ThyssenKrupp braucht frisches Kapital. Ein IPO der Aufzugssparte könnte helfen. Wird sich der der Konzern heute dafür entscheiden? Erste Anzeichen sprechen dafür.

ThyssenKrupp

21.05.19
Finanzierungen

Stiftung gibt ThyssenKrupp Rückenwind für IPO der Aufzugsparte

Nachdem ThyssenKrupp seine Pläne für eine Aufspaltung auf Eis gelegt hat, braucht der Konzern schnell frisches Kapital. Eine Möglichkeit wäre der IPO der Aufzugsparte – die Krupp-Stiftung scheint sich nun dafür ausgesprochen zu haben.

Ein Börsengang des Aufzugsgeschäfts von ThyssenKrupp wird wahrscheinlicher: Wie die FAZ erfahren hat, hat der Thyssen-Vorstand von der Krupp-Stiftung Rückenwind für einen IPO erhalten. Die Zeitung bezieht sich auf stiftungsnahe Kreise. Die mit 21 Prozent größte Aktionärin unterstütze die Pläne, weil so schneller Geld in die Kassen gespült werde als durch einen direkten Verkauf, heißt es weiter. Wie genau die künftige Strategie des Konzerns aussehen soll – und damit auch der Aufzugsparte – wird heute in der Aufsichtsratssitzungen diskutiert.

Dabei war ein IPO lange Zeit ein Tabuthema für ThyssenKrupp-CEO und ehemaligen CFO Guido Kerkhoff, doch nun braucht das Unternehmen dringend Geld, nachdem die Konzernumbaupläne vor eineinhalb Wochen gescheitert sind. Auslöser war das Platzen des geplanten Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel Europe. Der Industrie- und Stahlkonzern machte am Ende einen Rückzieher, weil die Kartellauflagen zu groß waren. Die EU-Kommission hatte Bedenken geäußert, dass das fusionierte Unternehmen zum zweitgrößte Stahlkonzern nach Arcelor Mittal in Europa aufgestiegen wäre. Im gleichen Zug sagte ThyssenKrupp auch die Aufspaltungspläne ab.

Daraufhin stellte Kerkhoff seine neuen Holding-Pläne vor: Das Stahlgeschäft soll der Kern des Konzerns bleiben, die Aufzugsparte soll an die Börse und die anderen Industriesparten (Anlagenbau, Autoteile und Marine) sollen offen für Partnerschaften sein. Doch das ist bisher nur ein Plan – und auch ein Verkauf oder eine Verpartnerung des Aufzugsgeschäfts bleiben eine Möglichkeit.

Ein Verkauf der Aufzugsparte scheint unwahrscheinlich

Für einen Verkauf soll es sogar schon einen Interessenten geben: Der finnische Konkurrent Kone hatte die Sparte Reuters zufolge kürzlich ins Visier genommen und die Bank of America mandatiert. Ein Verkauf wäre allerdings nicht nur deshalb problematisch, weil es lange dauern könnte, bis Geld fließt. Er könnte letztlich auch an Auflagen der Kartellbehörden scheitern. Offen bliebe dann noch die Option, dass ein Finanzinvestor, der noch nicht im Aufzugsgeschäft tätig ist, die Sparte übernimmt. Bisher gab es aber noch keine Berichte über Interessenten.

Vieles spricht also für einen Börsengang – sollte allerdings ein Bieter mit einem besonders hohen Angebot kommen, könnte das wiederum für den zweitgrößten Aktionär, Cevian, attraktiver sein. Der aktivistische Investor dringt schon seit langem darauf, alle Optionen zur Verwertung der Konzernbereiche in Erwägung zu ziehen. „Es darf keine historischen und politischen Tabus mehr geben, wenn ThyssenKrupp die langjährige Underperformance ernsthaft angehen und die Geschäfte zurück auf Wachstumskurs bringen will“, sagte Cevian-Gründer Lars Förberg.

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Guido Kerkhoff, ThyssenKrupp AG

Von 1995 bis 1996 arbeitet Kerkhoff im Bereich Konzernbilanzierung bei dem Energieversorger Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). Von 1996 bis 2002 ist er bei Bertelsmann tätig, zuletzt im Bereich Konzernrechnungswesen/-controlling und leitet dort die Abteilung für Projekte und Grundsatzfragen.

Im Jahr 2002 wechselt Kerkhoff zur Deutschen Telekom, wo er verschiedene Führungspositionen im Finanzbereich inne hat. Von 2006 bis 2011 verantwortet er als Zentralbereichsleiter das Konzernrechnungswesen und Konzerncontrolling. 2009 steigt er in den Vorstand der Telekom auf, wo er zunächst die Regionen Süd- und Osteuropa betreut, ab 2010 dann das gesamte Europa.

Seit April 2011 ist Kerkhoff Vorstandsmitglied und CFO bei ThyssenKrupp. Im Mai 2015 hat der Manager seinen Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2021 verlängert. Im Juli 2018 springt er nach dem Rückzug von ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger als Interims-Chef ein. Ende September wird ihm die CEO-Position dann dauerhaft übertragen.

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ThyssenKrupp steht harte Sanierung bevor

Historische und politische Tabus werden vor allem der Krupp-Stiftung unterstellt, die – wie es in ihrer Präambel heißt – „die Einheit des Unternehmens wahren“ will. Doch mit der derzeitigen Konzernkrise dürfte sich auch die Einstellung der Stiftung langsam aber sicher ändern. Nach den gescheiterten Umbauplänen sagte sie selbst, sie werde „die neuen Vorschläge bewerten“. Ziel sei es, „dass das Unternehmen in allen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig aufgestellt ist, mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen Dividendenfähigkeit“.

Wie ernst die Lage ist, zeigte sich auch daran, dass Vorstandschef Guido Kerkhoff nach der geplatzten Aufspaltung die Gewinnwarnungen für das laufende Geschäftsjahr nach unten schraubte und nun sogar mit einem Fehlbetrag in der Bilanz rechnet. Zudem kündigte er eine harte Sanierung an, bei der 6.000 Stellen gestrichen werden sollen. Angesichts der bedrohlich dünnen Kapitaldecke hat Moody’s ThyssenKrupp kurz darauf unter Beobachtung für eine mögliche Herabstufung gesetzt.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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