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Muddy Waters legt gegen Ströer nach

Der Hedgefonds Muddy Waters erhöht den Druck auf den Außenwerber Ströer. Die Börse ist misstrauisch geworden.
Ströer Group

Der Hedgefonds Muddy Waters läutet die zweite Runde seiner Attacke gegen Ströer ein: Der US-Hedgefonds weist die Erklärungen des Werbevermarkters in einem neuen zehnseitigen Report als „hochgradig irreführend“ zurück. „Der Versuch von Ströer, unsere Berechnungen für das organische Wachstum zu widerlegen, erscheint uns wenig überzeugend. Anscheinend hat Ströer keine wirklichen Gegenargumente“, schreiben die Analysten des Hedgefonds.

Muddy Waters hatte dem MDax-Konzern in einem vor einer Woche veröffentlichten Report Täuschung, Bilanzmanipulation und Insidergeschäfte vorgeworfen. Der Aktienkurs von Ströer war daraufhin um 30 Prozent eingebrochen. Der MDax-Konzern wies diese Anschuldigungen am folgenden Tag im Rahmen einer Telefonkonferenz zurück. Der Bericht sei „weit hergeholt, mindestens tendenziös und im Ergebnis vollkommen haltlos“, so der MDax-Konzern. CEO und Hauptaktionär Udo Müller kündigte rechtliche Schritte gegen Muddy Waters an. Außerdem prüft das Werbeunternehmen den Start eines Aktienrückkaufprogramms, wie das Management am Freitag Nachmittag ankündigte.

Ströers Argumente verfangen an der Börse nicht

Doch die Argumente, mit denen Ströer die Anschuldigungen von Muddy Waters entkräften wollte, verfangen nicht: Seit dem Kurs-Crash verharrt die Ströer-Aktie im Seitwärtstrend bei etwa 45 Euro. Von den gestern vorgelegten guten Zahlen für das erste Quartal sowie der Prognoseerhöhung zeigt sich weder die Börse noch Muddy Waters beeindruckt.

Nun legt der Hedgefonds nach: „Es erscheint uns absurd, weiter die Prognosen von Ströer für das organische Wachstum zu diskutieren, da die Gesellschaft entweder unfähig oder jedenfalls nicht daran interessiert ist, das organische Wachstum akkurat zu berechnen.“ Dann wird der Hedgefonds polemisch: „Vor diesem Hintergrund kann Ströer auch gleich ein organisches Wachstum von 1.000 Prozent für das erste Quartal ausweisen.“

Muddy Waters setzt ehemaligen CIA-Analytiker auf Ströer an

Doch Muddy Waters liefert auch inhaltliche Argumente: Detailliert und mit Zahlen unterfüttert nimmt der Hedgefonds die Gegenargumente von Ströer auseinander. So erklärt der Hedgefonds etwa, warum er den Cashflow als zu hoch angesetzt beurteilt und die Erläuterungen des Unternehmens aus seiner Sicht unzureichend seien.

Zudem hat Muddy Waters einen ehemaligen Verhaltens- und Aussagenanalytiker der CIA auf Ströer-CEO Udo Müller angesetzt. Der Ex-Geheimdienstler habe Müllers Formulierungen während der Telefonkonferenz analysiert und „zahlreiche Indizien für Täuschungen“ gefunden. So sei es beispielsweise verdächtig, dass kein einziges Managementmitglied an irgendeiner Stelle des Conference Calls eine konkrete Anschuldigung von Muddy Waters bestritten habe. Stattdessen habe man wiederholt das Vertrauen der Zuhörer in das Managementteam beschworen.

Muddy Waters geht damit besser vorbereitet in die Auseinandersetzung als das undurchsichtige Researchhaus Zatarra, das Mitte Februar den Zahlungsdienstleister Wirecard angriff. Dessen Konter auf die Verteidigung von Wirecard war inhaltlich schwach und wirkt vor allem jetzt im Vergleich mit dem Gegenschlag von Muddy Waters dünn. Ströer wird sich wohl noch auf einen längeren Kampf einstellen müssen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de