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21.06.16
Finanzierungen

Ferratum verpatzt Mini-Bond-Emission

Das Fintech Ferratum hat mit seiner Anleiheemission 25 Millionen Euro eingespielt – nur halb so viel wie erhofft. Die Zweifel der Investoren sind offenbar groß.

Fintech-Gründer stehen meist gerne in der Öffentlichkeit. Was über Ferratum jüngst geschrieben wurde, hatte mit der jubelnden Berichterstattung, die das Segment bisweilen begleitet, aber wenig zu tun. Im Gegenteil: „Dubiose Finnen-Bank verführt deutsche Sparer“, titelte Focus Online Ende vergangener Woche.

Diese Negativberichterstattung könnte dazu beigetragen haben, dass die Ausgabe der zweiten Mittelstandsanleihe für Ferratum enttäuschend verlaufen ist: Nur 25 Millionen Euro hat das SDax-Unternehmen für die drei Jahre laufende Anleihe eingespielt. Ursprünglich geplant waren bis zu 50 Millionen Euro.

Da half der Zinssatz von 4,9 Prozent nicht. Ebensowenig die Tatsache, dass Ferratum seinen Umsatz von 2013 bis 2015 auf 111 Millionen Euro mehr als verdoppeln und dabei gleichzeitig den Gewinn vor Zinsen und Steuern auf 16,5 Millionen Euro steigern konnte.

Ferratum beklagt das Kapitalmarktumfeld

CEO Jorma Jokela erklärte, angesichts des „herausfordernden Kapitalmarktumfelds“ mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Tatsächlich wehte Ferratum am Markt der Gegenwind gleich doppelt ins Gesicht: Zum einen lastet die Krise bei dem großen Mini-Bond-Emittenten KTG Agrar auf dem Marktsentiment für Mittelstandsanleihen, zum anderen halten sich Investoren unmittelbar vor der Abstimmung über den Brexit mit Neu-Engagements zurück.

Gleichwohl war zumindest der zweite Punkt schon bekannt, als Ferratum die Emission anstieß. Und mit Schalke 04 schaffte es erst vor wenigen Tagen ein anderer Emittent mit großem Erfolg, eine neue Anleihe zu platzieren. Das lenkt den Blick auf hausgemachte Gründe für die enttäuschende Emission. Focus Online hatte dem Unternehmen einen negativen Cashflow, fehlende Transparenz und eine schwache Einlagensicherheit vorgeworfen. Letztere leitet das Wirtschaftsportal daraus ab, dass die Finnen ihr Geschäft in Malta betreiben, also die dortige Regierung statt Berlin für die Sicherheit des Spargeldes geradesteht. 

Hohe Risiken im Kreditbuch von Ferratum

Ferratum-Finanzchef Clemens Krause wies alle Punkte öffentlich zurück. Doch manche Kennzahlen von Ferratum sind in der Tat diskussionswürdig. Zwar sinkt der Anteil der Kredite, die von Kunden nicht pünktlich bedient werden - allerdings sind es immer noch rund 44 Prozent.

Zwar lässt sich das auch auf das Geschäftsmodell zurückführen – Ferratum vergibt über Mobiltelefone Kurzfristkredite an meist bonitätsschwache Konsumenten. Dennoch weckt der hohe Anteil von faulen Krediten den Eindruck, dass Ferratum die Ausweitung des Kreditbuchs mit Risiken bezahlt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste das Unternehmen 34,7 Millionen Euro für Wertberichtigungen auf ausgereichte Kredite verbuchen – bei einem Umsatz von 111 Millionen Euro.

Ferratum braucht die Bond-Millionen zum Wachsen

Tatsächlich sind die Finnen für ihren Plan, zu einer der führenden mobilen Banken Europas zu werden, auf Geld vom Kapitalmarkt angewiesen. Der Cashflow des Unternehmens ist zwar positiv, aber die Neukreditvergabe der Finnen übersteigt die Summe aus Cashflow und Kredittilgungen deutlich. Hinzu kommt, dass Ferratum die Einlagen, die das Unternehmen in seiner maltesischen Banktochter ansammelt, nicht in allen europäischen Ländern zur Kreditvergabe heranziehen darf. Entsprechend hoch ist der Kapitalbedarf.

Im Februar 2015 ging Ferratum für 17 Euro pro Aktie an die Frankfurter Börse und sammelte dabei 46,2 Millionen Euro ein. Im Oktober 2013 hatte das Unternehmen schon am Bondmarkt debütiert und eine Anleihe über 25 Millionen Euro begeben, die mit 8 Prozent verzinst wird und 2018 fällig wird. Während die Anleihe sich gut entwickelt hat und bei 106 Prozent notiert, entwickelt sich die Aktie schwach. Nach einem kurzen Höhenflug Anfang des Jahres hat der Aktienkurs zuletzt deutlich nachgegeben und vor wenigen Tagen die 20-Euro-Marke nach unten durchbrochen.

CFO Clemens Krause betonte gegenüber FINANCE, Ferratum habe genug Kapital, um sein Wachstum fortzusetzen: „Die Turbulenzen um den etwaigen Brexit haben unsere Anleiheemission erschwert, aber wir verzeichnen zugleich sehr zufriedenstellende Zuflüsse bei den Einlagen, die das verminderte Anleihevolumen mehr als ausgleichen. Wir werden jetzt bevorzugt mit unserer Banklizenz weitere Europäische Länder erschließen, die wir mit Einlagen refinanzieren können. Damit ist auch der absehbare Kapitalbedarf des nächsten Jahres abzudecken.“

florian.bamberg[at]finance-magazin.de