Ist die Mittelstandsanleihe für Royalbeach ein Auslaufmodell? Nach der Refinanzierung des ersten Mini-Bonds durch einen Bankkredit und die zurückgefahrene IR-Arbeit scheint sich der Sportgerätehändler vom Kapitalmarkt weitgehend zurückzuziehen.

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13.10.16
Finanzierungen

Royalbeach refinanziert in 15 Tagen fälligen Mini-Bond

Der Sportgerätehändler Royalbeach sichert wenige Tage vor Fälligkeit die Refinanzierung des 12,3 Millionen Euro schweren Mini-Bonds. Parallel fahren die Bayern die professionelle IR-Arbeit zurück und ziehen sich vom Kapitalmarkt weitgehend zurück.

Der Sportgerätehändler Royalbeach sendet ein Lebenszeichen. Wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag bekannt gab, seien Kreditverträge mit einer nicht namentlich genannten internationalen Bank unterzeichnet worden. Damit sei nun das Geld beisammen, um die in 15 Tagen fällige, noch 12,3 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe abzulösen. 

Ein Bankenkonsortium stellt zudem eine operative Betriebsmittellinie bereit. Royalbeach-CEO Hans-Jürgen Münch möchte damit die Finanzierungsstruktur von Royalbeach langfristig stabilisieren und international wachsen.

Der Kurs der mit 8,125 Prozent verzinsten Anleihe 2011/2016 schoss daraufhin heute um rund 27 Prozent nach oben und notiert derzeit bei 97,5 Prozent des Ausgabekurses. Der zweite Bond, der nur wenige Millionen Euro umfasst und im Jahr 2020 fällig wird, notierte am Nachmittag bei 93 Prozent.

Royalbeach: Mittelstandsanleihe stand bei 40 Prozent

Die bald fällige Anleihe war zwischenzeitlich zweimal stark eingebrochen. Zum ersten Mal fiel sie im Juli auf rund 40 Prozent, als die Bondholder erste Zweifel an der Refinanzierung zeigten. Am 21. Juli verkündete Royalbeach, man sei „mit einer renommierten internationalen Bank in weit fortgeschrittenen Verhandlungen“. Der Kurs stieg daraufhin wieder auf rund 90 Prozent.

Doch die Verhandlungen zogen sich hin. Royalbeach tauchte ab und meldete sich erst Anfang August wieder zu Wort mit den Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015. Bei einem Umsatz von 71,5 Prozent stand unter dem Strich ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 5,9 Millionen Euro und ein Free Cashflow von 3,7 Millionen Euro. Da Investoren kein Update bezüglich der Refinanzierung erhielten, brach der Mini-Bond Ende September wieder auf rund 65 Prozent ein. 

Royalbeach scheint sich vom Kapitalmarkt zurückzuziehen

Mit der Rückzahlung der ersten Mittelstandsanleihe verdichten sich die Anzeichen, dass Royalbeach das Kapitel Mittelstandsanleihe wohl beenden wird. Zum einen floppte Ende 2015 die Platzierung der zweiten Anleihe. Laut einer Pressemitteilung wurden nur rund 3 Millionen der geplanten 25 Millionen Euro gezeichnet, wovon 72 Prozent aus dem Umtausch der ersten Anleihe stammten.

Zum anderen scheinen die Bayern die Investor-Relations-Arbeit stark zurückzufahren. Die bisher damit beauftragte Agentur Better Orange ist nicht mehr mandatiert. Als Presse- und IR-Kontakt wird Münchs Vorstandsassistentin genannt. Royalbeach wollte dazu zunächst nicht Stellung beziehen.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Royalbeach kann seinen Bond kurz vor Fälligkeit noch refinanzieren. Viele andere Mini-Bond-Emittenten hatten das zuletzt nicht geschafft und sind ausgefallen. Die FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen verschafft den Überblick.