Der Schweizer Konzern Lonza hat einen Jumbo-Schuldschein platziert und sammelt dabei nicht nur Euro ein.

Lonza Ltd

08.08.17
Finanzierungen

Lonza sammelt mit Schuldschein 870 Millionen Euro ein

Der Chemie- und Pharmakonzern Lonza platziert einen der größten Schuldscheine des Jahres und sammelt dabei sowohl Euro als auch Dollar ein. Mit den neuen Mitteln refinanzieren die Schweizer einen Milliardendeal.

Lonza geht mit einem Jumbo-Schuldschein an den Markt. Das Baseler Unternehmen sammelt bei der Transaktion neue Mittel im Wert von insgesamt 870 Millionen Euro ein, die sich auf zwei Währungen verteilen. Neben 700 Millionen Euro sammelten die Schweizer auch 200 Millionen US-Dollar ein. Commerzbank, Helaba, HSBC, ING und LBBW begleiteten die Transaktion.

Ursprünglich soll der Chemie- und Pharmakonzern ein Zielvolumen von 300 Millionen Euro angestrebt haben, berichtet die Nachrichtenplattform „Global Capital“. Deutliche Überzeichnungen sind am Schuldscheinmarkt mittlerweile üblich, bei Lonza hätte sich das Volumen dem Bericht nach sogar verdreifacht.

Lonza nutzt gute Konditionen am Schuldscheinmarkt

Die Konditionen nennt der Schweizer Konzern, der über kein externes Rating verfügt, selbst „kompetitiv“, liefert aber keine weiteren Details. Laut „Global Capital“ lag die Preisspanne für die vierjährige Euro-Tranche bei 85 bis 100 Basispunkten und für die sechsjährige bei 105 bis 120 Basispunkten. Die Dollar-Tranche soll über fünf Jahre laufen und einen Preis zwischen 145 und 160 Basispunkten aufweisen. Lonza selbst teilte allerdings mit, dass es auch eine siebenjährige Dollar-Tranche gibt. Zu deren Pricing ist nichts bekannt.

Die besonders niedrigen Konditionen am Schuldscheinmarkt hatten zuletzt eine Diskussion darüber ausgelöst, wie lange der Abwärtstrend der Preise sich noch fortsetzen könne. Neuen Stoff für die Debatte lieferte im Juni der Medizintechnikhersteller B. Braun mit einer Schuldscheintransaktion zu Rekordkonditionen. Die Experten der Ratingagentur Scope gehen davon aus, dass der Tiefpunkt mittlerweile jedoch erreicht sei und die Risikoaufschläge im zweiten Halbjahr wieder anziehen könnten.

Lonza refinanziert Übernahme von Capsugel

Der Lonza-Schuldschein ist erst der zweite Jumbo-Schuldschein in den vergangenen Monaten. Während im ersten Quartal des Jahres noch einige Großemittenten an den Markt gingen, platzierte im zweiten Quartal lediglich der Medienkonzern Axel Springer einen Schuldschein, der die 500 Millionen-Euro-Marke knackte. Alle Informationen über den Markt finden Sie im aktuellen FINANCE-Schuldschein-Update.

Lonza-CFO Rodolfo Savitzky kann die hohe Summe gut gebrauchen. Der Konzern will die Mittel zur Refinanzierung der Übernahme des US-Unternehmens Capsugel nutzen. Die Schweizer kauften das Unternehmen Ende vergangenen Jahres für 5,5 Milliarden US-Dollar vom Finanzinvestor KKR, der Deal wurde im Juli abgeschlossen.

Zur Finanzierung des Deals hatte das Unternehmen, das 2016 einen Umsatz von 4,13 Milliarden Schweizer Franken erzielte, im Mai bereits eine Kapitalerhöhung gestemmt: 2,2 Milliarden Schweizer Franken flossen damals in die Kasse von CFO Savitzky.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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