Keine E-Roller an der Börse: Govecs muss den geplanten Börsengang abblasen.

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08.11.18
Finanzierungen

Weiterer Börsengang geplatzt

Wie befürchtet, schafft es auch Govecs nicht aufs Parkett. Der IPO des E-Scooter-Produzenten ist geplatzt. Das sind denkbar schlechte Vorzeichen für den letzten noch kämpfenden Börsenaspiranten 2018.

Auch Govecs hat es nicht an die Börse geschafft. Gestern Abend teilte der stark wachsende Hersteller von Elektrorollern mit, dass der Börsengang, dessen Zeichnungsfrist heute endete, „aufgrund des schwierigen Kapitalmarktumfelds verschoben wird“.

Ob Govecs zu einem späteren Zeitpunkt noch an die Börse gehen wird, lassen die Münchener explizit offen. Eine Wiederaufnahme des Börsengangs wird als „möglich“ bezeichnet, und das Unternehmen betont: „Die Finanzierung des Wachstums wird durch die bestehenden Aktionäre gesichert.“

Govecs hat hart für den Börsengang gekämpft

Govecs versuchte alles, um den Gang aufs Parkett zu einem Erfolg zu machen. Die Münchener verlängerten die Angebotsphase um nahezu sechs Wochen und reduzierten das angepeilte Emissionsvolumen deutlich. Zuletzt wollte CFO Dirk Reiche noch zwischen 64 und 77 Millionen Euro einnehmen. Ursprünglich waren es bis zu 90 Millionen Euro. 

Zudem hatte das Management versucht, durch die Veröffentlichung zahlreicher positiver Unternehmensnachrichten die zurückhaltende Stimmung der Investoren zu drehen. Dazu gehörte auch die Partnerschaft mit einem spanischen Rollerproduzenten, wodurch Govecs die Investitionspläne für den Ausbau des Govecs-Werks in Polen kürzen konnte. Im FINANCE-TV-Interview behauptete Finanzchef Reiche, dass Govecs auch ohne zusätzliche Mittel aus einem Börsengang dazu in der Lage sei, die Gewinnschwelle zu erreichen.     

Morgen gilt es für die Deutsche Familienversicherung

Das Scheitern des Govecs-Börsengangs kommt nicht überraschend. In der vergangenen Woche hatten schon der dänische Pharmahändler Abacus und der Tech-Finanzinvestor Primepulse die Fahnen strecken müssen. Der Aktienmarkt hat sich seitdem zwar stabilisiert, aber unter den Investoren herrschen nach wie vor Unsicherheit und Vorsicht.

Für den letzten noch verbliebenen Börsenaspiranten 2018 sind das denkbar schlechte Vorzeichen. Das Frankfurter Insurtech-Unternehmen Deutsche Familienversicherung hatte die Angebotsphase am Montag vergangenen Woche gestartet und will Aktien für 68 bis 92 Millionen Euro platzieren. Auch dieser IPO sollte ursprünglich größer ausfallen.

Morgen planen die beiden Konsortialbanken Hauck & Aufhäuser und Mainfirst, die Bücher zu schließen. Falls sie ausreichend Orders für eine erfolgversprechende Platzierung bilanzieren könnten, dürfte dies nach den Ereignissen der vergangenen Tage als Überraschung gewertet werden.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de