Die Penell-Firmenzentrale in Ober-Ramstadt: Die Mittelstandsanleihe des Unternehmens muss im Rahmen des Bilanzskandals nachbesichert werden.

Penell

20.01.15
Finanzierungen

Penell: Eigentümer muss Anteile an Treuhänder übertragen

Von Anna Wulf

Im Krimi um die verschwundenen Sicherheiten bei der Mittelstandsanleihe von Penell gerät der Inhaber Kurt Penell in die Defensive: Unter dem Druck der Gläubiger muss er nun die Anteile an einer Schwesterfirma zwecks Nachbesicherung an einen Treuhänder abtreten.

Der Unternehmer Kurt Penell hat zur Nachbesicherung seiner in Bedrängnis geratenen Penell-Unternehmensanleihe die Schwestergesellschaft Synchro Plus in den Sicherheiten-Pool der Anleihegläubiger eingebracht. Nach Angaben des Familienunternehmens Penell wurden 100 Prozent der Anteile an dem Energiedienstleisters an den Treuhänder MSW übertragen, der die Sicherheiten verwaltet. Damit wird der Sicherheiten-Pool wieder aufgefüllt, nachdem sich der Bestand des dafür eigentlich vorgesehenen Kupferlagers als deutlich geringer herausgestellt hatte als angegeben.

Die Haidemühler Synchro Plus ist im Gegensatz zu Penell kein Kabelhersteller. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen und Montage im Kabel- und Leitungssektor an und gehörte bisher nicht zu den Sicherheiten der Anleihegläubiger. Die Anteile an dem Unternehmen werden so lange vom Treuhänder MSW verwaltet, bis die Verbindlichkeiten gegenüber den Anleihegläubigern vollständig bedient sind. Synchro Plus hat rund 20 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2013/2014 bei einem Umsatz von 3,2 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von rund 112.000 Euro.

Ende des Bilanzskandals bei Penell nicht absehbar

Neben dem Unternehmen Synchro Plus, das gesellschaftsrechtlich nicht mit Penell verbunden ist, wird der Gesellschafter Kurt Penell nach eigenen Angaben auch eine Barkomponente in noch unbekannter Höhe in den Sicherheiten-Pool einbringen. Die Nachbesicherung der Penell-Anleihe ist also noch nicht abgeschlossen. Penell hatte sich eine Verlängerung der Frist ausgebeten und wird sein Nachbesicherungskonzept bis Ende Februar den Gläubigern vorlegen. Aktuell untersucht unter anderem die Kanzlei CMS Hasche Sigle, wie es zur Falschbilanzierung und dem Verschwinden der Sicherheiten kommen konnte.

Aufatmen können die Gläubiger der Mittelstandsanleihe von Penell aber noch nicht. Die Tonalität der Mitteilung von Penell lässt erahnen, wie ungewiss die Spezialisten, die Penell gerade unter die Lupe nehmen, die Lage des hessischen Familienunternehmens einschätzen.  Wie es heißt,  soll „durch die Übertragung der Anteile sichergestellt sein, dass Synchro Plus auch zukünftig weiter unabhängig von Penell agieren kann“. Somit seien auch die Arbeitsplätze bei Synchro Plus gesichert.

Ermittelt die Staatsanwaltschaft schon gegen Kurt Penell?

Kurt Penell drohen neben den schwierigen Gesprächen mit seinen Gläubigern nun auch unangenehme Fragen durch die Darmstädter Staatsanwaltschaft, die Berichten zufolge Ermittlungen gegen den Unternehmer aufgenommen haben soll. Demzufolge bestehe der Verdacht des Betrugs, denn Penell könnte die Investoren bewusst getäuscht haben. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt bestätigte gegenüber Finance, dass Ermittlungen im Zusammenhang mit der Situation bei Penell laufen.

 

Penell hatte die Mittelstandsanleihe im Volumen von 5 Millionen Euro erst im Juni vergangenen Jahres begeben. Die Laufzeit des Mini-Bonds beträgt fünf Jahre.

 

 

anna.wulf[at]finance-magazin.de