Fortum

09.02.18
Deals

M&A-Deals: Fortum, Zeaborn, CBR

Fortum verfehlt bei Uniper die Mehrheit, Zeaborn übernimmt die Schiffsmanagementsparte von Erck Rickmers und EQT trennt sich von dem Modehaus CBR. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Fortum scheitert mit Uniper-Übernahme

Dem finnischen Versorger Fortum sind im Rahmen des Übernahmeangebots an die Aktionäre des Energiekonzerns Uniper nur weitere 0,47 Prozent der Aktien angedient worden. Fortum hatte sich bereits Anfang des Jahres das Uniper-Aktienpaket des Kraftwerksbetreiber E.on für 3,76 Milliarden Euro gesichert. Insgesamt halten die Finnen nun 47,12 Prozent der Uniper-Aktien.

Der M&A-Deal wurde im Vorfeld von Protesten und Manövern der Uniper-Führung begleitet. „Das Angebot von Fortum ist aus unserer Sicht finanziell nicht attraktiv und spiegelt das langfristige Potential der Uniper nicht wider“, äußerte sich Uniper-CFO Christopher Delbrück diesbezüglich im FINANCE-Interview vom Dezember. Fortum bot den Anteilseignern 22 Euro je Aktie. Während der Annahmefrist lag der Uniper-Börsenkurs jedoch konstant über dem Angebot der Finnen. 

Zeaborn übernimmt Teile von E.R. Schiffahrt

Das Schifffahrtsunternehmen Zeaborn erwirbt die Schiffmanagementsparte E.R. Schiffahrt sowie die Schiffsmaklerfirma Harper Petersen & Co. des Hamburger Kaufmanns Erck Rickmers. Laut Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beläuft sich der Kaufpreis auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Mit der Übernahme baut Zeaborn, eigenen Angaben zufolge sein Unternehmen auf mehr als 165 Schiffe und 5.000 Mitarbeiter aus. Das Management der übernommenen Firmen soll nicht ausgetauscht werden und der Hauptsitz in Hamburg verbleiben, heißt es in einer Pressemitteilung. Zeaborn wurde bei der Transaktion von der Wirtschaftskanzlei Watson Farley & Williams (Federführung: Christian Finnern) beraten.

Die bisher größte Übernahme von Zeaborn war der Erwerb der insolventen Reederei Rickmers im vergangenen Jahr. Das Unternehmen gehörte dem Bruder von Erck Rickmers Bertram Rickmers. Die Reederei war an der Restrukturierung ihrer 275 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe gescheitert und hatte im Juni des vergangenen Jahres Insolvenz anmelden müssen.

PE-Investor EQT trennt sich von Modehaus CBR

Der schwedische Private-Equity-Investor EQT hat sein Portfoliounternehmen CBR verkauft. CBR ist die Dachholding für die Bekleidungsmarken Street One und Cecil. Bei dem Käufer handelt es sich Unternehmensangaben zufolge um das britische Private-Equity-Haus Alteri Investors.

Alteri ist auf Restrukturierungsfälle im Einzelhandel spezialisiert. Hinter dem Investor steht das PE-Haus Apollo. Bei der Transaktion wurde EQT von der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller (Federführung: Daniel Möritz und Hans-Jörg Ziegenhain) beraten. Die Wirtschaftskanzlei Kirkland & Ellis (Federführung: Benjamin Leyendecker) sowie das Beratungshaus Pöllath + Partners (Federführung: Benedikt Hohaus) waren auf Seiten von Alteri unterstützend tätig.

KPMG übernimmt Data-Science-Berater Kiana

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hat den Data-Science-Berater Kiana übernommen. Im Mai 2017 hatte KPMG sich bereits mit 33 Prozent bei dem saarländischen Unternehmen beteiligt. Laut eigenen Angaben wird Kiana nun in KPMG integriert, behält aber weiterhin seine Marke.

