Das Berliner Wohnungsbauunternehmen Gewobag schließt sich dem Schuldschein-Boom an und sammelt 147 Millionen Euro ein.

Sabine Dobre/gewobag

12.12.16
Finanzierungen

Finanzierungen: Gewobag, BMW, Karlie

Gewobag platziert einen besonders lang laufenden Schuldschein, BMW sichert die Finanzierung eines Werks in Mexiko und Karlie stellt als nächster Mini-Bond-Emittent einen Insolvenzantrag – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Deutsche Investorenkonferenz 2017

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Ankündigung zur 14. Deutschen Investorenkonferenz

Gewobag platziert Schuldschein über 147 Millionen Euro

Das Berliner Immobilienunternehmen Gewobag hat einen Schuldschein in Höhe von 147 Millionen Euro ohne Financial Convenants begeben. Das Papier gliedert sich in unterschiedliche Tranchen mit Laufzeiten von zehn, 15, 20 und 30 Jahren. Dabei wurden 37 Prozent des Volumens über die Tranche mit der längsten Dauer platziert. Laut der BayernLB, die den Schuldschein arrangierte, ist es das längste jemals für einen deutschen Emittenten platzierte Schuldscheindarlehen.

Mit den neuen Mitteln will das Unternehmen Investitionen und allgemeine Unternehmenszwecke finanzieren. Der Schuldschein wurde zweifach überzeichnet. 32 Investoren beteiligten sich an der Transaktion, die ursprünglich auf 75 Millionen Euro angesetzt war. Beraten wurde Gewobag bei der Schuldschein-Platzierung von Lincap als exklusivem Debt Advisor.

BMW sichert sich Finanzierung für neues Werk

Der Autohersteller BMW finanziert sein geplantes neues Werk im mexikanischen San Luis Potosí mit einem syndizierten Darlehen der KfW IPEX-Bank, der DZ Bank und der BayernLB. Die drei Bankhäuser stellen den Kredit zu gleichgroßen Teilen zur Verfügung, die Laufzeit beträgt 10 Jahre.

Das Volumen der Finanzierung ist nicht bekannt.  Die Gesamtinvestition für das Werk  liegt bei rund 1 Milliarde Euro. Das Werk soll bis 2019 gebaut sein. Das Darlehen wurde von der KfW arrangiert, die aufgrund der geplanten hohen Energieeinsparung in dem neuen Werk hierfür Gelder aus ihrem Energieeffizienzprogramm einsetzen kann.

Mini-Bond-Emittent Karlie ist insolvent

Die nächste Pleite am Mini-Bond-Markt ist offiziell. Einen Monat nachdem die belgische Tochter Insolvenz angemeldet hat, zieht nun auch die Hauptgesellschaft Karlie nach. Das Unternehmen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Unternehmen liegt in den Händen von Private-Equity-Investor Perusa, für den die Insolvenz nicht nur finanzielle Verluste bedeuten dürfte.

KKR sammelt 711 Millionen Dollar für Tech-Fonds ein

Der Finanzinvestor KKR hat für seinen ersten eigenen Tech-Fonds 711 Millionen Dollar eingesammelt. Das entspricht rund 660 Millionen Euro. Mit dem Geld will der Investor vor allem in Wachstumsunternehmen aus den Sektoren Technologie, Medien und Telekommunikation investieren. Etwa die Hälfte der Mittel sollen nach Nordamerika fließen, die andere in Firmen aus Europa und Israel.

In vier Unternehmen hat der Fonds bereits investiert. Dazu gehört auch das deutsche Freizeitportal Get Your Guide. Eine Wachstumsinvestition über 50 Millionen Dollar in das Unternehmen hat der Finanzinvestor angeführt.

Weitere Finanzierungen

Jack Wolfskin könnte zum Jahresende seine Kreditklauseln brechen. Das Unternehmen leidet unter schwachen Geschäften und einer hohen Verschuldung. Im kommenden Jahr sollen die Verhandlungen mit den Banken beginnen. Dem Private-Equity-Investor Blackstone droht dabei im schlimmsten Fall der Verlust der Beteiligung.

Die geplante Kapitalerhöhung von Braas Monier wurde vorerst durch eine einstweilige Verfügung gestoppt. Dies entschied das Gericht in Luxemburg auf Antrag der Marsella Holdings, eine Tochtergesellschaft des US-Konzerns Standard Industries, der die Aktien von Braas Monier übernehmen will. Mit der geplanten Kapitalerhöhung durch die Ausgabe von fast 4 Millionen neuen Aktien wollte sich der Baustoffhersteller gegen die Übernahme zur Wehr setzen und auf dem Weg den Übernahmepreis nach oben treiben.

