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Corestate stellt Insolvenz in Raum

Tower 185 in Frankfurt am Main
Neben dem Hauptsitz in Luxemburg hat Corestate auch einen Sitz im Tower 185 in Frankfurt. Foto: Mustafa Kurnaz - stock.adobe.com

Die Lage bei dem schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Corestate spitzt sich dramatisch zu. Am Freitagabend warnte der Asset Manager, dass die Sanierungsverhandlungen mit den Anleihegläubigern des Unternehmens „aus Sicht des Vorstands nicht mehr mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen sind“.

Info

Ohne eine Lösung in den Verhandlungen wird die Rückzahlung der 200-Millionen-Euro-Wandelanleihe von Corestate am 28. November fällig. Aufgrund dieser Sachlage konkretisiert sich für das Corestate-Management die Möglichkeit einer Insolvenz – man prüfe derzeit eine Insolvenzantragspflicht.

Streit um Sanierungslösung für Corestate

Der Fall Corestate ist komplex und hat sich binnen weniger Wochen schnell zugespitzt. Der hochverschuldete Corestate-Konzern hat zwei Anleihen in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro ausstehen. Eine der Anleihen mit einem Volumen von 300-Millionen Euro wird im April kommenden Jahres fällig, die Rückzahlung der 200 Millionen Euro schwere Wandelanleihe steht aber eigentlich in bereits genau einer Woche an. Da Corestate die Gläubiger aus eigener Kraft wohl nicht vollumfassend bedienen kann, muss der Konzern eine Restrukturierungslösung finden.

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Corestate

Der Asset Manager Corestate machte Schlagzeilen mit Vorstandsrochaden, internen Zerwürfnissen und schlechten Zahlen. Nun hat sich die Lage zugespitzt – bleiben Sie auf dem Laufenden.

Hierfür stehen sich nun die Sanierungskonzepte zweier Interessensgruppen gegenüber: Auf der einen Seite befinden sich die Anleihegläubiger. Diese schlagen einen Schuldenschnitt von rund 80 Prozent vor, im Zuge dessen sollen die Anleihegläubiger mit einem Debt-to-Equity-Swap rund 80 Prozent der Corestate-Anteile erhalten. Die Gläubiger würden rund 25 Millionen Euro frisches Kapital zuschießen. Der Zinssatz der neuen Anleihe würde auf 4 Prozent steigen, auch verlangt die Gruppe einen CRO.

Auf der anderen Seite steht eine Investorengruppe. Auch diese befürwortet einen Schuldenschnitt von 80 Prozent, will aber das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung und eine Wandelanleihe in Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro sanieren. Auch wollen die Investoren 100 Millionen Euro an neuen Schulden bereitstellen zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent. Die Investoren wollen dafür ihrerseits ebenfalls 80 Prozent an Corestate halten.

Die Anleihegläubiger befürchten, bei dieser Variante benachteiligt zu werden. Sie sollen jedoch durch ein Upside Sharing von dem Deal profitieren und 50 Prozent der Nettoerlöse erhalten, so lautet das Versprechen.

Corestate steckt tief in den roten Zahlen

Eine Lösung muss eigentlich bis zum 28. November gefunden werden, wenn die 200-Millionen-Euro-Wandelanleihe fällig wird. An dem Tag wird eine Gläubigerversammlung stattfinden, in der die Gläubiger über Restrukturierung des Konzerns abstimmen werden.

Wie tief Corestate in der Krise steckt, zeigen auch die jüngsten Quartalszahlen des Konzern. Die vorgelegten Q3-Zahlen des Unternehmens waren äußert schwach ­–  der Konzern vermeldete einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 108,3 Millionen Euro für die ersten neun Monate des Jahres 2022. Auch der Umsatz brach massiv um über 68 Prozent ein, zudem wuchsen die Nettoschulden auf 556 Millionen Euro.

Die Aktionäre des Immobilienfinanzierers reagierten beunruhigt auf die Ankündigung einer möglichen Insolvenz. Der Corestate-Kurs fiel am heutigen Montag um rund 50 Prozent und notierte zuletzt bei 0,37 Euro.

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.