Scope senkt MS-Deutschland-Bondrating um vier Notches

Finance

03.09.13
Finanzierungen

Fragwürdiges Rating: Scope wertet MS Deutschland um vier Notches ab

Neun Monate nach der Emission hat Scope das Rating der Mittelstandsanleihe von MS Deutschland gleich um vier Notches abgewertet – von A auf BBB-. Zudem steht das Rating unter Beobachtung für eine weitere mögliche Abstufung. Wer am optimistischen Emissionsrating gezweifelt hatte, darf sich bestätigt fühlen.

 

Rund sechs Wochen nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am 17. Juli hat die Ratingagentur Scope das Rating der Mittelstandsanleihe der MS Deutschland gleich um vier Notches gesenkt. Die im Dezember 2012 platzierte Anleihe der MS Deutschland, einem Unternehmen des PE-Investors Aurelius, ist auf Kurse unter 82 gefallen, zumal der Ausblick weiter negativ ist und sich Scope weitere Abstufungen vorbehält.

Als Grund führt Scope die schlechten Halbjahreszahlen und die Erwartung schlechter prognostizierter Gesamtzahlen für das Gesamtjahr 2013 an. Statt wie geplant 54 bis 57 Millionen Euro will MS Deutschland nur noch einen Umsatz von 52 bis 54 Millionen Euro erzielen. Das EBITDA soll mit 1 bis 2 Millionen Euro deutlich geringer ausfallen als die zunächst veranschlagten 5 bis 7,5 Millionen Euro. Weitere Zahlen, Erkenntnisse und Gespräche lagen Scope damit bis dato nicht vor. Das nächste Wertgutachten für das Schiff, das als Besicherung der Anleihe dient, muss bis zum Jahresende vorliegen, wie FINANCE erfuhr. Davon könnte weiterer Druck auf das Papier ausgehen. Bislang ist das Schiff in einem Gutachten von Oktober 2012 mit 100 Millionen US-Dollar bewertet (zum Bewertungszeitpunkt ca. 76,5 Millionen Euro).

Fragwürdiges Mittelstandsanleihe-Rating

Damit bekommen die Skeptiker, die sich schon zur Emission kritisch über den Emittenten geäußert hatten, früher recht als erwartet. Unangenehme Fragen muss sich auch die Ratingagentur Scope stellen lassen, deren  Emissionsrating ebenfalls viele Marktexperten erstaunt hatte: Scope hatte die Mittelstandsanleihe im Ratingbericht vom 28. November 2012 mit „A“ bewertet, obwohl sie die Bonität der Bilanz und des Geschäftsmodells, also das quantitative Rating, nur mit CCC+ ( Issuer Rating Notification) eingeschätzt hatte.

Üblicherweise liegt die Bandbreite des Korrekturkorridors nach dem Fundamentalrating im Anschluss an die von den Ratingagenturen geführten qualitativen Gespräche mit dem Management bei zwei Notches. Scope hingegen zog dieses gleich um 11 Stufen hoch auf A und begründete dies mit der hervorragenden Besicherung der Anleihe durch das Schiff MS Deutschland. Zudem sind die beiden ersten Kuponzahlungen Ende 2013 und Ende 2014 durch eine vom PE-Investor Aurelius bereitgestellte Kreditlinie abgesichert.

Zudem sah Scope auf der Habenseite des Unternehmens die erwartete stabile Marktentwicklung, die hohe Markenbekanntheit sowie die Nischenpositionierung. Als Risiko bewertete Scope aber bereits Ende 2012 bereits die enge Finanzlage des Konzerns, einen schwachen Zinsdeckungsgrad  und die mögliche Wertanfälligkeit der Anleihebesicherung. Mit anderen Worten: Bei schlechter Geschäftsentwicklung stünden sowohl die späteren Kuponzahlungen als auch der Wertansatz der Sicherheit infrage.

Abstufung als Anpassung an die Realität

Die aktuellen Zahlen des Unternehmens bestätigen diese Zweifel: Das für dieses Jahr nur noch geplante EBITDA von 1 bis 2 Millionen Euro reicht bei weitem nicht für die Zinszahlung in Höhe von 3,4 Millionen Euro – von notwendigen Modernisierungs- und Instandhaltungsinvestitionen in das Kreuzfahrtschiff ganz zu schweigen. Die von Aurelius gegebene Zusage zur Finanzierung der ersten beiden Kuponzahlungen sieht Scope nun nicht mehr als Sicherheit für die Anleger, sondern als eine zusätzliche Verschuldungsbelastung für den Emittenten. Kurz- und mittelfristig könnte es folgerichtig zu Liquiditätsengpässen kommen, argumentiert Scope.

MS Deutschland hingegen verweist gegenüber FINANCE auf eine „im Wesentlichen“ unveränderte Fundamentalsituation. Von der Hand zu weisen ist nicht das – schon Ende war die Situation nicht günstig. Fragwürdig ist nicht, warum Scope die Emission jetzt abstuft, sondern warum die Agentur die Mittelstandsanleihe je mit A bewerten konnte.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de