60 Prozent Forderungsverzicht: Die Anleihegläubiger kommen der Mifa weit entgegen.

Mifa

25.08.14
Finanzierungen

Mifa: Einigung mit Fragezeichen

Nach langwierigen Verhandlungen verzichten die Anleihegläubiger des Fahrradherstellers Mifa auf 60 Prozent ihrer Forderungen. Die Banken hingegen nicht, und auch auf neue Erkenntninisse zum Bilanzskandal warten die Anleger noch immer.

Kurz vor dem Auslaufen der kürzlich vereinbarten Zinsstundungsfrist hat der angeschlagene Fahrradhersteller Mifa eine Einigung mit seinen Anleihegläubigern und Aktionären erzielt. Eine Insolvenz des Sangerhausener Traditionsunternehmens scheint abgewendet. Die von dem gemeinsamen Vertreter Frank Günther vertretenen Anleihegläubiger erklärten sich zum Verzicht auf rund 60 Prozent ihrer Forderungen bereit.

Der Nennbetrag von 25 Millionen Euro der 2013 begebenen Mittelstandsanleihe würde mit der für September erwarteten Umsetzung der Maßnahmen auf 10 Millionen Euro sinken. Der Differenzbetrag soll im Rahmen einer Kapitalerhöhung im Zuge eines Debt-to-Equity-Swaps in neue Aktien umgewandelt werden.

Der Forderungs- und Zinsverzicht für die aufgelaufenen Stückzinsen in Höhe von 1,9 Millionen Euro wird im Zuge des Debt-to-Equity-Swaps ebenfalls in Eigenkapital umgewandelt, so dass die Anleihegläubiger zunächst auf eine Beteiligung von 91 Prozent an Mifa kämen.

Hero Cycles investiert mindestens 15 Millionen Euro

Zwar verzichten die kreditgebenden Banken um die Deutsche Bank und die Commerzbank nicht auf eigene Kreditforderungen, jedoch treten sie Sicherheiten im Umfang von 7,5 Millionen Euro ab, mit denen die Mittelstandsanleihe nun nachbesichert werden soll. Das bis 2021 verlängerte Papier wird zukünftig nur noch mit 1 Prozent pro Jahr verzinst.

Der indische Fahrradhersteller Hero Cycles will weiterhin über eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlage mindestens 15 Millionen Euro in Mifa investieren, wodurch die Anleihegläubiger verwässert werden. Allerdings soll ihr Anteil auch nach dem Hero-Einstieg mindestens 10 Prozent betragen. Im Rahmen einer weiteren Kapitalerhöhung können die Anleihegläubiger dann ebenfalls neue Mifa-Aktien zeichnen und ihre Beteiligung auf bis zu 30 Prozent erhöhen.

Die Altaktionäre um Carsten Maschmeyer und Ex-Alleinvorstand Peter Wicht werden durch einen Kapitalschnitt auf 1 Prozent verwässert. Hero Cycles hat sich zudem verpflichtet, die nicht von den Altaktionären und den Anleihegläubigern gezeichneten Aktien zu übernehmen.

Mifa-Restrukturierungsvorstand Stefan Weniger zeigte sich erleichtert über die Einigung: „Die nun vereinbarte Sanierungsstruktur zeigt insbesondere den unbedingten Willen der Verhandlungspartner, eine für alle Seiten tragbare Lösung herbeizuführen, die die Basis für den langfristigen Fortbestand der MIFA bildet.“ Der Kurs der Mittelstandsanleihe reagierte positiv auf die Einigung und legte auf 36 Prozent zu.

Mifa-Krise: Am Anfang stand der Bilanzskandal

Für die Anleihegläubiger stellt die gefundene Einigung einen Verhandlungserfolg dar, betont One Square Advisory-Geschäftsführer Frank Günther. Das Fortführungskonzept bringe den Anleihegläubigern einen „substantiellen Werterhalt“. Begründung: Einem Liquidationsgutachten zufolge hätte den Anleihegläubigern nur ein Anteil von 15 Prozent oder 3,5 Millionen Euro der Insolvenzmasse zur Verfügung gestanden. Im Rahmen des Sanierungskonzeptes hätten die Bondgläubiger nun die Chance zu einer Wertaufholung auf 60 Prozent ihrer Forderungen und sogar mehr, hofft Günther. Anfang September müssen die Anleihegläubiger der Einigung zustimmen. Die einzelnen Maßnahmen sollen bis zum Frühjahr 2015 umgesetzt werden.

Der vor allem im Niedrigpreissegment im Baumarktgeschäft vertretene Fahrradhersteller war durch Fehler in seiner Bilanzierung, aber auch durch Probleme im operativen Geschäft in die Krise geraten: In der Amtszeit von Mifa-Ex-Vorstand Peter Wicht wurden in den Jahren 2012 und 2013 Lagerbestände im Umfang von 19 Millionen Euro falsch ausgewiesen. Dies führte mit Verlusten aus dem Geschäftsjahr 2013 zu einem Bilanzverlust von 28 Millionen Euro. Der Geschäftsbericht für 2013 liegt noch nicht vor. Offen ist demnach weiter die Frage, ob das Zahlenwerk bereits in den Vorjahren fehlerhaft war und die Investoren damit ihre Anlageentscheidung möglicherweise auf Basis fehlerhafter Wertpapierprospekte getroffen haben.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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