Eine Kapitalerhöhung könnte frisches Geld in die Kassen von Schmolz + Bickenbach spülen. Doch der Weg zur Rettung ist noch lang.

hxdyl/iStock/Thinkstock/Getty Images

03.12.19
Finanzierungen

Schmolz + Bickenbach: Erster Schritt zur Rettung

Nach öffentlichem Streit haben sich die beiden Großaktionäre von Schmolz + Bickenbach auf eine Kapitalerhöhung geeinigt. Final gerettet ist der kriselnde Stahlkonzern damit jedoch noch nicht.

Neue Hoffnung für Schmolz + Bickenbach: Der kriselnde Stahlkocher könnte nun doch noch frische Mittel für seine Restrukturierung erhalten. Auf einer außerordentlichen Generalversammlung am gestrigen Montag haben sich die beiden Großaktionäre Martin Haefner und das Investmentvehikel Liwet des russischen Investors Viktor Vekselberg auf einen Kompromiss verständigt.

Dem Unternehmen sollen demnach mindestens 325 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 295 Millionen Euro) zufließen. Geplant ist eine Kapitalherabsetzung mit gleichzeitiger Kapitalerhöhung. Haefner will seinen Anteil dabei von derzeit 17,5 Prozent auf bis zu 37,5 Prozent ausbauen.

Haefner und Vekselberg erzielen Kompromiss

Um die Kapitalerhöhung war im Vorfeld mit harten Bandagen gerungen worden. Nun gehen beide Seiten einen Schritt aufeinander zu: Haefner hatte seine Unterstützung bislang davon abhängig gemacht, dass Liwet bei einer Kapitalerhöhung von der Zuteilung der nicht ausgeübten Bezugsrechte ausgeschlossen wird. Auf diese Bedingung verzichtet Haefner nun.

Für Vekselberg war dies ein wichtiger Punkt: Der russische Investor wollte verhindern, dass seine Beteiligung durch eine Kapitalerhöhung von derzeit knapp 27 Prozent auf weniger als 25 Prozent sinken könnte. Im Gegenzug zu Haefners Zusage hat die Gesellschaft Liwet nach Angaben von Schmolz + Bickenbach „signalisiert, dass sie sich mit einem erheblichen Betrag an der Kapitalerhöhung beteiligen wird“. Neben den beiden Großaktionären ist noch die Erbengemeinschaft der Unternehmensgründer mit rund 10 Prozent an dem Konzern beteiligt.

Großaktionär Haefner soll Gelder zuschießen

Die Kapitalerhöhung wurde am gestrigen Montag mit 79,3 Prozent der auf der Generalversammlung vertretenen Stimmen angenommen. Ohne eine Annäherung zwischen Vekselberg und Haefner wäre dieses Quorum nicht zu erzielen gewesen. Verwaltungsratspräsident Jens Alder sagte, man sei nun „zuversichtlich, dass wir den Refinanzierungsprozess in den nächsten Wochen erfolgreich abschliessen werden“.

Schmolz + Bickenbach benötigt die frischen Mittel, um sein rapide gesunkenes Eigenkapital wieder aufzubauen: Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2019 lag die Eigenkapitalquote nur noch bei 11 Prozent, die Nettoverschuldung von 724 Millionen Euro bedeutete einen Leverage von 8,2x Ebitda.

Haefner musste dafür offenbar auch finanzielle Zusagen machen: Sollte seine Beteiligung auf mehr als ein Drittel der Aktien steigen, würde dies bei Schmolz + Bickenbach eine Change-of-Control-Klausel bei einer Anleihe auslösen – ein Fall, für den Haefner schon zugesagt hatte, dem Unternehmen ein Brückendarlehen im hohen zweistelligen Millionenbereich bereitzustellen, um mögliche Rückzahlungen zu begleichen.

Schmolz + Bickenbach hatte im April 2017 zunächst 200 Millionen Euro über eine Anleihe eingesammelt und den Betrag im Juni 2018 auf 350 Millionen Euro aufgestockt – sollten viele Zeichner von der Change-of-Control-Klausel Gebrauch machen, könnte dies Haefner teuer zu stehen kommen. Der Kurs der Anleihe, die im Juli 2022 fällig wird, liegt derzeit bei rund 82 Prozent.

Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtet, habe Haefner nun zusätzlich auch Mittel für künftige Akquisitionen versprechen müssen, um die Aktionäre auf seine Seite zu ziehen.

Finma entscheidet zu Schmolz + Bickenbach

Das weitere Schicksal von Schmolz + Bickenbach liegt nun auch in den Händen der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma). Denn sollte Haefners Anteil durch eine Kapitalerhöhung auf mehr als ein Drittel der Aktienanteile steigen, müsste er den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot vorlegen. Von dieser Pflicht wollte sich der Investor befreien lassen, scheiterte allerdings am Veto der Schweizer Übernahmekommission.

Diese Entscheidung könnte die Finma kippen und damit den Weg für die Kapitalerhöhung endgültig freimachen. Eine Entscheidung der Finma wird bis zum 9. Dezember erwartet.

Welche Unternehmen noch kämpfen müssen, lesen Sie auf unserer Themenseite Restrukturierung.