Mifa

13.10.14
Finanzierungen

Mifa-Rettung durch Deutsche Balaton?

Mifa kommt auch nach der Insolvenz nicht zur Ruhe: Nun legt ein deutscher PE-Investor ein Rettungskonzept vor, dass sowohl für Anleihegläubiger als auch Altaktionäre attraktiv sein könnte. Diese scheinen interessiert.

Weniger als zwei Wochen nach der überraschenden Insolvenz des Fahrradherstellers Mifa sorgt der börsennotierte PE-Investor Deutsche Balaton mit einem eigenen Restrukturierungskonzept für eine neue Wendung im Drama um den ostdeutschen Fahrradhersteller. Dieses baut in weiten Teilen auf dem bereits fertig ausgehandelten Rettungskonzept auf, auf das sich Mifa mit seinen Gläubigern und Aktionären im August geeinigt hatte. Doch wegen der in letzter Sekunde geplatzten Rettung durch den indischen Fahrradhersteller Hero Cycles ist dieses Konzept vorerst gescheitert. Laut Frank Günther, dem gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger, sind alle dort getroffenen Abmachungen mit dem Insolvenzantrag hinfällig geworden. Günther will nun die Forderungen der Anleihegläubiger auf sofortige Rückzahlung des Papiers anmelden.

Aber der Heidelberger Private Equity-Investor Deutsche Balaton orientiert sich an dieser Abmachung und schlägt ebenfalls ein Paket von Kapitalmaßnahmen im Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro vor. Allerdings unterscheiden sich die Elemente des Rettungspakets erheblich. Unter der Bedingung, dass die finanzierenden Banken ihre Zusagen aufrechterhalten, will die Deutsche Balaton eine Optionsanleihe über 7,5 Millionen Euro zeichnen.

Mifa: Deutsche Balaton will Aktionäre besser stellen als Hero Cycles

Darüber hinaus sollen auch die Aktionäre und weitere Investoren 7,5 Millionen Euro aufbringen. Den Altaktionären will Balaton das Konzept durch einen geringeren Kapitalschnitt im Verhältnis von 5 zu 1 schmackhaft machen, wie IR-Chef Ralph Bieneck erklärt. Im Hero-Konzept wären die Anteile der Altaktionäre fast komplett ausgelöscht worden. Nach dem Kapitalschnitt sollen die Altaktionäre eine Kapitalerhöhung auf das frühere Niveau zeichnen. Rund 7,8 Millionen Aktien sollen zu einem Bezugspreis von 1 Euro angeboten werden.

Die Anleihegläubiger ihrerseits sollen wie schon bisher verabredet auf 15 Millionen Euro nominal sowie die aufgelaufenen Zinsen von rund 2 Millionen Euro verzichten. Im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung sollen die Bondholder je 1.000 Euro Nominalwert der Anleihe 45 Aktien erhalten. Darüber hinaus erhielten die Altanleihegläubiger Bezugsrechte über 2,5 Millionen neue Aktien. Bei einer vollständigen Wahrnehmung der Bezugsrechte kämen die Anleihegläubiger auf 27 Prozent der Aktien und auf rund 10 Prozent, sofern sie die Option nicht wahrnehmen.

Balaton-Konzept: Gleiches Opfer für Anleihegläubiger

Für die geplante Optionsanleihe erhalten die Altanleihegläubiger Bezugsrechte von 100 Prozent. Sofern sie diese nicht wahrnehmen, kommt die Deutsche Balaton zum Zug. Die Anleihe sei über 3 Jahre zu einem Kupon von 4 Prozent geplant, berichtet Balaton-Manager Bieneck: „Aber das ist noch verhandelbar.“ Besichert werden soll die Anleihe mit den freien Sicherheiten in Höhe von 5 Millionen Euro aus dem verfügbaren beweglichen Anlagevermögen, Forderungen und dem Hochregallager, ferner mit der Managerhaftungsversicherung (D&O). Die Anleihe ist verbunden mit Optionsrechten im Volumen von 5,25 Millionen Aktien.

Über das Konzept hat sich der PE-Investor vorab mit der Investmentbank Equinet, die Mifa bei der Anleiheplatzierung begleitet hat, sowie mit dem gemeinsamen Vertreter der Anleihegläubiger verständigt, berichtet Bieneck. Auch für die Altaktionäre sei das Konzept attraktiver als die geplante Rettung durch die Inder, glaubt Bieneck. Einzelne Altaktionäre hätten bereits Sympathie bekundet.

Stühlerücken im Mifa-Management

Mifa-Großaktionär Carsten Maschmeyer zeigte sich in einem Interview mit Handelsblatt Online bereit, die Rettung durch den PE-Investor durch einen Kapitalschnitt zu unterstützen und "eine weitere Finanzspritze zu prüfen" - auch in Millionenhöhe. Der frühere Vorstand Peter Wicht, gegen den die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt, wird aller Voraussicht nach keine Rolle mehr bei der Sanierung spielen. Die Balaton stützt sich bei ihrer Planung auf das von EY erarbeitete Sanierungsgutachten, demzufolge Mifa als Stand-Alone-Unternehmen ein Ebitda von 7 bis 8 Millionen Euro im Jahr 2016 erzielen könnte. Die Mifa-Anleihe reagiert zunächst kaum auf den Balaton-Vorstoß und notiert  bei 13 Prozent. Die Aktie stieg hingegen stark um 30 Prozent auf über 50 Cent.

Der Einstieg von Hero Cycles soll, wie FINANCE aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen erfuhr, aufgrund des Wechsels im Mifa-Management geplatzt sein. Eine Woche zuvor hatte der für die Sanierung geholte Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Barth das Unternehmen verlassen – FINANCE-Informationen zufolge im Streit mit Aufsichtsrat Utz Claassen, dem Vertreter von Carsten Maschmeyer.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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