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Zouk Capital will va-Q-tec an die Börse bringen

Das Private-Equity-Haus Zouk Capital wagt sich mit Börsenplänen vor: Der Investor will va-Q-tec an die Börse bringen.
Tuned_In/iStock/Thinkstock/Getty Images

Der Private-Equity-Investor Zouk Capital plant den nächsten Schritt für seine Beteiligung va-Q-tec: Der Hersteller von Isolier- und Dämmlösungen soll noch vor Jahresende den Sprung an die Börse schaffen. Dabei wollen die bisherigen Eigentümer sowohl Aktien aus Altbesitz abgeben als auch neue Papiere ausgeben. Daraus sollen dem Technologie-Unternehmen im Rahmen des IPOs etwa 45 Millionen Euro zufließen.

Zudem sollen Aktien aus dem Bestand der Altaktionäre platziert werden. Auch die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe), die 15 Prozent des Platzierungsvolumens umfasst, wird aus Altbesitz gestellt. Derzeit liegen rund 47 Prozent der Anteile des im Jahr 2001 gegründeten Unternehmens bei den Gründern und dem Management. Der Private-Equity-Investor Zouk Capital ist im November 2011 über seinen Fonds Cleantech Europe II bei va-Q-tec eingestiegen, finanzielle Details wurden damals nicht genannt.

Der PE-Investor hält nach eigenen Angaben derzeit 33 Prozent der Unternehmensanteile, die übrigen 20 Prozent der Anteile entfallen auf nicht näher benannte „sonstige Eigner“.  Nach dem Börsengang soll der Streubesitz auf insgesamt 50 Prozent steigen.

va-Q-tec operiert noch in der Verlustzone

va-Q-tec wurde 2001 als Spin-off der Universität Würzburg und des Bayerischen Zentrums für Angewandte Energieforschung gegründet und hat seinen Hauptsitz in Würzburg. Ein weiterer Produktionsstandort liegt im thüringischen Kölleda. International hat va-Q-tec fünf Niederlassungen in Europa, Asien und den USA.

Aktuell befindet sich va-Q-tec im Aufschwung, das Wachstumstempo hat zuletzt mit steigender Unternehmensgröße noch zugelegt. Im ersten Halbjahr 2016 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz von 15,6 Millionen Euro, ein Plus von 60 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2015 standen Umsatzerlöse von 22,5 Millionen Euro zu Buche, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Jahr 2014 (18,3 Millionen Euro). Von 2013 auf 2014 waren die Umsätze um rund 14 Prozent gestiegen.

Gleichwohl tut sich das Hightech-Unternehmen schwer mit dem Sprung in die Gewinnzone: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war in den Jahren 2013 und 2014 mit 1,6 beziehungsweise 1,7 Millionen Euro nahezu konstant und stieg dann von 2014 auf 2015 deutlich auf 3,6 Millionen Euro an. Im ersten Halbjahr 2016 erzielte das Unternehmen ein Ebitda von 2,2 Millionen Euro.

Durchwachsener ist die Bilanz beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit): Dieses lag 2013 und 2014 mit jeweils 0,2 Millionen Euro im Minus und war 2015 mit einem Plus von 0,4 Millionen Euro leicht positiv. Im ersten Halbjahr 2016 lag das Ebit dagegen wieder mit 0,4 Millionen Euro im negativen Bereich. Der operative Cashflow dagegen lag mit 1,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2016 schon deutlich über dem Gesamtjahr 2015 (0,2 Millionen Euro).

va-Q-tec benötigt frisches Eigenkapital

Ein gelungener Börsengang würde die Eigenkapitalposition von va-Q-tec deutlich aufbessern: Derzeit weist das Unternehmen ein Eigenkapital von 9,5 Millionen Euro aus, das entspricht einer Eigenkapitalquote von 20 Prozent. 2013 lag die Eigenkapitalausstattung noch bei 11 Millionen Euro (43 Prozent). Dieser Trend legt nahe, dass Eigenkapital zugeführt werden muss, damit das Unternehmen sein hohes Wachstumstempo beibehalten kann. Diese Notwendigkeit würde auch erklären, warum sich als erster Börsenneuling nach der Sommerpause ausgerechnet ein kleines Unternehmen hervor wagt.

Der Börsengang von va-Q-tec wäre freilich nicht der erste eines innovationsgetriebenen Technologieunternehmens in diesem Jahr: Bereits zu Jahresanfang hatte das Biotechunternehmen Brain bei seinem Börsengang einen Bruttoerlös von rund 31,5 Millionen Euro erzielt. Brain schreibt ebenfalls noch rote Zahlen, der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag 2014/2015 bei minus 4,6 Millionen Euro. Aktuell liegt der Aktienkurs von Brain gut 15 Prozent über dem Ausgabekurs von 9 Euro.

Zouk Capital war an FFK Environment beteiligt

Der Private-Equity-Investor Zouk Capital hofft mit va-Q-tec nun auf einen erfolgreichen Exit, den der Börsengang mittelfristig einläuten könnte. Zouk Capital hat seinen Sitz in London und spezialisiert sich auf Investments in Unternehmen und Infrastruktur-Assets mit Bezug zu Energieeffizienz und sauberer Technologie. Die Briten waren in Deutschland allerdings auch vor dem Börsengang an dem Online-Händler Zooplus beteiligt.

Weniger Fortune als mit Zooplus und va-Q-tec hatte Zouk mit einem anderen Investment im deutschen Mittelstand: Zouk Capital hatte sich 2011 an dem Recyclingunternehmen FFK Environment beteiligt. Das Unternehmen, das auch eine 16 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe begeben hatte, musste später Insolvenz anmelden. Gläubigervertreter raten inzwischen dazu, Schadensersatzansprüche gegen das Unternehmen und die Vorstände prüfen zu lassen.

Für den Börsengang von va-Q-tec ist die Berenberg Bank als Sole Global Coordinator und Joint Bookrunner mandatiert. Die MainFirst Bank begleitet den Börsengang als Joint Bookrunner, die Equinet Bank ist als Co-Lead Manager der Transaktion an Bord.

Die Erlöse aus dem Börsengang will va-Q-tec in den Ausbau des Container- und Boxengeschäfts sowie die Erweiterung von Produktionskapazitäten stecken. „Wir haben insbesondere in den vergangenen fünf Jahren bereits beeindruckende Wachstumsraten und Profitabilitätszuwächse erzielt. Mit dem Erlös aus dem Börsengang schaffen wir die finanziellen Grundlagen dafür, diesen Weg weiter zu verfolgen“, sagt va-Q-tec-CFO Christopher Hoffmann.

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