Auf dem Sprung an die Börse: Das Management des Online-Händlers Home24

Home24

01.06.18
Finanzierungen

Home24 zurrt Börsengang fest

150 Millionen Euro sollen Mitte Juni in die ausgezehrte Kasse des Online-Möbelhändlers Home24 fließen. Ungewöhnlich ist die Struktur des geplanten Börsengangs.

Der Online-Möbelhändler Home24 steht unmittelbar vor dem Sprung an die Börse. Am heutigen Freitag gab das Unternehmen die Eckdaten des IPOs bekannt, am kommenden Montag beginnt die Zeichnungsfrist. Erster Handelstag soll der 15. Juni sein. „Das Feedback der Investoren nach der Ankündigung unserer Börsenpläne war positiv“, lässt sich Co-CEO Marc Appelhoff zitieren.  

Streubesitz nach Börsengang bei bis zu 32,4 Prozent

Ungewöhnlich an dem Home24-Börsengang ist, dass nicht das Volumen des IPOs variabel ist, sondern die Anzahl der neuen Aktien, die ausgegeben werden. Der Bruttoerlös soll in jedem Fall 150 Millionen Euro erreichen. An welchem Punkt der Preisspanne von 19,50 bis 24,50 Euro die Aktien platziert werden, entscheidet damit lediglich darüber, wie viele Papiere ausgegeben werden. Im Höchstfall können dies 7,7 Millionen Stück sein. Das Mindestvolumen liegt mit 6,1 Millionen Aktien deutlich darunter.

Der Streubesitz wird nach dem Börsengang maximal 32,4 Prozent erreichen, bei hoher Investorennachfrage aber deutlich darunter liegen, weil weniger Aktien ausgegeben würden. Die bisherigen Großaktionäre Rocket Internet (41 Prozent) und der schwedische Internet-Investor Kinnevik (17 Prozent) werden im Zuge des Börsengangs keine Aktien verkaufen, ihre Anteile durch die Kapitalerhöhung aber verwässern lassen. Sie haben sich zu dem marktüblichen Verkaufsverbot von 180 Tagen verpflichtet. 

Home24 nimmt die Gewinnschwelle ins Visier

Insgesamt fällt der geplante Börsengang etwas kleiner aus als erwartet. Als Home24 vor rund zwei Wochen die Börsenpläne offiziell machte, sprach der Online-Händler noch davon, 150 bis 200 Millionen Euro einnehmen zu wollen. Die frischen Mittel will das Management dafür verwenden, in allen bestehenden Märkten eine Marketing-Offensive zu starten und die Wertschöpfungskette weiter zu vertiefen. Home24 macht schon jetzt einen nennenswerten Teil seiner Umsätze mit Eigenmarken, für die das Start-up bei Design und Produktion mit Partnern zusammenarbeitet.

In den kommenden 18 Monaten verspricht das Management, die Gewinnschwelle zu erreichen, wenn auch nur auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Dass bis dahin auf jeden Fall noch eine Kapitalspritze notwendig ist, zeigen die Zahlen von Home24 zum ersten Quartal: In den ersten drei Monaten 2018 schrumpfte der Kassenbestand von 20 auf 9 Millionen Euro. Dafür beschleunigte sich das Umsatzwachstum auf 25 Prozent, während Home24 im Gesamtjahr 2017 nur um 13 Prozent gewachsen war. Die bereinigte Ebitda-Marge verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal von minus 11 auf minus 6 Prozent.

Begleitet wird der Home24-Börsengang von Berenbank, Citigroup und Goldman Sachs.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de