimaler Web-Präsenz. Der Bericht zu Wirecard ist die einzige Veröffentlichung, die sich auf der Website findet. Wer hinter Zatarra steht und ob es die Firma tatsächlich gibt, ist zur Stunde völlig unklar.

Auf 100 Seiten nimmt Zatarra Wirecard auseinander

Die Vorwürfe von Zatarra sind umfangreich und detailliert, der Report umfasst 100 Seiten. Demnach soll Wirecard undurchsichtige Geschäfte mit Firmen von früheren oder aktuellen Managern von Wirecard betrieben haben und außerdem in Geldwäsche verwickelt sein. Auch Verstöße gegen US-Gesetze im Zusammenhang mit Online-Gaming soll das Unternehmen begangen haben.

Desweiteren glaubt Zatarra, dass Wirecard die Kartenanbieter Visa und Mastercard betrügt und Kunden beim Aufbau dubioser Schwestergesellschaften in Steueroasen unterstützt. Hinzu kämen noch überteuerte Zukäufe von Zahlungsverkehrsanbietern in Entwicklungs- und Schwellenländern, deren Manager zum Teil in ähnliche Fälle verstrickt sein sollen. Der aktuelle Wirecard-Vorstand wird der Mitwisserschaft beschuldigt.

Den zuständigen Behörden in Nordamerika und Europa sowie Kreditkartenanbietern sei eine Kopie des Reports zugegangen, erklärt Zatarra. Wegen anstehender Ermittlungen von US-Behörden sowie drohender Vertragsstrafen von Mastercard und Visa liege das Kursziel für Wirecard bei Null.

Wirecard wittert Hedgefonds-Attacke hinter dem Kurssturz

Wirecard wehrt sich mit ebenfalls harten Bandagen: „Wir nehmen an, dass die Verbreitung des Berichts unseren Aktienkurs negativ beeinflussen sollte“, sagte eine Wirecard-Sprecherin – eine kriminelle Handlung, die, sofern sie sich nachweisen lässt, Sanktionen nach sich ziehen dürfte.

Es ist davon auszugehen, dass die deutsche Börsenaufsicht in den nächsten Wochen genau untersuchen wird, ob es in den vergangenen Tagen verdächtige Handelsbewegungen in der Wirecard-Aktie gegeben hat. Die Suche dürfte sich insbesondere auf einen umfangreichen Erwerb von Put-Optionen durch bestimmte Investorengruppen konzentrieren. Der schwere Kurssturz dürfte Anlegern, die sich für fallende Kurse positioniert haben, hohe Gewinne beschert haben. Nach dem harten Dementi durch das Unternehmen erholte sich die Wirecard-Aktie zunächst ein wenig und reduziert ihre Verluste auf 10 Prozent, im späteren Handel setzte aber eine erneute Talfahrt ein.

Es wäre nicht das erste Mal in der Börsengeschichte, dass so etwas passiert. So hatte beispielsweise der berüchtigte Finanzinvestor Florian Homm die MLP-Aktie mit kritischen Berichten abstürzen lassen. Später kam heraus, dass er sich im Vorfeld dafür am Markt positioniert hatte.

In den USA gibt es eine Reihe von Hedgefonds, die sich auf dieses Geschäft spezialisiert haben, allerdings auf legaler Basis. Dort führt beispielsweise der Hedgefondsmanager Bill Ackman eine erbitterte Kampagne gegen den Diätmittelhersteller Herbalife: Er versucht nachzuweisen, dass der Unternehmenserfolg von Herbalife auf einem Schneeballsystem beruht. Dem Pharmakonzern Valeant werfen Hedgefonds vor, seine Umsätze mit Scheingeschäften aufzublähen. Doch einen überzeugenden Nachweis zu führen, dass es tatsächlich so ist, gelang den aggressiven Investoren in keinem dieser Fälle.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de