Seltene gute Nachrichten aus dem Hause Steinhoff: Bei der Restrukturierung kann das Unternehmen vorerst weiter auf Unterstützung der Gläubiger zählen.

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07.06.18
Finanzierungen

Gläubiger kommen Steinhoff entgegen

Steinhoff ist bei den Gesprächen mit seinen Gläubigern einen Schritt vorangekommen: Die Mehrheit sicherte dem Möbelkonzern vorerst weitere Unterstützung zu. Sie steht aber auf wackeligen Beinen.

Im Kampf um sein Überleben hat der Möbelkonzern Steinhoff sich etwas Luft verschafft: Wichtige Gläubiger sicherten dem Konzern weiter ihre Unterstützung zu. Das hat das Unternehmen, das seit Dezember in einen Bilanzskandal verwickelt ist, am gestrigen Mittwoch Abend bekannt gegeben.

Im Fokus stehen die Steinhoff Europe AG und die Steinhoff Finance Holding, über die sich weite Teile des Europa-Geschäfts finanzieren. Eine Lösung für die beiden hochverschuldeten Holding-Gesellschaften zu finden, die selbst kaum operatives Geschäft haben, ist Voraussetzung für die Umsetzung eines Restrukturierungsplans.

Knappe Gläubiger-Mehrheit für Steinhoff

Eine knappe Mehrheit der Gläubiger hat den Unternehmen nun Unterstützung zugesagt: 61 Prozent der Gläubiger der Steinhoff Europe AG unterzeichneten die sogenannten „Support Letters“, ebenso wie auch nicht näher genannte Gläubiger, die die Mehrheit aller ausstehenden Wandelanleihen der Steinhoff Finance Holding repräsentieren, teilte das Unternehmen mit.

Auf die einzelnen Bonds heruntergebrochen liegt die Mehrheit allerdings nur für die 1,1 Milliarden Euro umfassende Wandelanleihe mit Laufzeit bis 2022 vor, für die Convertibles mit Laufzeiten bis 2021 (465 Millionen Euro) und 2023 (1,1 Milliarden Euro) soll sie „schnellstmöglich“ erreicht werden.

Gläubiger stellen Forderungen nachrangig

Die Gläubiger haben zugesagt, den beiden Finanzierungsholdings weitere Unterstützung bis Ende Juni zu gewähren. Währenddessen soll der Restrukturierungsplan weiter vorangetrieben werden. Zu den Unterstützungsmaßnahmen zählen Stillhalteabkommen, zudem wird keiner der Gläubiger auf eine Insolvenz drängen oder diese selbst einleiten.

Die Gläubiger verzichten außerdem darauf, Zahlungen fällig zu stellen. Sollte es trotz der Unterstützung zur Insolvenz kommen, würden die Gläubiger zudem Forderungen von insgesamt bis zu 154 Millionen Euro nachrangig stellen. Im Gegenzug dürften die Steinhoff Europe AG und die Steinhoff Finance Holding ohne Zustimmung der Gläubiger nun keine weiteren Schulden aufnehmen oder Sicherheiten abgeben.

Der Erfolg ist allerdings nicht garantiert. Springen nur einige der Gläubiger ab, könnte die Mehrheit schnell kippen. Zudem lassen sich die Gläubiger ihr Entgegenkommen bezahlen: Sie bekommen je nach Höhe ihrer finanziellen Ansprüche im Fall einer erfolgreichen Restrukturierung eine Gebühr.

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Steinhoff schließt Insolvenz nach wie vor nicht aus

Auch wenn die Zusicherung der Gläubiger Steinhoff etwas Luft verschafft, ist die Lage nach wie vor angespannt. Es sei nicht sicher, ob sich alle Beteiligten auf einen Restrukturierungsplan verständigen könnten, räumt das Unternehmen ein. Auch Zweifel am Fortbestand des Unternehmens (Going Concern) könnten noch vor Ende Juni zu einer Insolvenz führen.

Am Kapitalmarkt sorgte die Nachricht nur vorübergehend für Erleichterung: Die Steinhoff-Aktie, die seit dem Bekanntwerden der Bilanzunregelmäßigkeiten auf Pennystock-Niveau abgestürzt ist, stieg am heutigen Donnerstagvormittag zunächst von 8 auf 13 Cent, verlor dann aber wieder und pendelte am späten Vormittag um Werte von 9 Cent.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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