Ekosem Agrar

17.03.16
Finanzierungen

Ekosem Agrar darf Mittelstandsanleihe verlängern

Aufatmen bei Ekosem: Das Agrarunternehmen muss seine Mittelstandsanleihe im kommenden Jahr nicht zurückzahlen. Die Gläubiger stimmten der Laufzeitverlängerung bis 2021 zu. Die Inhaber des zweiten Bonds ziehen heute nach.

Ekosem-Agrar-CFO Wolfgang Bläsi kann aufatmen: Die Gläubiger der 50 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe haben mit großer Mehrheit der vom Unternehmen angefragten Laufzeitverlängerung des Papiers zugestimmt. Bei der entscheidenden zweiten Gläubigerversammlung nahe Walldorf votierten gestern am späten Nachmittag 92 Prozent der Anwesenden, die knapp 29 Prozent des Stimmberechtigten vertraten, für den zeitlich gestreckten neuen Tilgungsplan des deutsch-russische Agrarunternehmens.

Ekosem muss die 2012 emittierte Anleihe nun erst im März 2021 zurückzahlen und nicht wie ursprünglich vorgesehen im kommenden Frühjahr. An der Verzinsung ändert sich nichts: Mit 8,75 Prozent muss der Agrarkonzern weiterhin einen hohen Kupon berappen. Das ist aber noch deutlich weniger als lokale Bankfinanzierungen in Russland derzeit kosten.

Laufzeit der zweiten Anleihe soll bis 2022 verlängert werden

Heute musste Ekosem aber noch eine Hürde nehmen: Auch die zweite Mittelstandsanleihe, die ein Volumen von 78 Millionen Euro umfasst und im Dezember 2018 fällig wird, will das Unternehmen um vier Jahre verlängern. „Wir hoffen, dass die hohe Zustimmung auch ein positives Signal für die Anleihegläubiger der zweiten Anleihe darstellt“, sagt Ekosem-Hauptgesellschafter und CEO Stefan Dürr. Sein Wunsch sollte erfüllt werden: Am Nachmittag akzeptierten die Gläubiger ebenfalls mit großer Mehrheit die Laufzeitverlängerung bis 2022.

Sein Finanzchef Bläsi hält die Laufzeitverlängerung der beiden Mittelstandsanleihen für nötig, um das derzeit laufende Investitionsprogramm von Ekosem abzuschließen. Ekosem hatte die Bonderlöse in den vergangenen Jahren in Milchviehanlagen investiert. Da diese allerdings noch nicht voll ausgelastet sind, ist eine Rückzahlung der Anleihen aus dem Cashflow derzeit nicht möglich. Die Rubelschwäche sowie der niedrige Milchpreis machen dem deutsch-russischen Unternehmen zusätzlich zu schaffen – die Erlöse fallen in Rubel an, die Anleiheverbindlichkeiten denominieren in Euro.

Russland-Sanktionen erschweren Refinanzierung der Bonds

Eine Refinanzierung der auslaufenden Mittelstandsanleihen wird wiederum laut Bläsi durch die Russland-Sanktionen erschwert: Man habe leider festgestellt, dass derzeit alle Refinanzierungen mit Russlandbezug am internationalen Kapitalmarkt schwierig sind, so Bläsi im Januar. Vor diesem Hintergrund schien dem Management die Laufzeitverlängerung der Anleihen als die beste Variante.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC stufte den von Ekosem den Gläubigern präsentierten Businessplan als realistisch ab. Demnach soll bis 2021 dank rückläufiger Investitionen und steigender Gewinne nun wirklich genügend Kapital angespart werden können, um die beiden Anleihen dann zu Beginn des nächsten Jahrzehnts zurückführen zu können. Die Ratingagentur Creditreform wertet die Laufzeitverlängerung dagegen als temporären Ausfall, weshalb sie die Bonität von Ekosem auf CCC heruntergestuft hat.

Ekosem-CFO Wolfgang Bläsi gelingt Deal ohne Zugeständnisse

Für Bläsi ist die gelungene Laufzeitverlängerung auch ein persönlicher Triumph, denn anders als andere CFOs von in Bedrängnis geratenen Mini-Bond-Emittenten hat es Bläsi geschafft, Begehrlichkeiten seitens der Bondholder abzuwehren. Für die Laufzeitverlängerung muss Ekosem den Anleihegläubigern keine Entschädigung zahlen – weder in Form zusätzlicher Sicherheiten noch durch steigende Kupons.

Schützenhilfe leisteten die Anfang März vorgelegten vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2015: Die Umsatzerlöse liegen mit 100 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Währungsbereinigt wären sie allerdings gegenüber 2014 um 30 Prozent gestiegen, auch weil die Milchproduktion deutlich zulegte. Das zeigt einerseits, wie stark die Rubelschwäche das Geschäft trifft, aber auch, dass Ekosem operativ auf einem ordentlichen Weg zu sein scheint. Die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit 35 bis 40 Prozent leicht unter dem Vorjahr (41 Prozent).

Der Bondkurs der jetzt verlängerten Anleihe klettert heute auf 76 Prozent des Nennwerts. Als sich Anfang des Jahres abgezeichnet hatte, dass Ekosem die Anleihe wohl nicht pünktlich zurückzahlen kann, war der Kurs zwischenzeitlich bis auf unter 60 Prozent abgesackt.

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