Steht bald ein Börsengang an? Die Lufthansa soll über einen Teil-IPO ihrer Tochter Lufthansa Technik nachdenken.

Lufthansa

23.01.20
Finanzierungen

Lufthansa vor Mega-Carve-out?

Die Deutsche Lufthansa soll einen Teil-Börsengang von Lufthansa Technik in Betracht ziehen. Der Deal könnte den Börsenwert des Gesamtkonzerns ordentlich steigern – wäre aber auch sehr aufwendig.

Nach der Catering-Sparte nun auch das Wartungsgeschäft? Die Lufthansa denkt laut einem Medienbericht offenbar über einen Teil-Börsengang ihrer Tochter Lufthansa Technik nach. Mit dem Schritt wolle das Unternehmen den Börsenwert des Konzerns steigern und die weitere Expansion der Sparte finanzieren, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderkreise.

Das Management soll dem Bericht zufolge eine Carve-out-Variante priorisieren, bei der nur ein Teil der Aktien der ausgegliederten Sparte an die Börse gebracht wird und die Mehrheit beim Konzern verbleibt. Daneben soll es aber auch Planspiele bezüglich eines Spin-Offs geben. Dabei würden die Lufthansa-Aktionäre ihrem Anteil entsprechend neue Aktien der separierten Lufthansa Technik gratis oder zumindest Gratis-Bezugsrechte erhalten.

Analysten loben mögliche IPO-Pläne

Analysten begrüßen eine mögliche Prüfung der Optionen für die profitable und wenig zyklische Sparte der Lufthansa. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Lufthansa Technik als Carve-out-Variante an die Börse gebracht wird", sagte etwa NordLB-Experte Wolfgang Donie gegenüber FINANCE. Er sieht den Mehrwert dieser Variante vor allem in den freiwerdenden finanziellen Mitteln, die in die Expansion der Lufthansa-Tochter investiert werden könnten.

Bloomberg-Intelligence-Analyst George Ferguson beziffert den möglichen Unternehmenswert von Lufthansa Technik auf 7,5 Milliarden Euro. Andere Marktteilnehmer, mit denen FINANCE sprach, gehen sogar von einem Unternehmenswert von 8 bis 9 Milliarden Euro aus. Die Marktkapitalisierung der Lufthansa liegt aktuell bei rund 7,1 Milliarden Euro. Die Mutter selbst kämpft bereits seit einigen Jahren mit einem sinkenden Aktienkurs.

Wie schnell kann Lufthansa Technik getrennt werden?

Lufthansa Technik könnte bei Aktionären mit seinem Geschäftsmodell punkten, welches durch die regelmäßigen Wartungen stabile Cashflows verspricht. Wie viel Potenzial Lufthansa Technik an der Börse haben könnte, zeigt auch ein Blick auf den Kurs des Triebwerk- und Wartungsspezialisten MTU, der aktuell mit mehr als 15 Milliarden Euro bewertet wird. In den vergangenen Jahren konnte MTU seinen Kurs deutlich steigern und ist seit 2019 im Dax vertreten. MTU stellt jedoch auch Triebwerke her, was Lufthansa Technik nicht tut.

Allerdings rechnen nicht alle Experten damit, dass die stark integrierte Tochter allzu schnell aus dem Konzern herausgetrennt wird. So schreibt Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research, dass er einen mehrjährigen Prozess erwarte. Es dürfte eine Vielzahl von Vertragsbeziehungen und Verrechnungspreisfragen geben, die entwirrt und zu Marktbedingungen neu gestaltet werden müssten, geben Analysten zu bedenken.

An der Börse zeigten sich die Anleger derweil uneinig: Nach anfänglichen Kursgewinnen am Morgen stand die Aktie am Mittag mit knapp 3 Prozent im Minus. Aktuell notiert sie bei rund 14,40 Euro.

Die Lufthansa-Aktie im Sinkflug (Kurs ab dem 15.12.2017)

Lufthansa treibt Konzernumbau voran

Im Gesamtjahr 2018 konnte die Technik-Tochter, die vor allem für die großen Wartungs- und Reparaturarbeiten der Jets zuständig ist, ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro steigern, während der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 2 Prozent auf 425 Millionen Euro anstieg.

Mit dem Teil-IPO könnte die Unternehmensführung der Lufthansa einen weiteren Schritt beim Umbau der Konzernstruktur vollziehen. So sollen letztlich einzelne Geschäftsanteile in betriebswirtschaftlichen Eigenverantwortung unterhalb einer Holdinggesellschaft zu finden sein. Ende November 2019 hatte die Fluggesellschaft den Verkauf des europäischen Geschäfts der Catering-Tochter LSG Sky Chefs an den Schweizer Mitbewerber Gategroup bekanntgeben. Damit machte die Lufthansa deutlich, dass man sich in Zukunft vor allem auf das Kerngeschäft fokussieren möchte.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de