Nächste Eskalationsstufe in der Krise von Scholz: Das Unternehmen will die Anleihezinsen nicht zahlen.

Scholz

15.02.16
Finanzierungen

Scholz bittet um Zinsstundung über 15 Millionen Euro

Der schwer angeschlagene Schrottrecycler Scholz will seine im März fälligen Anleihezinsen nicht bezahlen. Die Bondholder haben ihr Investment ohnehin schon aufgegeben.

Die Lage des angeschlagenen Familienunternehmens Scholz wird offenbar immer prekärer. Nun bittet der Schrottrecycler die Inhaber seiner 182,5 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe um eine Stundung der am 8. März fälligen Anleihezinsen. Dabei geht es um einen Betrag von 15,5 Millionen Euro. Verhandlungen mit der von einem Wiener Gericht eingesetzten Kuratorin Ulla Reisch haben bereits begonnen. Reisch wurde eingesetzt, um die Interessen der Gläubiger zu vertreten, da Scholz die nach österreichischem Recht begebene Anleihe restrukturieren will.

„Die Stundung der Zinszahlung würde eine stabile Plattform schaffen, um die laufenden Gespräche mit den Kreditgebern sowie den Investorenprozess fortzusetzen“, schrieb Scholz zur Begründung. Der mit fast 1 Milliarde Euro verschuldete Konzern sucht händeringend nach einem Investor, der frisches Eigenkapital zuschießt. Doch zuvor muss der Schuldenberg restrukturiert werden.

Der größte Teil der Verbindlichkeiten entfällt auf Bankschulden. Um diese leichter abtragen zu können, hat Scholz vor wenigen Wochen den Unternehmenssitz seiner Holding nach London verlegt. Dies ermöglicht eine „Scheme of Arrangement“-Lösung nach britischem Recht, eine Art Schnellverfahren für Schuldenschnitte.

Eigentümer von Scholz bereiten ihren Rückzug vor

Weder zum Investorenprozess noch zu den Verhandlungen mit den Fremdkapitalgebern gibt es Neuigkeiten. Laut Scholz laufen beide Prozesse weiter. Allerdings lässt das Unternehmen wenig Zweifel daran, dass es ohne Schuldenschnitt kein neues Eigenkapital von fremden Investoren bekommen wird.

Die Gesellschafter des Unternehmens – die Familie Scholz sowie der japanische Industriekonzern Toyota Tsuho – machen sich offenbar schon bereit, den Weg für neue Geldgeber freizumachen. Laut Scholz wurde eine nicht näher beschriebene „Übereinkunft mit den Gesellschaftern erzielt, die sicherstellt, dass es im Fall einer Einigung mit Kreditgebern und Investoren unverzüglich zu den erforderlichen gesellschaftlichen Transaktionen kommen kann“.

Der Kapitalmarkt hat sein Urteil zu den Aussichten des Unternehmens schon gesprochen. Der Kurs der Anleihe notiert inzwischen bei weniger als 5 Prozent. Am Freitag verlor er noch einmal fast ein Drittel seines Werts.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie läuft der Investorenprozess? Wer zieht mit? Wie schwach ist die Bilanz? Alles Wichtige über die Misere bei Scholz aus Finanzsicht gibt es auf der FINANCE-Themenseite zu Scholz.