Das Biotechnologieunternehmen Evotec platziert zum ersten Mal einen Schuldschein. Die eingesammelten 250 Millionen sollen unter anderem eine Akquisition finanzieren.

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26.06.19
Finanzierungen

Evotec gibt Debüt am Schuldscheinmarkt

Evotec hat erstmals den Schuldscheinmarkt angezapft – und sammelte gleich 150 Millionen Euro mehr ein als zunächst geplant. Mit dem Geld soll unter anderem ein M&A-Deal finanziert werden.

Das Biotechnologieunternehmen Evotec hat sich zum ersten Mal an einen Schuldschein gewagt. Wie die Hamburger am heutigen Mittwoch mitteilten, platzierten sie ein Volumen von 250 Millionen Euro bei institutionellen Investoren. Das ursprüngliche Zielvolumen hatte bei 100 Millionen Euro gelegen, Evotec zufolge wurde das Volumen aufgrund hoher Nachfrage ausgeweitet. Der Schuldschein wurde mit Laufzeiten von drei, fünf, sieben und zehn Jahren sowie festen und variablen Zinsen platziert. Der durchschnittliche Zins liegt dem Biotech-Unternehmen zufolge bei unter 1,5 Prozent.

Begleitet wurde das im MDax und TecDax notierte Biotech von der Deutschen Bank und der LBBW. Gezeichnet haben den Schuldschein institutionelle Anleger aus dem Banken- und Versicherungssektor, in erster Linie internationale Privatbanken, Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsbanken mit Sitz in Deutschland.

Evotec will mit dem Geld Just.Bio kaufen

Für ein mittelständisches Biotech-Unternehmen ist der Gang an den Schuldscheinmarkt ein ungewöhnlicher Schritt. Gegenüber Finanzierungsrunden mit Investoren, wie sie sonst in der Biotech-Branche häufig vorkommen, bietet der Schuldschein dem Unternehmen Vorteile, die CFO Enno Spillner aufgrund der zuletzt vorgelegten guten Zahlen nutzen kann. „In diesem Fall war es unsere solide Bilanz, die wir für eine konservative Kreditaufnahme ohne die in unserer Branche übliche Kapitalverwässerung nutzten“, sagt CFO Spillner.

Mit dem frischen Geld will Evotec seine Finanzstruktur verbessern, bestimmte bestehende günstiger refinanzieren und den jüngsten Zukauf stemmen: Ende Mai gab der Mittelständler bekannt, dass er für umgerechnet 81 Millionen Euro das Hightech-Unternehmen Just.Bio erwerben will.

Eine erste Zahlung von 54 Millionen Euro wird nach Abschluss der Transaktion fällig, zudem enthält der Gesamtkaufpreis für Just.Bio, das 2018 rund 20 Millionen Euro erlöste, eine über drei Jahre laufende Earn-out-Komponente. Das Closing des M&A-Deals erwartet Evotec bereits in wenigen Tagen.

Das Biotech steigerte Ebitda-Marge

Evotec zeigte zuletzt auch im bestehenden Geschäft starkes Wachstum: Im ersten Quartal 2019 erwirtschaftete das Biotech ein bereinigtes Ebitda von 30 Millionen Euro (Q1 2018: 14 Millionen Euro) bei einem Quartalsumsatz von 104 Millionen Euro und erzielte eine bereinigte Ebitda-Marge von knapp 29 Prozent. Für 2019 erwartet das Unternehmen ein weiteren Anstieg des bereinigten Ebitda um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Den Anstieg des bereinigten Ebitda im ersten Quartal begründete Evotec neben buchhalterischen Effekten durch die erstmalige Anwendung von IFRS 16 mit starkem Wachstum im Basisgeschäft und höheren Meilensteinbeiträgen insbesondere aus Allianzen mit Bayer und Boehringer Ingelheim.

Evotecs Kasse war bereits gegen Ende des ersten Quartals gut gefüllt: Am Ende des ersten Quartals lag die Liquidität bei knapp 142 Millionen Euro, davon entfielen 112 Millionen Euro auf Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten und 30 Millionen Euro auf Wertpapiere. Eine Brückenfinanzierung über 140 Millionen Euro, die Evotec 2017 für die Übernahme des Unternehmens Aptuit aufgenommen hatte, hat CFO Spillner in weniger als zwei Jahren zurückgezahlt – dem Unternehmen zufolge war dies „vor allem durch den starken Cashflow aus Evotecs operativem Geschäft sowie durch Refinanzierung zu attraktiveren Konditionen“ möglich.

FINANCE-Köpfe

Enno Spillner, Evotec AG

Enno Spillner beginnt seine berufliche Laufbahn als Assistent der Geschäftsführung bei der Mediaagentur Media Plus. 1999 geht er zu BioM, einer Netzwerkagentur für Biotechnologie in München und Bayern. Dort ist er zunächst Leiter Finanzen & Controlling und übernimmt später auch wesentliche Teile des Portfoliomanagements. Zwischenzeitlich übernimmt er auch die Interimsgeschäftsführung der Biotechnologiefirmen Actipac Biosystems und Munich Innovative Biomaterials. 2001 wird Spillner Partner und Geschäftsführer des BioM VC-Fonds.

Vier Jahre später wechselt er als CFO zu dem Biotechnologieunternehmen 4SC. Von 2013 bis 2016 ist er zusätzlich Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Im Juli 2016 geht er zu dem Biotech-Unternehmen Evotec und übernimmt dort den Posten des Finanzvorstands. 

zum Profil

Evotec ist einer der wenigen Schuldschein-Emittenten 2019

Mit seinem Schuldschein gehört Evotec in diesem Jahr bislang zu einem kleinen Kreis an Emittenten. Der Schuldscheinmarkt hat sich bisher eher verhalten gezeigt – im ersten Quartal platzierten nur 26 Unternehmen Schuldscheine mit einem Volumen von insgesamt 3,73 Milliarden Euro. Das sind 30 Prozent weniger als im Vorjahr.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über die Karriere des Evotec-CFOs lesen Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Enno Spillner.