Kiana war 2001 aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz hervorgegangen und fokussiert sich eigenen Angaben zufolge auf Themen wie Big Data, Analytics oder Data Mining. Der Zukauf von KPMG ist ein weiterer Vorstoß der Big Four in das Beratungsgeschäft. 

Brasilien genehmigt Erwerb von Monsanto durch Bayer

Die brasilianischen Behörden haben dem Chemie- und Agrarkonzern Bayer grünes Licht für die Übernahme des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto gegeben. Das teilte die zuständige Kartellbehörde Conselho Administrativo de Defesa Econômica (Cade) mit.

Voraussetzung für die Freigabe sind demnach Zugeständnisse gewesen, die Bayer und Monsanto bereits gemacht haben. Dazu zähle unter anderem auch der Verkauf von Teilen des Saatgut- und Pflanzenschutzmittelgeschäfts an den Konkurrenten BASF für 5,9 Milliarden Euro im Oktober 2017. Es stehen weiterhin die Genehmigungen der Kartellbehörden in den USA und der EU aus. Erst vor wenigen Tagen hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter die Prüffrist für den milliardenschweren M&A-Deal auf den 5. April verlängert. 

Eurazeo erwirbt Konkurrenten Idinvest

Der französische Finanzinvestor Eurazeo übernimmt den Konkurrenten Idinvest. Im Zuge der Transaktion erwirbt Eurazeo auch den 51-prozentigen Mehrheitsanteil der Investmentgesellschaft IDI an Idinvest und kommt damit auf insgesamt 70 Prozent der Anteile. Die verbleibenden 30 Prozent werden zunächst weiterhin das Idinvest-Management halten. Geplant ist aber, dass Eurazeo auch diese Anteile Schritt für Schritt übernehmen wird.

Idinvest wird bei der Transaktion mit 310 Millionen Euro bewertet, während sich das Investitionsvolumen von Eurazeo auf 230 Millionen Euro summiert. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Sollte dieser wie geplant über die Bühne gehen, dann würden die beiden Finanzinvestoren gemeinsam ein Vermögen von 15 Milliarden Euro verwalten. Die neue Gesellschaft will sich eigenen Angaben zufolge auf die Wachstumsfinanzierung von europäischen und nordamerikanischen Unternehmen fokussieren.

Cewe übernimmt französische Foto-App

Für 36 Millionen Euro beteiligt sich der Oldenburger Fotodienstleister Cewe an der Cheerz-Gruppe, dem französischen Marktführer für Fotofinishing-Apps. Die Übernahme kostet etwas mehr als das eineinhalbfache des für 2018 geplanten Umsatzes von Cheerz und wird den operativen Gewinn (Ebit) von Cewe zunächst um 4 Millionen Euro belasten. Durch die Übernahme erhofft sich Cewe zusätzliches Wachstum im Mobilgeschäft, insbesondere in Frankreich und Südeuropa.   

Vonovia erhält grünes Licht bei Buwog-Übernahme

Der Immobilienkonzern Vonovia hat grünes Licht für die Übernahme des österreichischen Konkurrenten Buwog erhalten. Sowohl das Bundeskartellamt als auch die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde haben die Freigabe für den Deal erteilt. Bereits Mitte Dezember waren die Übernahmepläne von Vonovia bekannt geworden. 

Vonovia bietet den Buwog-Aktionären 29,05 Euro je Aktie. Den Inhabern der Wandelschuldverschreibungen von Buwog bietet der Bochumer Konzern je 100.000 Euro Nominalbetrag 115.753,65 Euro. Inklusive Schulden bewertet der Dax-Konzern den Konkurrenten aus Österreich demnach mit 5,2 Milliarden Euro. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 50 Prozent plus eine Aktie. Der Abschluss der Transaktion wird Mitte März erwartet.