Das Energieunternehmen Uniper wird zum 19. Dezember in den MDax aufgenommen. In dem Index sind die 50 größten und umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland nach den DAX-Unternehmen gelistet. Die Aufnahme des E.on-Spinoffs erfolgte nach der Fast-Entry-Regel.

Medios hat seine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien abgeschlossen. Die mehr als eine Million neuen Aktien werden voraussichtlich ab dem 9. Dezember an der Börse gehandelt und sind Teil einer zweistufigen Kapitalerhöhung, die zusammen mit einer Ausgabe neuer Aktien im November nun über 2,7 Millionen neuer Anteile auf den Markt gebracht hat. Der Streubesitz der Aktiengesellschaft beläuft sich nun auf etwa 28 Prozent. Die zweiteilige Kapitalerhöhung brachte dem Unternehmen einen Bruttoemissionserlös von etwa 19,3 Millionen Euro. Damit soll die geplante Wachstumsstrategie finanziert werden. Medios wurde dabei von der Kanzlei Morrison & Foerster unter der Federführung von Dirk Besse beraten.

Das Familienunternehmen Expotechnik International, ein Dienstleister für die Markendarstellung auf Messen und anderen Events, hat seine Finanzierungsstruktur mit einem Schuldscheindarlehen neu organisiert. Die Platzierung erfolgte durch die equinet Bank und richtet sich an deutsche und ausländische institutionelle Investoren aus dem Geschäftsbanken- sowie Landesbankenbereich. Außerdem erhält Expotechnik zusätzliche Betriebsmittellinien, die von equinet vermittelt wurden. Das Gesamtvolumen der  neuen Finanzierungsstruktur liegt bei mehr als 20 Millionen Euro.

Die Online-Umzugsplattform Movinga konnte sich in einer Series C Finanzierungsrunde 17 Millionen Euro Kapital beschaffen. Zu den Investoren gehören die schon früher beteiligten Global Founders Capital, Earlybird Venture Capital und STS Ventures. Daneben haben sich auch Carlo Kölzer, Gründer der Plattform 360t, und Gert Purkert, Gründer und Geschäftsführer von Aurelius, als Kapitalgeber beteiligt. Außerdem gehört Jan Kemper, designierter CFO von ProSiebenSat.1, zu den Geldgebern. Das Geld soll bei der deutschen Online-Plattform für Umzüge in die Kernmärkte Deutschland und Frankreich investiert werden.

Die Beteiligungsgesellschaft Auden, die auf schnell wachsende Digitalunternehmen fokussiert ist, hat im Rahmen einer Kapitalerhöhung 2,23 Millionen neue Aktien für 7 Euro je Aktie bei institutionellen Investoren platziert. Insgesamt hat die Gesellschaft in den vergangenen zwölf Monaten nach eigenen Angaben fast 21 Millionen Euro von Investoren eingesammelt.

Die Venture-Capital-Gesellschaft Bayern Kapital konnte bislang insgesamt 127 Millionen Euro Wachstumskapital von Investoren einsammeln. Die Venture-Capital-Gesellschaft ist vom Freistaat Bayern mit der Verwaltung des Wachstumsfonds Bayern beauftragt, der durch das Land mit 100 Millionen Euro ausgestattet wurde. Aus diesem Wachstumsfonds wurden bislang etwa 18 Millionen Euro in junge Unternehmen aus Bayern investiert. Dazu gehören unter anderen der Entwickler für Fitnessgeräte eGym, das biopharmazeutische Unternehmen vasopharm und numares, Entwickler und Vermarkter integrierter Testsysteme für die Humandiagnostik.

Die ProCredit Holding plant eine Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Bankengruppe ist auf kleine und mittlere Unternehmen mit einen Schwerpunkt in Südost- und Osteuropa fokussiert und hat ihren Sitz in Frankfurt. Die Die Notierung soll in den kommenden Monaten im Prime Standard erfolgen.

Ratingmeldungen

Der Handelskonzern Metro wird durch die Ratingagentur Fitch weiterhin mit BBB- bewertet. Der Ausblick ist negativ. Der Konzern befinde sich noch mitten im Turnaround. Zukünftig wird Fitch den MDax-Konzern aus „kommerziellen Gründen“ allerdings nicht mehr beobachten. Öffentliche Ratings wird es zu Metro deshalb nicht mehr geben.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Unternehmensfinanzierung.