14 Tage Zahlungsaufschub: Die Uhr für die Mifa tickt immer lauter.

Mifa

11.08.14
Finanzierungen

Mifa kann Zinsen nicht zahlen

Die Uhr bei dem Fahrradhersteller Mifa tickt immer lauter: 14 Tage zusätzlich geben die Bondgläubiger dem Management, die fälligen Zinsen zu bezahlen. Jetzt sind die Banken am Zug, doch die zeigen sich hart. Mifa droht eine tödliche Pattsituation.

Der in einen Bilanzskandal verwickelte Fahradhersteller Mifa kann die am morgigen Dienstag fälligen Zinsen nicht zahlen. Doch Insolvenz muss das Unternehmen vorerst nicht beantragen, denn die Gläubiger der 25 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe haben in Person ihres gemeinsamen Vertreters One Square Advisory der Mifa die Anleihezinsen um zwei Wochen bis zum 25. August gestundet.

Damit müssen sich die Gläubiger tatsächlich der zentralen Forderung Mifas beugen, die das neue Management des Unternehmens Ende Juli formuliert hatte, als der gemeinsame Gläubiger gewählt worden war. Entscheidender Mann im Mifa-Vorstand ist inzwischen der Sanierer Stefan Weniger, im Aufsichtsrat hat der prominente Top-Manager Utz Claassen Einzug gehalten, entsandt von Großaktionär Carsten Maschmeyer, dem Gründer des Finanzvertriebs AWD.

Der Gründer und langjährige Vorstandschef Peter Wicht hatte sich nach Bekanntwerden der Misere im März zurückgezogen: Damals waren umfangreiche Fehlbuchungen und überraschende Verluste ans Tageslicht gekommen – nur ein halbes Jahr nach der Emission der Mittelstandsanleihe.

Black Box: Wie viele Schulden hat die Mifa?

FINANCE-Informationen zufolge sind die Gespräche zwischen den Finanzierungspartnern in eine Sackgasse geraten. So beharrt der als potentieller Retter aufgetauchte indische Fahrradproduzent Hero Cycles darauf, dass vor einer rettenden Eigenkapitalspritze die Anleihegläubiger auf 80 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

One Square Advisory hingegen soll darauf drängen, den Sanierungsbeitrag der Bondgläubiger zu reduzieren und auch die Banken mit ins Boot zu holen, die nach Ansicht der Anleihegläubiger ebenfalls auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten sollen. Mit welchem Betrag die Banken noch bei der Mifa engagiert sind, ist unklar, denn wegen der fehlerhaften Bilanzen stammt der letzte verfügbare Quartalsbericht aus dem dritten Quartal 2013. Damals – bevor die Anleihe platziert wurde – standen rund 41 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten in den Büchern. Ob später durch die Zuflüsse aus der Anleiheplatzierung Bankschulden getilgt worden sind, ist nicht belegt.

Den Signalen nach zu urteilen, hat die Galgenfrist für die Mifa nun begonnen. Leisten die Banken keinen signifikanten Sanierungsbeitrag, erscheint es gut möglich, dass die Anleihegläubiger in vierzehn Tagen den Einstieg von Hero Cycles platzen lassen und die Insolvenz auslösen.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie gravierend die Probleme bei dem Fahrradhersteller sind und wer inzwischen alles bei der Sanierung mitmischt – alle nötigen Hintergrundinfos auf unserer Themenseite zu Mifa.