Softbank kurz vor Einstieg bei Swiss Re

Der japanische Telekommunikationskonzern Softbank steht offenbar kurz vor einem Einstieg bei dem  Versicherungskonzern Swiss Re. Beide Unternehmen würden sich in Gesprächen über eine mögliche Minderheitsbeteiligung von Softbank befinden, heißt es in einer Mitteilung der Schweizer.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, könnte der japanische Konzern ein Drittel der Swiss-Re-Aktien übernehmen. Der Kaufpreis würde sich im Falle einer Einigung der Konzerne auf mindestens 10 Milliarden Dollar belaufen.

Geely kauft sich offenbar bei Daimler ein

Der chinesische Autokonzern Geely hat offenbar Aktien des Stuttgarter Autobauers Daimler erworben, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet. In welchem Umfang sich Geely an Daimler beteiligt habe, sei bisher unklar. „Reuters“ berichtet unter Berufung auf Insider, dass die Chinesen an der Batterie-Technologie von Daimler interessiert seien. Geely würde den Informationen zufolge ein Joint Venture in Whuan, einer Stadt im Osten Chinas planen, heißt es weiter.

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hat der chinesische Autokonzern Interesse an Daimler signalisiert. Geely wollte damals im Zuge einer Kapitalerhöhung mit bis zu 5 Prozent bei Daimler einsteigen. Zu diesem Zeitpunkt habe der Stuttgarter Autobauer jedoch laut „Reuters“-Informationen das Angebot abgelehnt. 

United Grinding Group könnte offenbar nach China gehen

Die chinesischen Investmentgesellschaft China Jianyin Investment (JIC) hat offenbar derzeit die besten Aussichten, um den Werkzeugmaschinenbauer United Grinding Group (UGG) zu übernehmen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“ unter Berufung auf Insiderinformationen. Demnach seien die Chinesen bereit, 600 Millionen Euro für UGG auf den Tisch zu legen. Neben JIC sei nur noch der Schweizer Anlagenbauer Oerlikon mit im Bieterwettkampf vertreten, heißt es weiter.

M&A-Personalien

Keith Fischer ist seit Anfang Februar neuer Partner und Senior Managing Director des auf Immobilieninvestments spezialisierten Private-Equity-Unternehmens Kildare Partners. In seiner neuen Position soll der 52-Jährige neue Beteiligungsmöglichkeiten für das PE-Haus identifizieren. Fischer arbeitete zuletzt als Senior Advisor bei der Investmentgesellschaft Värde Partners.

Klaus Jürgens verstärkt den Bereich Unternehmensbewertung der Beratungsgesellschaft I-Advise. Der studierte Betriebswirt ist insbesondere auf die Banken- und Versicherungsbranche spezialisiert. Jürgens wechselt von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Adkl zu I-Advise. 

Weitere M&A-Deals

Der Münchener Versicherungsriese Allianz ist offenbar an einer Übernahme des Sach- und Rückversicherers XL Group interessiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Personen. Die XL Group hat seinen Standort auf den Bermuda-Inseln. Der Börsenwert des Unternehmens beläuft sich aktuell auf 10,7 Milliarden Dollar. Für die Allianz wäre es die zweite Transaktion innerhalb von zwei Wochen. Erst kürzlich hatte der Konzern in Sri Lanka zugekauft und Janashakthi General Insurance für 85,9 Millionen Euro  übernommen.

Die Gerflor Gruppe, ein Produzent von Bodenbelägen und Wandverkleidungen, übernimmt das Linoleum-Geschäft von DLW Flooring. Laut Unternehmensangaben schließt die Transaktion das Produktionswerk in Delmenhorst und dessen Mitarbeiter ein. Außerdem übernimmt Gerflor die Mitarbeiter an den Standorten Bietigheim-Bissingen, sowie die Beschäftigte in den Auslandsgesellschaften. Die Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins (Federführung: Frank Grell und Natalie Daghles) hat die Gerflor Gruppe bei der Transaktion beraten. Auf Seiten von DLW hat die M&A-Beratungsgesellschaft Goetzpartners unterstützt.

