Mit dem Import von Trampolinen ist Royalbeach groß geworden. Jetzt steht das Unternehmen am Bondmarkt vor einer großen Bewährungsprobe.

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14.07.16
Finanzierungen

Royalbeach taucht ab

Kurssturz, fehlende Geschäftszahlen, nahende Fälligkeit: Der Sportgerätehändler Royalbeach wackelt und ist abgetaucht. Der nächste Krisenherd am Mini-Bondmarkt?

Kaum ist der Nachhall der Mega-Pleite von KTG Agrar ein wenig verklungen, droht dem Mittelstandsanleihen-Markt schon der nächste Krisenfall: Drei Monate vor der Fälligkeit hat der Sportgerätehändler Royalbeach noch immer keinen Refinanzierungsplan für die auslaufende Anleihe mit einem Volumen von über 10 Millionen Euro vorgelegt.

Alarmierend ist, dass das Unternehmen auf Tauchstation gegangen ist. Die letzte offizielle Unternehmensnachricht datiert aus dem Februar, als die Bayern bekanntgaben, 2015 einen Rekordumsatz von über 110 Millionen Euro erzielt zu haben – mehr als geplant und deutlich mehr als die 85,7 Millionen Euro aus dem Jahr davor. Für Anfang März wurde die Vorlage vorläufiger Ertrags- und Bilanzkennzahlen in Aussicht gestellt, doch dazu kam es bis heute nicht. Auch der für Juni versprochene Geschäftsbericht 2015 lässt auf sich warten.

Die Investoren befinden sich also im Blindflug – und quittieren dies mit Verkäufen. Seit vier Wochen steht die Royalbeach-Anleihe unter schwerem Abgabedruck, der Kurs ist von knapp 100 auf nur noch 70 Prozent vom Nennwert abgestürzt. Zwischenzeitlich fand der Kurs sogar erst bei 60 Prozent Halt.

Creditreform: Royalbeach ist mit 7,6x Ebitda verschuldet

Der tatsächliche Ernst der Lage ist von außen kaum einzuschätzen, nicht nur weil aktuelle Zahlen fehlen. Die aus dem Unternehmen heraussickernden Daten sind sogar noch widersprüchlich. So beziffert die Ratingagentur Creditreform, die Royalbeach vor drei Wochen ein Rating-Downgrade von BB auf B- (negativ) verpasste, den 2015er-Umsatz auf 99,1 Millionen Euro – über 10 Millionen Euro niedriger als in der Mitteilung von Royalbeach aus dem Februar. Die Österreich-Tochter soll laut Creditreform 20,4 Millionen Euro erlöst haben.

Glaubt man den Angaben der Creditreform, stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 4,7 auf 6,3 Millionen Euro. Trotzdem habe die Nettofinanzverschuldung zum Jahresende bei 7,6x Ebitda gelegen – ein besorgniserregender Wert. Überprüfen können Investoren und externe Dritte diese Zahlen nicht.

Royalbeach: Rettungsschirm Factoring?

Auch die Aussagen zur Finanzierung wirken nicht wie aus einem Guss. Zu Jahresbeginn jubelte die Firma noch, dass die Zusage eines Factoring-Rahmens über 25 Millionen Euro – eine Finanzierungsform, bei der Unternehmen ihre Forderungen verkaufen – Royalbeach „zusätzliche verfügbare Liquidität in entsprechender Höhe“ zugeführt habe. Indem er in diesem Zusammenhang auch noch den „durchschnittlichen Forderungsbestand des Unternehmens von über 50 Millionen Euro“ erwähnte, suggerierte Royalbeach-Chef Hans-Jürgen Münch sogar, dass noch mehr Finanzierungsspielraum vorhanden sein dürfte.

Dem gegenüber steht ein in Kürze zur Refinanzierung anstehendes Bondvolumen von lediglich rund 11 Millionen Euro, wie ein Royalbeach-Sprecher FINANCE gegenüber sagte. Auch wenn das Geschäftsmodell – der Import von Fitness- und Spielgeräten und anschließende Weiterverkauf an große Einzelhandelsketten – viel Kapital bindet, hätte der Factoring-Deal die Refinanzierung der Anleihe eigentlich abgesichert haben müssen. Da dies nach Ansicht der Creditreform nicht der Fall ist, rückt die Formulierung in der Royalbeach-Mitteilung zum Thema Factoring in den Mittelpunkt. Dort ist nicht vom Abschluss eines Factoring-Vertrags die Rede, sondern von der „Zusage eines Factoring-Rahmens“.

Wie viele Millionen hat Royalbeach am Bondmarkt ausstehen?

Offensiver kommunizierte Royalbeach-Chef Münch noch im vergangenen Herbst – unter anderem bei FINANCE-TV. Damals versuchte Münch eine neue, bis 2020 laufende Anleihe mit einem Volumen von bis zu 25 Millionen Euro zu platzieren. „Wir haben gelernt, uns am Kapitalmarkt zu präsentieren“, lobte er sich. Mit den Erlösen aus der Neuemission sollte nicht nur die Rückzahlung des Bonds, sondern auch das weitere Wachstum finanziert werden.

Doch die Emission floppte: Von Oktober bis Dezember sammelte die Firma gerade einmal 3 Millionen Euro ein. 72 Prozent davon stammten von Altinvestoren, die das alte in das neue Papier tauschten. Neue Investoren konnte Münch damals so gut wie keine gewinnen. Eine weitere Wasserstandsmeldung gab es nicht. Wie viele Bondgelder damit bei Royalbeach jetzt insgesamt im Feuer stehen, ist nicht genau festzustellen. Es könnten rund 15 Millionen Euro sein, vielleicht aber auch mehr.

Royalbeach setzt auf die Hausbanken

Angesichts der aktuellen Kursentwicklung und der unklaren Lage an der Finanzierungsfront ist es unwahrscheinlich, dass derzeit noch Anleger die neue Anleihe zeichnen. Daher sollen es jetzt die Banken mit neuen Krediten richten, wie FINANCE aus dem Unternehmensumfeld erfahren hat. Das klingt stimmig. „Wenn es mit der neuen Anleihe nichts wird, werden wir den Weg mit unserem Pool an Hausbanken gehen“, hatte Münch schon im vergangenen Herbst angekündigt.

Diese sind bei Royalbeach aber schon jetzt deutlich stärker engagiert als die Bondholder. Die Frage, ob die Banken im Notfall trotzdem zur Ablösung der Anleiheverbindlichkeiten bereit stünden, beantwortete Münch vor einem dreiviertel Jahr noch mit einem klaren „Ja“. Zur aktuellen Situation des Unternehmens wollte ein Unternehmenssprecher keinen Kommentar mehr abgeben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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