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18.04.18
Finanzierungen

League Tables: Goldman Sachs macht großen Satz

Trotz reger M&A-Aktivität haben die Konzerne aus der DACH-Region kaum Hunger nach frischem Fremdkapital. Das maue Geschäft nutzt Goldman Sachs, um sich an die Spitze gleich mehrerer League Tables zu katapultieren.

Die Investmentbanker von Goldman Sachs haben einen starken Jahresauftakt im deutschsprachigen Raum hingelegt: Gleich in drei von vier maßgeblichen League Tables, die der Datenanbieter Dealogic exklusiv für FINANCE aufbereitet, springt die US-Investmentbank zum Ende des ersten Quartals von den hinteren Rängen nach vorne auf die Spitzenplätze. In den beiden Rankings für M&A-Deals und Eigenkapitaltransaktionen („ECM“) erobert die Wall-Street-Bank sogar die Pole Position, unter den Bookrunnern für Anleiheemissionen („DCM“) reiht sie sich ebenfalls vorne ein.

Die Deutsche Bank, die in der allgemeinen Wahrnehmung im Abstieg begriffen ist, kann sich vergleichsweise gut halten. Im DCM-Ranking, in dem sie 2017 die Marktführerschaft errungen hatte, belegt sie nach dem ersten Quartal hinter Goldman Sachs  den zweiten Platz. Auch im ECM-Geschäft behält sie ihre Position und rangiert weiterhin auf Rang 2, bei den syndizierten Krediten rutscht sie nur marginal von Platz 4 auf 6 ab.

Besorgniserregend ist allein, dass die Deutsche Bank es in ihrem Heimatmarkt auch im ersten Quartal nicht geschafft hat, in die Top 10 der erfolgreichsten M&A-Berater zurückzukehren. Dies dürfte sich im zweiten Quartal freilich ändern, wenn in die Statistiken miteinfließt, dass die Deutsche Bank als M&A-Berater des Energiekonzerns Innogy mandatiert worden ist, der kurz davor steht, von E.on und RWE filetiert zu werden.     

Schwache Kreditnachfrage hilft JP Morgan

Insgesamt lief das Kapitalmarktgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die Banken im ersten Quartal eher gemischt. Vor allem der Kredithunger der Konzerne hat spürbar nachgelassen. Das Geschäft mit syndizierten Krediten halbierte sich im ersten Quartal nahezu gegenüber dem Vorjahr von 44,2 auf 23,4 Milliarden US-Dollar.

Die großen neuen Kreditlinien von Heidelberg Cement (3,7 Milliarden Dollar zur allgemeinen Refinanzierung) sowie des Wohnungskonzerns Vonovia, der eine Brückenfinanzierung von fast 3,3 Milliarden Dollar für die Buwog-Übernahme arrangierte, konnten das schwache Grundgeschäft nicht überdecken. So reichte JP Morgan ein Dealvolumen von lediglich 4,1 Milliarden Dollar, um sich mit weitem Abstand vor der Unicredit und der Commerzbank die Marktführerschaft im Syndicated-Loans-Ranking zu sichern.

Franzosen fallen im Bondgeschäft wieder zurück

Die Anleiheemissionstätigkeit bei Unternehmen im Investmentgrade ging im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal von 46,5 auf 25,6 auf  Milliarden Dollar zurück. Die größte Emission eines Unternehmens kam von dem Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont, der über den größten Bond seiner Firmengeschichte fast 5 Milliarden Dollar aufnahm.

Im Bookrunner-Ranking führt Goldman Sachs mit recht deutlichem Abstand vor der Deutschen Bank und der Unicredit, hauchdünn dahinter lauert JP Morgan auf dem vierten Rang. Die beiden französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale, die sich zum Jahresende noch überraschend auf die Plätze 2 und 3 geschoben hatten, fallen zurück – die SocGen beendete das Quartal als Fünfter, die BNP Paribas als Achter.

Mega-Deals prägen M&A- und ECM-Rankings

Besser lief der Markt in den Bereichen M&A und ECM. Die großen Börsengänge von Siemens Healthineers und der DWS trieben das emittierte ECM-Volumen in Deutschland auf den höchsten Stand, der jemals in einem ersten Quartal erzielt wurde – 13,2 Milliarden Dollar. Davon profitierten in den League Tables neben den beiden ECM-Spitzenreitern Goldman Sachs und Deutsche Bank auch noch die Credit Suisse und JP Morgan, die mehrere Plätze gutmachen und sich auf die Ränge 3 und 4 schieben konnten.

Noch stärker von einer einzelnen Transaktion geprägt ist das M&A-Ranking. Der angekündigte, nach Berechnung Dealogics insgesamt fast 55 Milliarden Dollar schwere Asset-Tausch zwischen E.on und RWE rund um Innogy dürfte nach Vodafone/Mannesmann der zweitgrößte M&A-Deal aller Zeiten mit Beteiligung eines deutschen Targets werden. Alle sechs Banken, die ein M&A-Beratungsmandat von E.on oder RWE ergattern konnten, führen den M&A-League-Table an: Goldman Sachs, Citi, Bank of America, Rothschild, BNP Paribas und Perella Weinberg.

Die Dealogic-Listen mit den ausführlichen Daten zu allen Top-10-Rankings und den jeweils größten Transaktionen in allen Bereichen können Mein-FINANCE-Nutzer kostenlos aus der FINANCE-Datenbank herunterladen.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Hier geht es zum Download der Dealogic-League-Tables.