Der Immobilienmakler Engel & Völkers hat eine Minderheitsbeteiligung von der Beteiligungsgesellschaft Afinum Management zurückgekauft. Afinum war im März 2015 bei dem Unternehmen eingestiegen. Der Rückkauf der Anteile war laut Angaben des Unternehmens bereits im Vorfeld geplant.

Uzin Utz, ein Ulmer Komplettanbieter von Bodensystemen, erwirbt die niederländischen Großhändler Forinn und Bosgoed Groothandel. Beide Großhandelsorganisationen sollen zunächst selbstständig bleiben, unter eigenem Namen agieren und ihr Kerngeschäft weiter betreiben. Mit den Akquisitionen will Uzin Utz nach eigenen Angaben seine Position in den Beneluxländern ausbauen.

Piab, ein Entwickler von Vakuumlösungen, hat den Entwickler und Hersteller von Robotergreiflösungen, Feba Automation & Modulare Systeme (Feba), erworben. Piab ist Portfoliounternehmen des schwedischen Finanzinvestors EQT. Die Anwaltssozietät White & Case (Federführung: Hendrik Röhricht und Jan Jensen) hat Piab bei der Transaktion beraten.

Der Anbieter von Systemlösungen für die Hygieneindustrie Winkler + Dünnebier hat Bicma Hygiene Technologie übernommen. Bei Winkler + Dünnebier handelt es sich um einen eigenständigen Geschäftsbereich des US-Unternehmens Barry Wehmiller. Bicma Hygiene Technologie entwickelt und fertigt Maschinen für die Herstellung von Hygieneprodukten. Der Käufer wurde bei der Akquisition von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie (Federführung: Gerald Schumann) beraten. 

Macquarie Infrastructure and Real Assets
(Mira), ein Geschäftsbereich des Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmens Macquarie Group, übernimmt den Münchener Immobilienfondsmanager GLL Real Estate. GLL hält ein verwaltetes Vermögen von rund 7 Milliarden Euro und beschäftigt über 130 Mitarbeiter. Mit dem Erwerb will Mira nach eigenen Angaben seine Präsenz im Bereich Real Asset Investments stärken. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Quartal 2018 erwartet. GLL wurde bei der Transaktion von der Anwaltskanzlei Hogan Lovells (Federführung: Volker Geyrhalter und Andreas Thun) beraten.

Die Cartus Corporation hat ihre Anteile an Learnship Networks, einem Anbieter für digitale Fremdsprachenschulungen, an das Family Office THI Investments verkauft. Die Anwaltskanzlei Watson Farley & Williams (Federführung: Christoph Naumann) hat die Cartus Corporation bei dem Verkauf beraten.

Das österreichische Unternehmen Stadler Formenbau übernimmt das insolvente Unternehmen Karl Keppler Maschinenbau sowie die Besitzergesellschaft Karl Keppler Vermögensverwaltung. Stadler Formenbau entwickelt und fertigt Druck- und Spritzgießformen unter anderem für die Automobil und Medizinindustrie. Karl Keppler hatte Ende 2016 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anmelden müssen. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz hat die Transaktion begleitet.

Die Gesellschafter des Waschmaschinenanbieters Schneidereit verkaufen ihre Anteile an den schwedischen Elektrokonzern Electrolux. Schneidereit erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 mit 110 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 18 Millionen Euro. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner (Federführung: Dirk Halm) stand den Gesellschaftern bei dem Verkauf beratend zur Seite.

Die Münchener Beteiligungsholding Navigator Capital hat das insolvente Unternehmen ENA Guss Albbruck im Wege einer übertragenden Sanierung erworben. ENA Guss Albbruck ist ein Kleinserienspezialist für Eisengussteile und hatte im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden müssen. Die Beratungsgesellschaft Falkensteg hat die Transaktion begleitet.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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