Thomas Schuhmacher/Air Berlin

20.02.17
Finanzierungen

Air Berlin kann nur noch Etihad überzeugen

Schlappe für Air Berlin: Außer Großaktionär Etihad hat nahezu kein Investor seine Wandelanleihen zum Umtausch eingereicht. Jetzt nimmt die schwer angeschlagene Airline frisches Kapital auf – und kann auch hier auf die Araber zählen.

Mit einem Umtauschangebot für seine 140 Millionen Euro schwere Wandelanleihe wollte sich Air Berlin Zeit kaufen. Doch der Plan der hochverschuldeten Fluggesellschaft ist am Markt durchgefallen: Lediglich 41,3 Millionen Euro wurden den Berlinern zum Tausch angeboten. Mit 40 Millionen entfällt nahezu der gesamte Anteil auf Großaktionär Etihad, der mit 29 Prozent an Air Berlin beteiligt ist.

Die anderen Gläubiger konnte Air Berlin derweil nicht von einem Umtausch überzeugen – und das obwohl die neue Wandelanleihe mit 8,5 Prozent deutlich höher verzinst wird als das bestehende Papier mit 6 Prozent. Außerdem können Anleger bereits am 29. Dezember die Rückzahlung der neuen Wandelanleihe verlangen.

Gläubiger lehnen Umtauschangebot für Wandelanleihe ab

Dass Investoren dieses Angebot dennoch nicht angenommen haben, lässt vermuten, dass ein Großteil vom vorzeitigen Kündigungsrecht des bestehenden Bonds Gebrauch machen wird: Am 6. März können Investoren die Wandelanleihe, die eigentlich bis 2019 läuft, vorzeitig kündigen. Laut Anleihebedingungen steht den Gläubigern dann eine Rückzahlung zu 100 Prozent des Nennwerts plus ausstehende Zinsen zu. Das erscheint den Anlegern angesichts der hohen Unsicherheit bei Air Berlin offenbar attraktiver als ein Umtausch in eine höher verzinste, aber länger laufende Wandelanleihe.

Air Berlin befindet sich derzeit mitten in der Zerschlagung: Die mit über 1 Milliarde Euro verschuldete Airline hat gerade 38 Mittelstreckenjets samt Personal an den Lufthansa-Konzern vermietet. Zudem soll das Touristikgeschäft ihrer österreichischen Tochter Niki in ein Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tuifly und Etihad eingebracht werden. Mit den verbleibenden 75 Flugzeugen will sich Air Berlin künftig auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf konzentrieren und das Langstreckengeschäft ausbauen. Mit diesem tiefgreifenden Umbau soll nach Jahren hoher Verluste endlich der Turnaround gelingen.

Etihad geht für Air Berlin weiter ins Risiko

Doch nicht nur operativ, sondern auch finanziell hat Air Berlin offene Baustellen: Deshalb nimmt die Fluggesellschaft nun frisches Kapital für „Refinanzierungs- und allgemeine Unternehmenszwecke“ auf: 83,7 Millionen Euro spült die neue Wandelanleihe in die Kasse des neuen, erst im Herbst angetretenen CFOs Dimitri Courtelis. Air Berlin hatte bereits bei Vorlage des Umtauschangebotes angekündigt, der neue Bond solle bis zu 125 Millionen Euro umfassen. Abzüglich der zum Tausch angedienten 41,3 Millionen Euro bleiben damit 83,7 Millionen Euro, die von der begleitenden Bank HSBC am Markt platziert werden.

Bei der Emission greift Etihad der deutschen Beteiligung erneut unter die Arme: Der Großaktionär, der inzwischen hinter einem Großteil der über 1,2 Milliarden Euro Finanzschulden von Air Berlin direkt und indirekt als Garant steht, unterstützt die Platzierung mit einem Total Return Swap über 53,7 Millionen Euro, den die Araber mit der HSBC abgeschlossen haben. In dieser Höhe zeichnet die britische Bank laut Air Berlin neue Wandelanleihen.

Durch den Total Return Swap trägt allerdings Etihad weiterhin mindestens einen Teil des ökonomischen Risiko des Investments – je nach genauer Ausgestaltung des Swaps. Die Araber entgehen aber der Gefahr, im Falle einer Wandlung in Aktien ihren Anteil an Air Berlin weiter ausbauen zu müssen – was dazu führen könnte, dass Air Berlin seine Einstufung als deutsche Airline und damit verbundene Start- und Landerechte verlöre.

Die Unterstützung der Araber ist ein wichtiges Signal an den Markt: Nachdem bekannt wurde, dass Etihad-CEO James Hogan – der die regelmäßigen Finanzspritzen an Air Berlin maßgeblich vorangetrieben hatte – in der zweiten Jahreshälfte gehen muss, waren Zweifel hochgekocht: Wird Etihad am Konzept der Airline-Partnerschaften mit Alitalia, Air Berlin & Co. festhalten? Der Abschluss des neuen Finanzinstruments zeigt, dass Etihad willens ist, für Air Berlin weiter ins Risiko zu gehen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Schwer angeschlagen und am Tropf von Großaktionär Etihad: Alles Wichtige zur Finanzlage von Deutschlands zweitgrößter Airline finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Air Berlin.