Anleihegläubiger im Glück: Schmolz + Bickenbach unterbreitet ihnen ein Rückkaufangebot.

Schmolz + Bickenbach

06.02.20
Finanzierungen

Schmolz + Bickenbach muss Anleihe zurückkaufen

Nach bangem Zittern, einer rettenden Kapitalerhöhung und dem damit verbundenen Kontrollwechsel können die Anleihegläubiger von Schmolz + Bickenbach ihr Glück kaum fassen. Sie werden ausgezahlt, sogar über par.

Glückliches Ende für die Anleihegläubiger von Schmolz + Bickenbach: Aufgrund eines Kontrollwechsels hat der angeschlagene Schweizer Stahlkonzern ihnen ein Rückkaufangebot für die 2017 und 2018 begebene Anleihe unterbreitet. Deren Volumen beläuft sich auf 350 Millionen Euro, der Zinssatz beträgt 5,625 Prozent. Eigentlich wäre das Papier noch bis 2022 gelaufen, aber dank der enthaltenen Change-of-Control-Klausel können die Bondholder bis zum 13. März ihre Papiere zu 101 Prozent zuzüglich aufgelaufener Zinsen zurückgeben.

Es ist damit zu rechnen, dass der Großteil der Gläubiger von diesem Angebot Gebrauch machen wird. Für diese Investoren ginge ein heißer Herbst gut zu Ende –  Ende September, als sich die Lage von Schmolz + Bickenbach zugespitzt hatte, waren die Papiere auf 53 Prozent ihres Nennwerts abgestürzt. Bis Anfang Dezember konnte sich der Kurs zumindest auf rund 80 Prozent wieder erholen. Aber eine Rückzahlung über par schien auch damals noch weit weg zu sein.

Martin Haefner rettete Scholz + Bickenbach

Der Kontrollwechsel bei dem Traditionskonzern fand im Rahmen der rettenden Kapitalerhöhung am 8. Januar statt. Dem kriselnden Unternehmen flossen durch die Ausgabe von gut 1 Milliarde neuer Aktien 325 Millionen Schweizer Franken für seine Restrukturierung zu. Zuvor hatten sich die beiden dominierenden Großaktionäre, Amag-Erbe Martin Haefner und der russische Investor Viktor Vekselberg, im Streit über die Bedingungen beharkt.

Am Ende baute Haefner, der den Löwenanteil der Kapitalspritze zur Verfügung stellte, seine Beteiligung von 17,5 Prozent auf 44,9 Prozent aus, während die von Vekselberg kontrollierte Gesellschaft Liwet von 27 auf 25 Prozent verwässert wurde.

Haefner zahlt Schmolz + Bickenbach-Gründerfamilie aus

Aktienanleger, die auf ein Pflichtangebot gehofft hatten, schauen hingegen in die Röhre. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat Haefner per Ausnahmegenehmigung von einem Pflichtangebot entbunden. Er muss stattdessen innerhalb einer Schonfrist von fünf Jahren seinen Anteil wieder reduzieren.

Kurz vor Weihnachten hatte die Gründerfamilie über ihre Beteiligungsgesellschaft beim Schweizer Bundesverwaltungsgericht dagegen geklagt. Sie hatte sich nicht an der Rekapitalisierung beteiligt, wodurch ihr Anteil von 10,1 auf 4,7 Prozent gesunken war. Doch es kam nicht zum Gerichtsentscheid, sondern zu einem Deal: Haefner erklärte sich dazu bereit, der Schmolz + Bickenbach Beteiligungs GmbH ihre Anteile zu je 0,45 Schweizer Franken je Aktie abzukaufen, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtete. Dadurch vergrößerte sich sein Anteil auf insgesamt 49,6 Prozent.

Die verbliebenen Anleger dürften sich mit Blick auf den aktuellen Kurs von 0,22 Schweizer Franken nun gleich doppelt für benachteiligt halten – gegenüber den Gründern und gegenüber den Bondholdern. Der Wert ihrer Papiere hat sich innerhalb eines Jahres um rund zwei Drittel reduziert.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de