Alno

29.07.16
Finanzierungen

Alno holt strategischen Investor an Bord

Der angeschlagene Küchenbauer Alno sichert sich ein neues Darlehen über 20 Millionen Euro. Hinter dem Kreditgeber Tahoe Investors verbirgt sich wohl der im Möbeldesign tätige Konzern Prevent.

Alno beschafft sich frische Mittel: Der angeschlagene Küchenbauer hat einen Darlehensvertrag über 20 Millionen Euro unterzeichnet. Das Geld solle innerhalb der kommenden zwei Wochen auf das Konto des Unternehmens fließen, teilte Alno mit.

Das frische Geld kommt von der bis dato noch unbekannten Beteiligungsgesellschaft Tahoe Investors. Es gibt aber Hinweise, dass sich hinter Tahoe ein strategischer Investor verbirgt – der Mischkonzern Prevent, der unter anderem im Bereich Möbeldesign tätig ist: Laut Handelsregistereintrag hat Tahoe im Mai diesen Jahres seinen Unternehmenssitz von Berlin nach Wolfsburg verlegt und ist nun am Sitz von Prevent niedergelassen. Als Geschäftsführer wird der Prevent-Manager Kenan Hastor geführt.

Nach Angaben von Alno will sich der Investor langfristig bei dem Küchenbauer engagieren. Die jetzt zugesagte Finanzspritze scheint auch nur der erste Schritt zu sein: Alno  hat auch gleich einen weiteren Darlehensvertrag mit Tahoe über 15 Millionen Euro abgeschlossen. Dieser steht allerdings noch unter nicht näher definierten „aufschiebenden Bedingungen“, das Geld soll Mitte Dezember fließen.

Alno-CFO Ipek Demirtas polstert Liquidität auf

Wie FINANCE erfuhr, läuft das Darlehen über 18 Monate und wird mit 3 Prozent verzinst – ein angesichts der prekären Lage des Küchenbauers durchaus attraktiver Zinssatz für Finanzchefin Ipek Demirtas. Das chronisch defizitäre Unternehmen, das im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 521,5 Millionen Euro erwirtschaftete, leidet unter einer erheblichen Schuldenlast, das Eigenkapital ist mit minus 30 Millionen Euro deutlich negativ. Die Ratingagentur Scope schätzt die Bonität von Alno dementsprechend mit CCC tief im spekulativen Bereich ein.

Mit den neuen Mitteln will Alno nach eigenen Angaben die Internationalisierungsstrategie vorantreiben sowie Marktanteile im Heimatmarkt ausbauen. Das frische Geld soll allerdings nicht nur in das operative Geschäft fließen. Auch Lieferverbindlichkeiten werden aus den Mittel der Darlehen gedeckt, erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber FINANCE. Das nährt den Verdacht, dass Alno mit dem Darlehen kurzfristig Finanzlöcher stopft, um das derzeit recht hohe Wachstumstempo aufrechterhalten zu können: Die liquiden Mittel des Unternehmens betrugen zuletzt nur 4,8 Millionen Euro.

Das ist gerade einmal genug, um den Kupon für die 45 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe zu bedienen. Bei einem Kupon von 8,5 Prozent fallen dafür jährlich 3,825 Millionen Euro Zinsen an, allerdings ist der nächste Kupontermin erst im Mai kommenden Jahres. Ein Jahr später, im Mai 2018, wird die 2013 emittierte Mittelstandsanleihe dann fällig. Das Papier reagierte heute morgen leicht positiv auf die Nachricht, dass frisches Geld ins Unternehmen fließt: Der Anleihekurs steht aktuell knapp unter 70 Prozent.

Alno braucht dringend frisches Eigenkapital

In die Nähe seines Nennwerts dürfte das Papier aber erst dann zurückkehren, wenn ein neuer Eigenkapitalgeber an Bord kommt. Das ist auch ein wichtiges Ziel von Finanzchefin Demirtas. Alno macht auch in der heutigen Mitteilung keinen Hehl daraus,  dass weitere Kapitalmaßnahmen folgen sollen, „die langfristig zu einer deutlichen Reduzierung der Nettoverschuldung und signifikanten Verbesserung der Eigenkapitalsituation führen sollen.“

Der angeschlagene Küchenbauer hat sich bereits in der Vergangenheit immer wieder mit Kapitalspritzen über Wasser gehalten: Erst vor knapp anderthalb Jahren stieg die chinesischen Nature Home Holding bei Alno ein. Dem Unternehmen flossen damals im Zuge einer Kapitalerhöhung 6 Millionen Euro zu. Auch Großaktionär Whirlpool half dem Küchenhersteller mehrmals mit Kapitalspritzen oder der Verlängerung von Zahlungszielen aus. Stand Januar hält der US-Konzern hält gut 14 Prozent an Alno, die Chinesen 9 Prozent.

Alno verbessert sich im operativen Geschäft

Aus dem operativen Geschäft heraus konnte Alno das Eigenkapital zuletzt nicht aufbessern – im Gegenteil: Unter dem Strich erzielt der Küchenbauer seit Jahren ein Minus. Es gibt allerdings auch einen Lichtblick: Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hatte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr massiv verbessert, lag mit minus 0,4 Millionen Euro aber immer noch leicht im negativen Bereich.

Im laufenden Geschäftsjahr soll dort eine positive Zahl stehen, verspricht das Unternehmen. Um das zu untermauern, hat der Küchenbauer heute auch einen ersten Einblick in die Zahlen für das erste Halbjahr 2016 gegeben: Demnach ist der Umsatz um 14,8 Prozent gegenüber Vorjahr geklettert. Die Aussagekraft  dieser Zahl ist allerdings unklar. Absolute Zahlen nannte das Unternehmen nicht, und aufgrund von Sondereffekten kann man die Werte nur schwer vergleichen. Nähere Informationen, ob Alno mit dem Turnaround vorankommt, wird man erst am 22. August erfahren, wenn Alno die Halbjahreszahlen vorlegt.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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