Der Versandhändler nutzt das Niedrigzinsumfeld bei der Finanzierung für sich und steigt in den Markt für kurzlaufende Wertpapiere ein.

Otto Group

22.07.16
Finanzierungen

CFOs nutzen Strafzinsen als Finanzierungschance

Im kurzfristigen Bereich Gelder über 0 Prozent anzulegen, ist Institutionellen kaum noch möglich. Immer mehr CFOs nutzen dies aus, um ihren Unternehmen Finanzierungsvorteile zu sichern. Neuestes Beispiel: der Versandhändler Otto.

Das Niedrigzinsumfeld weitet sich aus, kaum noch eine Bank gibt den negativen Einlagenzins der EZB nicht an ihre Kunden weiter. Vor allem in den vergangenen Wochen zogen zahlreiche Banken ihre Preisschrauben an, wie FINANCE aus dem Markt erfahren hat. Findige CFOs nutzen dies jetzt, um ihren Unternehmen attraktive Kurzfristfinanzierungen zu sichern. Beispiel Otto: Der Handelskonzern hat gestern eine Anleihe mit einer Laufzeit von lediglich drei Monaten platziert. Zinssatz: 0,14 Prozent. Erklärte Zielgruppe von Finanzchefin Petra Scharner-Wolff: Institutionelle, die ihr Geld parken wollen, ohne dabei drauf zu zahlen.
 
Bislang wird der Markt für solche kurzfristigen Wertpapieremissionen – meist handelt es sich dabei um Commercial Papers, die im Rahmen eines speziellen Programms emittiert werden – von Großkonzernen mit starken Ratings dominiert. Er gilt als Segment für Investmentgrade-Emittenten. Doch die Emission der ungerateten Otto Group macht deutlich, dass die Strafzinsen diesen Markt deutlich breiter machen. Der Anlagedruck der Investoren ist so groß, dass davon auszugehen ist, dass künftig deutlich mehr Unternehmen diesen Markt für sich nutzen werden.

Otto Group denkt über Commercial-Paper-Programm nach

Auch für die nicht börsennotierte Otto Group könnte das neue Papier nur der erste Schritt gewesen sein. Das Familienunternehmen denkt darüber nach, zum Stammgast am Commercial-Paper-Markt zu werden und dafür ein eigenes Emissionsprogramm aufzulegen.
 
Weitere Details über den aktuellen Bond der Otto Group und die Pläne des Familienunternehmens lesen Sie hier in dem Bericht der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de