Sehnsuchtsort Börse: Das Insurtech DFV versucht zum zweiten Mal, an die Börse zu kommen, und macht dafür erhebliche Zugeständnisse.

George Doyle/Thinkstock/Getty Images

23.11.18
Finanzierungen

Insurtech DFV startet zweiten IPO-Anlauf

Nur zwei Wochen nach der Absage des Börsengangs startet die Deutsche Familienversicherung überraschend einen zweiten IPO-Versuch. Dafür muss das Insurtech den Investoren aber enorme Zugeständnisse machen.

Überraschung am IPO-Markt: Anders als erwartet versucht nun doch noch ein Unternehmen, den widrigen Marktverhältnissen zu trotzen und an die Börse zu gehen. Es ist die Deutsche Familienversicherung (DFV), die ihren im Oktober gestarteten Börsengang vor zwei Wochen eigentlich schon abgebrochen hatte – nur einen Tag nach dem E-Scooter-Hersteller Govecs.

Der Börsengang ist nun für den 4. Dezember geplant. Von heute an bis zum kommenden Donnerstag können Investoren die Aktien des Insurtechs zeichnen. Die DFV betreibt eine digitale Plattform für den Vertrieb und die Bestandsverwaltung von Krankenzusatz- und Sachversicherungen.    

Warum will die DFV unbedingt an die Börse?

Am 9. November hatte die DFV den Abbruch des ersten Börsenanlaufs mit dem „schwierigen Kapitalmarktumfeld“ begründet. Dieses hat sich in den vergangenen zwei Wochen jedoch nicht nennenswert verbessert. Eine FINANCE-Anfrage zu den Gründen für den erneuten IPO-Versuch ließ die DFV unbeantwortet.

In früheren Aussagen ließ das Unternehmen durchblicken, dass es auf frische Kapitalzufuhr eigentlich nicht angewesen ist. Die Mittelzuflüsse aus dem geplanten Börsengang sollten der Beschleunigung des Wachstums dienen und zum Beispiel in Marketing investiert werden. 2017 hat die DFV nach eigenen Angaben auf operativer Basis bereits profitabel abgeschlossen und einen Gewinn von Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,4 Millionen Euro erzielt.

DFV kappt die Preisspanne von bis zu 23 auf 12 Euro

Trotzdem macht das Jungunternehmen den potentiellen Investoren nun massive Zugeständnisse: Die neuen Aktien sollen nur noch 12 Euro pro Stück kosten. Die ursprüngliche Preisspanne hat noch 17 bis 23 Euro betragen – und sich nun nahezu halbiert. Würden alle neuen Aktien zugeteilt, flössen dem Unternehmen 52,1 Millionen Euro zu.

Das ursprünglich avisierte Emissionsvolumen lag bei „rund 100 Millionen Euro“, was darauf hindeutet, dass die DFV trotz der erheblichen Einschnitte beim Preis plant, eine ähnlich hohe Aktienzahl zu platzieren wie beim ersten Börsenanlauf. Der Streubesitz würde sich nach einem erfolgreichen IPO auf 17 Prozent belaufen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de