Hudsons Bay Company, Eigner der Warenhauskette Galeria Kaufhof, soll finanzielle Probleme haben. Die LBBW hat nun offenbar ein Ultimatum gestellt.

Galeria Kaufhof

27.08.18
Finanzierungen

Konsortium hat bei Kaufhof-Mutter 1,3 Milliarden im Feuer

LBBW, Helaba, HSH und die Ergo Versicherung bangen bei der Kaufhof-Mutter HBC um einen milliardenschweren Kredit. Die LBBW stellt jetzt offenbar ein Ultimatum.

Die LBBW, zwei weitere Geldhäuser und eine Versicherung müssen offenbar um einen milliardenschweren Kredit bangen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hängt die angebahnte Fusion zwischen den Warenhausketten Karstadt und Galeria Kaufhof an dem Darlehen.
 
Die SZ bezieht sich auf einen Brief der LBBW an den Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company (HBC) vom 31. Juli. Die Landesbank habe den Kanadiern verklausuliert ein Ultimatum zum 30. September gestellt. Bis dahin müsse die HBC die vor drei Jahren vereinbarten Kreditbedingungen erfüllt haben. Seinerzeit hatte HBC Kaufhof übernommen. Die LBBW wollte den SZ-Bericht auf FINANCE-Nachfrage nicht kommentieren. 

René Benko will Kaufhof und Karstadt fusionieren

Die LBBW gewährte den Kanadiern damals gemeinsam mit der Helaba, der HSH Nordbank sowie der Ergo Versicherung einen Kredit in Höhe von 1,34 Milliarden Euro, um den Kauf von 41 Kaufhof-Immobilien zu finanzieren. Wenn HBC den Forderungen nun nicht nachkommt, könnte die LBBW diesen Betrag fällig stellen, so die SZ. Da sich HBC in finanziellen Schwierigkeiten befindet, ist es zweifelhaft, ob das Unternehmen den Betrag kurzfristig aufbringen könnte.

Das bringt der SZ zufolge die geplante Fusion des HBC-Investments Galeria Kaufhof mit der Warenhauskette Karstadt, die sich im Besitz des Investors René Benko befindet, ins Wanken. HBC und Benko wollen Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einbringen. Die beiden Häuser verhandeln bereits seit Monaten über eine Fusion – vor wenigen Tagen noch schien es, als stünde der Zusammenschluss kurz bevor.

Wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ nun zudem berichtet, wolle sich das Bundeskartellamt einen möglichen Zusammenschluss ansehen. Man werde sowohl die Stellung der beiden Warenhausketten in regionalen Märkten in der Bundesrepublik als auch ihre Position im Wettbewerb mit Online-Händlern unter die Lupe nehmen, so Kartellamtschef Andreas Mundt.

Das Ultimatum der Kreditgeber erschwert die Pläne nun zusätzlich: Durch die Unsicherheit bezüglich des Kredits ist momentan nicht abschätzbar, wie viele Schulden der Österreicher Benko im Falle einer Kaufhof-Karstadt-Fusion von HBC übernehmen müsste. 

Galeria Kaufhof steckt tief in den roten Zahlen

Das alleine wäre für Benko wohl noch verkraftbar. Heikel ist für die Fusion aber auch das kriselnde Geschäft von Galeria Kaufhof. SZ-Informationen zufolge ist das Warenhaus im Ende Januar abgelaufenen Geschäftsjahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust vor Zinsen und Steuern soll bei 86 Millionen Euro gelegen haben – das sind noch einmal 7 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Die Befürchtung: Galeria Kaufhof könnte zeitnah Insolvenz anmelden. Die Kaufhauskette leidet vor allem unter den von HBC hohen auferlegten Mieten. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage hatten die Kreditversicherer Euler Hermes und Atradius im vergangenen Jahr sogar ihre Kreditlimits für Kaufhof-Zulieferer gekürzt.

Das Geschäft von Kaufhof kriselt nun dem Vernehmen nach weiter. Für Benko hätte eine Insolvenz ernsthafte Konsequenzen: Im Zuge einer Pleite könnte Kaufhof aufgespalten und in einem Bieterverfahren verkauft werden. Für den Österreicher blieben dann weniger Immobilien, die aber als Filetstück eines M&A-Deals gelten. Diese bieten beste Innenstadtlagen in deutschen Metropolen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de