Bayer AG

17.04.18
Finanzierungen

Temasek wird zweitgrößter Bayer-Aktionär

Temasek nutzt den Kapitalbedarf von Bayer, um seine Beteiligung an dem Dax-Konzern massiv aufzustocken. Dadurch wird der singapurische Staatsfonds zweitgrößter Bayer-Aktionär. Auch für die übrigen Aktionäre hat der Deal Folgen.

Die asiatische Investmentgesellschaft Temasek nutzt den aktuellen Kapitalbedarf des Pharma- und Agrochemie-Konzerns Bayer, der nach Abschluss der Monsanto-Übernahme über 10 Milliarden Euro frisches Eigenkapital benötigen wird. Wie Bayer gestern am späten Abend bekannt gab, stockt der Staatsfonds aus Singapur seine Beteiligung erheblich auf, indem er 31 Millionen neue Bayer-Aktien erwirbt und seinen Anteil so von 0,4 auf 4 Prozent nach oben schraubt.

Bayer fließen durch diese Kapitalerhöhung, von der die übrigen Aktionäre ausgeschlossen sind, 3 Milliarden Euro zu. Der Platzierungspreis liegt demnach bei rund 97 Euro und damit nur leicht unterhalb des Aktienkurses, der aktuell knapp unter der 100-Euro-Marke liegt. Durch den Anteilskauf schwingt sich Temasek zum zweitgrößter Bayer-Aktionär nach Blackrock auf. Die US-Fondsgesellschaft hält 7 Prozent.

„Große“ Kapitalerhöhung wird kleiner

Bayer-CEO Werner Baumann deutet die Aufstockung von Temasek als Zuspruch für den viel kritisierten Monsanto-Deal. „Sie zeigt das Vertrauen in die geplante Übernahme von Monsanto und die starken Wachstumsperspektiven von Bayer“, lässt sich Baumann in einer Pressemitteilung zitieren.

Wichtig sind die Implikationen des Temasek-Deals für die weiteren Refinanzierungsschritte der Monsanto-Übernahme. Bayer betont, dass „die Erlöse der Platzierung voll berücksichtigt werden, wenn der Umfang der bereits angekündigten Bezugsrechtskapitalerhöhung zur Finanzierung der geplanten Übernahme von Monsanto festgelegt wird“. Dies bedeutet, dass die große Kapitalerhöhung, an der alle Bayer-Aktionäre teilnehmen dürfen, um 3 Milliarden Euro kleiner ausfallen wird als geplant.

Im Anschluss planen Bayer-CFO Johannes Dietsch beziehungsweise sein designierten Nachfolger Wolfgang Nickl, Anleihen mit einem zweistelligen Milliardenvolumen zu begeben, um die Brückenfinanzierung abzulösen, die Bayer von mehr als 20 Banken für die Bezahlung des Monsanto-Kaufpreises erhalten hat.

Temasek ist ein Investment-Gigant

Temasek wurde 1974 gegründet und gilt als einer der weltweit größten Vermögensverwalter. Der Staatsfonds verwaltet eigenen Angaben zufolge heute 275 Milliarden Singapur-Dollar (rund 184 Milliarden Euro). Temasek ist bisher größtenteils an Unternehmen aus Asien und Australien beteiligt.

Im vergangenen Jahr hatte der Investment-Gigant jedoch angekündigt, künftig vermehrt in deutsche Firmen investieren zu wollen. Vor allem Industrieunternehmen, aber auch Unternehmen aus den Bereichen Konsum, Technologie, Landwirtschaft, Pharma, Biotech und Dienstleistungen bezeichnet Temasek als interessant.

Bayer offenbar kurz vor Abschluss des Monsanto-Deals

Dass Bayer jetzt schon eine größere Kapitalerhöhung platziert, ist ein starker Hinweis darauf, dass das Management sich sicher ist, die Genehmigung für die Monsanto-Übernahme zu erhalten. Tatsächlich hatte vergangene Woche das „Wall Street Journal“ berichtet, dass der geplante Mega-Deal kurz davor stünde, grünes Licht von den US-Behörden zu bekommen. Bayer hat sich demnach bereit erklärt, noch mehr Geschäftsbereiche als geplant zu verkaufen – vermutlich wieder an BASF.

Die US-Behörden sind die letzte Instanz von Gewicht, die die geplante Transaktion noch aufhalten könnten. Bayer selbst geht davon aus, den Deal im laufenden Quartal abschließen zu können. Im Februar hatten bereits die Kartellbehörden in Brasilien und China ihre Freigaben erteilt. Mitte März folgte dann die Freigabe durch die Wettbewerbshüter der EU.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de